Tarifeinigung: Schlichterspruch für das Bauhauptgewerbe angenommen

BERLIN, 17.09.2020 – Kurz vor Ende der Erklärungsfrist haben die Tarifparteien des Bauhauptgewerbes mit ihrer Zustimmung zum Schlichterspruch heute den Tarifkonflikt beendet. Damit kann das Schlichtungsergebnis vom 3. September in Kraft treten. Es sieht ein Lohn-Plus für die Baubeschäftigten von insgesamt 2,6 Prozent im Westen und 2,7 Prozent im Osten vor.

Eine Baustelle in Berlin
Mäßige Lohnerhöhung und eine Einmal-Prämie: Für das Bauhauptgewerbe wurde eine Tarifeinigung gefunden. | Foto: Quatex
Mit ihrer Zustimmung würden die Tarifvertragsparteien ihrer Verantwortung angesichts der „schwierigen wirtschaftlichen Situation der Branche in der Corona-Pandemie“ Rechnung tragen, teilten die Arbeitgeberverbände, der Hauptverband der Deutschen Bauindustrie und der Zentralverband Deutsches Baugewerbe gemeinsam mit. Damit würden die Man habe einen „guten Kompromiss für viele Fragen“ ausgehandelt, erklärten Verhandlungsführer Uwe Nostitz vom ZDB und Jutta Beeke, Vizepräsidenten des Hauptverbandes der Deutschen Bauindustrie (HDB). Daran habe der Schlichter, Prof. Dr. Rainer Schlegel, Präsident des Bundessozialgerichts, einen wichtigen Anteil gehabt.

Corona-Prämie und mäßige Lohnerhöhung

Danach erhalten die Beschäftigten im Bauhauptgewerbe in diesem Jahr eine steuer- und sozialabgabenfreie Einmalzahlung in Höhe von 500 Euro, die Auszubildenden in Höhe von 250 Euro. Zum 1. Januar 2021 erhöhen sich die Entgelte der Beschäftigten um 2,1 Prozent im Tarifgebiet West und 2,2 Prozent im Tarifgebiet Ost. Zusätzlich gibt es ab dem 1. Oktober einen Zuschlag von 0,5 Prozent auf den Stundenlohn zur pauschalen Entschädigung von Wegezeiten und -strecken. Auch die Ausbildungsvergütungen werden angehoben, und zwar um 40 Euro im ersten, um 30 Euro im zweiten und um 20 Euro im dritten Lehrjahr. Der Tarifabschluss gilt für 14 Monate rückwirkend ab dem 1. Mai bis zum 30. Juni 2021.

Gespräche über Änderungen im Bundesrahmentarifvertrag

Die IG Bau spricht von einem „Tarifabschluss, der Perspektive bringt“. So werde die Laufzeit des neuen Tarifvertrages bis zum kommenden Juni genutzt, um eine Lösung für eine verbindliche Einführung einer Wegezeit-Entschädigung zu schaffen. Auch eine zukunftsfähige Regelung der Mindestlöhne soll Gegenstand von sogenannten „Gipfelgesprächen“ unter Moderation des Schlichters werden.
Das Schichtungsergebnis sei in puncto Wegezeit erst ein Einstieg, dem „ganz klar weitere Schritte folgen müssen“, sagte IG Bau-Chef Robert Feiger. Er warnte den ZDB und HDB davor, bei diesen Spitzengesprächen „weiterhin auf die Bremse zu treten und dabei zu hoffen, mit einer halbherzigen Lösung davonzukommen“.

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