Baustoffbranche gegen Quotenregelung beim Bauen

BERLIN, 23.09.2020 – Auf der Ebene von Bund und Ländern wird darüber diskutiert, eine sogenannte Holzbauquote in Deutschland einzuführen. Dagegen wehrt sich die Massivbau-Industrie unmittelbar vor der Bauministerkonferenz, die am Donnerstag in Weimar beginnt: In einem gemeinsamen Papier fordern 33 Verbände und Organisationen die Technologieoffenheit am Bau.

von Britta Brinkmeier

Die neue Kita des Bundesfinanzministeriums in Holzbauweise
Die Bauministerkonferenz diskutiert in den nächsten zwei Tagen über die Einführung einer Holzbauquote im Neubau. Im Bild der Kita-Neubau für das Bundesfinanzministerium. | Foto: Max Holzbau Unternehmensgruppe

In ihrem „Positionspapier für Wettbewerbsgleichheit und Technologieoffenheit in der Bauwirtschaft“ warnen die Repräsentanten der der auf den Massivbau ausgerichteten Bauwirtschaft vor einer Holzbauquote beim Neubau. „Politisch diktierte“ Quotenregelungen zugunsten einzelner Baustoffe und Bauweisen seien mit einer offenen Marktwirtschaft und mit einem fairen Wettbewerb nicht vereinbar, so die Aktion "Nachhaltiger Massivbau", die von der Deutschen Gesellschaft für Mauerwerks- und Wohnungsbau (DGfM) koordiniert wird. Baupolitik müsse sich für eine gleichberechtigte und angemessene Förderung aller Bauprodukte und Bauweisen einsetzen.

Der Vorsitzende der Bauministerkonferenz, Thüringens Infrastrukturminister Benjamin-Immanuel Hoff (Linke), hatte den verstärkten Einsatz von nachwachsenden Rohstoffen im Gebäudebau gefordert. Holz sei „dabei eine Möglichkeit, innovativ, klimafreundlich und nachhaltig zu bauen“, so Hoff.

Massivbau langfristig nachhaltiger

„Es geht darum, dass die seit einigen Jahren von der Holzwirtschaft penetrierte These, nur mit Holz noch klimagerecht bauen zu können, nicht länger unreflektiert Grundlage politischer Entscheidungen ist“, so DGfM-Geschäftsführer Dr. Ronald Rast. Die Nachhaltigkeit des Massivbaus müsse den klimapolitischen Stellenwert erhalten, der ihm zustehe. Der in Deutschland vorwiegende Massivbau sei beständig, auf eine lange Lebensdauer ausgelegt und damit nachhaltig. Dass hauptsächlich mit Mauersteinen und Beton gebaut werde, sei die freie Entscheidung von Bauherrn und Investoren, Planern und Architekten sowie öffentlicher Auftraggeber. Zudem gebe es heute schon eine enorm hohe Recyclingquote beim Massivbau. Gegenüber anderen Bauweisen seien die Eigenschaften von Massivbauten in vielen Belangen „gleichwertig oder besser", so unter anderem in Hinblick auf den sommerlicher Wärmeschutz, Lärm- und Brandschutz, für das klimaangepasste Bauen sowie bezüglich kurzer Transportwege.

An der Aktion „Nachhaltiger Massivbau“ beteiligen sich unter anderem die Bundesverbände der Transportbetonindustrie, der Kalksandsteinindustrie, der Porenbetonindustrie sowie der Ziegelindustrie, die DGfM sowie der Hauptverband der Deutschen Bauindustrie.

Ablehnung auch vom ZDB

Auch Reinhard Quast, Präsident des Zentralverbands Deutsches Baugewerbe, appellierte im Vorfeld an die Bauministerkonferenz, auf eine Quote für einzelne Baustoffe zu verzichten: „Die Nachhaltigkeit eines Gebäudes wird nicht allein durch die Auswahl eines Baustoffes erreicht. Nachhaltiges Bauen braucht die Vielfalt an Baustoffen und damit einen technologie- und baustoffunabhängigen Wettbewerb.“
Mit dem Kreislaufwirtschaftsgesetz, dem Erneuerbaren Energiegesetz sowie dem Green Deal seien die politischen Weichen für nachhaltiges Bauen und einen klimaneutralen Gebäudebestand bis 2050 bereits gestellt. Das Bauordnungsrecht müsse produktneutral bleiben, so Quast: „Eine bauordnungsrechtliche Besserstellung oder Benachteiligung von Baustoffen in einzelnen Gebäudeklassen lehnen wir strikt ab.“