Premiere: Erstes Wohnhaus in Deutschland aus dem Betondrucker

WEISSENHORN/HEIDELBERG, 30.9.2020 – Es ist eine neue Form des Bauens: Erstmals kommt in Deutschland ein Wohnhaus aus dem Drucker. Ein auf der Baustelle installierter 3D-Betondrucker von Peri erstellt im nordrhein-westfälischen Beckum ein zweigeschossiges Einfamilienhaus. Den Spezialbeton dafür liefert HeidelbergCement. Das Erdgeschoss ist schon fast fertig.

Wohnhaus in Beckum aus dem 3D-Drucker
Das Erdgeschoss steht mittlerweile schon: Das Einfamilienhaus in Beckum ist das erste Wohngebäude aus dem Drucker. | Foto: Peri
Geplant wurde das Gebäude mit ca. 80 qm Wohnfläche pro Geschoss von Mense-Korte Ingenieure+Architekten aus Beckum, Bauherr ist die ebenfalls ortsansässige Hous3Druck GmbH. Diese in Deutschland erstmals ausgeführte Bautechnik durchlief in den letzten Wochen und Monaten alle behördlichen Genehmigungsprozesse. Die Zustimmung im Einzelfall für das Projekt, die die nordrhein-westfälischen Baubehörde erteilt hat, wurde von HeidelbergCement gemeinsam mit dem Schalungshersteller Peri erwirkt. Das Konzept zur Erwirkung der Genehmigung stammt vom Ingenieurbüro Schießl Gehlen Sodeikat, die Planung und Durchführung der Zulassungsprüfungen erfolgte durch die TU München. Das Land Nordrhein-Westfalen fördert das Projekt im Rahmen seines Förderprogrammes „Innovatives Bauen".

Das Gebäude besteht aus dreischaligen Wänden, die mit Isoliermasse verfüllt werden. Der 3D-Betondrucker ist ein auf der Baustelle installierter Portaldrucker, das heißt, der Druckkopf bewegt sich auf einem fest installierten Metallrahmen in alle drei Raumachsen. Während des Druckvorgangs berücksichtigt er die zu verlegenden Leitungen und Anschlüsse. Der Druckertyp gilt als der schnellste am Markt. „Da es das erste Gebäude seiner Art ist, drucken wir bewusst nicht so schnell wie dies eigentlich möglich wäre", sagte Leonhard Braig, Geschäftsführer Produktion & Supply Chain der Peri GmbH. „Wir wollen die Gelegenheit nutzen, weiter Erfahrungen im Alltagsbetrieb zu sammeln, die uns beim nächsten Druckprojekt helfen werden, das Kostensenkungspotenzial unserer Technologie weiter zu heben."

3D-Druck mit dem Betondrucker von Peri
Der Drucker vom Typ BOD2: Die 3D-Betondrucktechnologie beschleunigt den Bauprozess erheblich. | | Foto: Peri

Hightech-Material für den 3D-Betondruck

Das speziell für den 3D-Druck entwickelte Material „i.tech 3D“ kommt von der HeidelbergCement-Tochter Italcementi. Das zementgebundene Material zur Marktreife für den Wohnungsbau zu bringen, sei eine große Herausforderung gewesen, sagt Dr. Jennifer Scheydt, Leiterin der Abteilung Engineering & Innovation bei HeidelbergCement Deutschland. „Es sollte gut pumpbar und gut extrudierbar sein”, so Scheydt. „Außerdem muss es schnell eine ausreichende Tragfähigkeit ausbilden, damit die unteren Schichten nicht unter der Last der oberen Schichten versagen. Hierbei muss gleichzeitig der Verbund zwischen den Schichten sichergestellt sein.”

Weitere Projekte in der Pipeline

Thomas Imbacher, Geschäftsführer Innovation & Marketing der Peri GmbH, spricht von einem „Meilenstein für die 3D-Betondrucktechnologie". Das Unternehmen sei überzeugt vom Marktpotenzial des Betondruckens. Planern und Architekten biete das neue Bauverfahren „ein hohes Maß an Designfreiheit in der Gestaltung von Gebäuden, die in herkömmlicher Bauweise nur mit hohem finanziellem Aufwand umsetzbar wären", so Architekt Waldemar Korte. „Wir glauben an die Zukunftsfähigkeit der Betondrucktechnologie für den Bausektor und haben bereits weitere 3D-Druck-Projekte im Fokus."
Material i.tech für den 3D-Betondruck
Der innovative Baustoff für den 3D-Druck erlaubt neue Freiheiten in der Formgebung und die individuelle Gestaltung jedes einzelnen Bauteils. | Foto: HeidelbergCement

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