Neue Walzen-Kompaktklasse von Hamm

TIRSCHENREUTH, 07.10 2014 – Zu den Technologietagen 2014 der Wirtgen-Straßenbausparte „Road Technologies“ hat die Hamm AG vier Weltneuheiten vorgestellt: Eine neue Baureihe kompakter Walzenzüge und zwei allradgelenkte Tandemwalzen kommen im Januar beziehungsweise März nächsten Jahres auf den Markt.

 Mit kompakter Bauform und kurzem Radstand ist der Walzenzug H 7i auf engen Baustellen ausgesprochen wendig.
Mit kompakter Bauform und kurzem Radstand ist der Walzenzug H 7i auf engen Baustellen ausgesprochen wendig. Mit DPF erfüllt er außerdem auch die Erwartungen anspruchsvoller Auftraggeber. | Foto: bi
Hamm-Bedienkonzept „Easy Drive“
Beim Hamm-Bedienkonzept „Easy Drive“
bilden Fahrersitz, Bedienpanel, Lenkrad
und Joystick eine harmonische Einheit,
die ein kontinuierliches, entspanntes
Arbeiten ermöglicht. | Foto: Hamm

Hamm hat Ende September am Firmensitz in Tirschenreuth zwei neue Walzenzüge vorgestellt, die das Angebot des Herstellers bei diesem Maschinentyp nach unten erweitern: Die Modelle H 5i und H 7i mit Gewichten zwischen 4,5 und acht Tonnen sind sehr kompakt gebaut und überzeugen nach Angaben von Hamm durch eine extrem einfache Bedienung und außerordentliche Steigfähigkeit.

Die beiden Newcomer unter den Walzenzügen sind keine „kleine Version“ der bereits bekannten H-Reihe, sondern wurden als eigene Baureihe von Grund auf neu konzipiert und konstruiert. Eine wesentliche Neuerung findet man beim Fahrantrieb: Die Räder werden nicht mehr über eine Hinterachse, sondern über Radmotoren angetrieben. Dieses Konzept verleiht den Walzenzügen eine außerordentlich gute Steigfähigkeit und sehr viel mehr Bodenfreiheit als die Vorgängermodelle.

Kurz und gut

Die neue Konzeption bringt noch einen Vorteil mit sich: Die beiden Walzenzüge sind ausgesprochen kurz. Die H 7i ist mit circa 4,40 Metern sogar weltweit der kürzeste Walzenzug in dieser Gewichtsklasse. Die kompakte Bauform, kombiniert mit dem Dreipunkt-Pendel-Knickgelenk und einem kurzen Radstand sorgt für gute Fahr- und Handlingseigenschaften sowie hohe Beweglichkeit auf engen Baustellen.

Die kompakten Walzenzüge der H-Reihe sind mit einer Motorleistung von 55,4 kW (erfüllt Tier 4f bzw. EU IV) gut gerüstet für die Arbeit im Gelände. Neu ist das Motor-Stopp-System. Es senkt den Dieselverbrauch, denn es schaltet den Motor unter bestimmten Bedingungen, z. B. bei längerem Stillstand der Maschine, automatisch ab. Dabei berücksichtigt das System die Belange der Abgasreinigung mit Dieselpartikelfilter (DPF).

Viele Varianten und Optionen

Die Ausstattung der Walzenzüge lässt sich passgenau konfektionieren, zum Beispiel mit einer Telematik-Schnittstelle oder einem elektronischen Batterie-Trennschalter. Auch die Beleuchtung mit sparsamer LED-Technik ist möglich. Bei den Verdichtungsaggregaten hat man die Wahl zwischen der Glattmantelbandage, der Stampffußbandage und neu konstruierten zweiteiligen Stampffußschalen. Außerdem kann ein Schubschild ergänzt werden. Für die Sieben-Tonnen-Maschine wird auch eine VIO-Bandage erhältlich sein, die wahlweise mit Vibration oder Oszillation verdichten kann. Die Serienproduktion der H 5i und H 7i beginnt Ende 2014, für die Kunden wird die Maschine ab Januar 2015 verfügbar sein.

Die schmalen Vorder- und Hinterwagen der DV+ erlauben in jeder Fahrtrichtung den Blick auf die Bandagenkanten
Uneingeschränkte Sicht aus der Kabine: Die schmalen Vorder- und Hinterwagen der DV+ erlauben in jeder Fahrtrichtung den Blick auf die Bandagenkanten. | Foto: bi

Neue Tandemwalzen DV+ 70i und DV+ 90i

Die beiden neuen, schemelgelenkten Tandemwalzen-Basismodelle DV+ 70i und DV+ 90i mit sieben bzw. neun Tonnen Einsatzgewicht hat Hamm anhand einer „Wunschliste“ führender Baufirmen entwickelt. Die Oberpfälzer haben an den Maschinen einiges verändert, um dem Fahrer unter anderem einen besseren Blick auf die Bandage zu ermöglichen. Dafür wurde zum Beispiel der Sicherungskasten vor die Beine des Fahrers verlegt und elektrische Leitungen anders geführt, so dass die Frontscheibe jetzt bis hinunter auf den Kabinenboden reicht. Durch diese Neukonstruktion bleibt auch mehr Bauraum für die neu dimensionierten Wassertanks. Die großen Tankvolumina ermöglichen ein kontinuierliches Verdichten in langen Arbeitsintervallen. Wasser kann jetzt serienmäßig per Druckbefüllung vom Boden aus oder über einen oben liegenden Zugang getankt werden.

Neues Bedienkonzept

In der Großraumkabine lässt sich der Fahrersitz in der DV+ je nach Ausstattung um 180° in jede Richtung drehen. Damit kann der Fahrer in jeder Situation entspannt in Fahrtrichtung blicken, ohne verdreht zu sitzen. In den vielen Staufächern rund um den Sitz lassen sich Unterlagen oder private Gegenstände sicher verstauen, und eine 12 V-Steckdose versorgt zum Beispiel das Handy mit Strom. Nicht zuletzt reduziert eine Dämmung die Geräuschkulisse in der Kabine.

Ganz neu ist das Bedienkonzept ‚Easy Drive‘, das eine intuitive, selbsterklärende Bedienung ermöglichen soll. Es ist das Ergebnis eines mehrjährigen Forschungs- und Entwicklungsprojektes, bei dem Hamm mit Universitäten und Ergonomie-Spezialisten sowie Walzenfahrern aus verschiedenen Ländern zusammenarbeitete.

Auf dem Panel schaffen farblich abgegrenzte Bereiche für die verschiedenen funktionalen Einheiten Übersicht und erleichtern die Bedienung. Zusätzlich befindet sich an der Armlehne ein Joystick, über den die wichtigsten Funktionen abrufbar sind. Dabei sieht der Fahrer alle Tasten des Joysticks. Die Anordnung der Bedienelemente rundherum folgt dem Prinzip: Je häufiger ein Element betätigt wird, desto näher ist es am Fahrhebel platziert.

Zukunftssichere Motortechnik

Beide Modelle sind mit hochmodernen Motoren ausgestattet: Das 75 kW starke Aggregat der DV+ 90i erfüllt die Vorgaben der Tier 4i / EU IIIB, die kleinere DV+ 70i entspricht mit ihrem 56 kW-Motor sogar Tier 4f / EU IV. Beide Aggregate filtern im Rahmen der Abgasreinigung den Ruß mit einem hoch wirksamen Dieselpartikelfilter (DPF). Dadurch sind die Maschinen auch in sehr restriktiven Märkten wie zum Beispiel der Schweiz einsetzbar.

Mit der Markteinführung werden die Maschinen in drei Varianten erhältlich sein: als Doppelvibrationswalze (VV), als Oszillationswalze (VO = eine Vibrations- und eine Oszillationsbandage) und als Kombiwalze (VT). Start der Serienproduktion der DV+ ist für Anfang 2015 geplant. Entsprechend wird die Maschine ab Frühjahr 2015 verfügbar sein. hst