Insgesamt 1.296 Forstbeschäftigte aus ganz Deutschland nahmen in der Zeit vom 18. Juni bis zum 31. August an der Onlineumfrage Wald Klima Schutz der IG Bau teil.
Insgesamt 1.296 Forstbeschäftigte aus ganz Deutschland nahmen in der Zeit vom 18. Juni bis zum 31. August an der Onlineumfrage Wald Klima Schutz der IG Bau teil.

Forstarbeiter im Dauerstress

FRANKFURT/MAIN, 30.10.2020 – Die Forstgewerkschaft IG Bau macht sich für den Schutz der Umwelt stark. Im Rahmen ihrer Kampagne Wald Klimaschutz startete sie Ende Juni eine Umfrage unter Forstbeschäftigten zum Thema, wie sich die Arbeitsbedingungen im Zuge des Klimawandels verändert haben. Die Ergebnisse liegen jetzt vor.

Unbestritten ist, dass der Klimawandel dem Wald schadet. Die teils extreme Trockenheit schwächt die Bäume so stark, dass sie dem Befall etwa durch Borkenkäfer nichts mehr entgegenzusetzen haben. Zudem zerstören immer öfter Großfeuer und Stürme riesige Waldflächen. Noch nicht erfasst ist jedoch, wie diese Veränderungen die Arbeitsbelastung der Forstbeschäftigten beeinflussen. Die Umfrageergebnisse sollen helfen, mit daraus gewonnenen Erkenntnissen mögliche Fehlentwicklungen rechtzeitig zu erkennen und gegenzusteuern.

„Der Wald ist unverzichtbarer Bestandteil unseres Ökosystems. Er gibt unzähligen Tieren und Pflanzen Schutz und Lebensraum. Er ist für unsere Wasserversorgung elementar und bietet nicht zuletzt vielen Menschen Raum zur Erholung. Gerade durch die Kontaktbeschränkungen während der Corona-Pandemie haben noch mehr Bürger die Wälder als natürlichen Ausgleich zur häuslichen Enge stärker schätzen gelernt“, sagte der Stellvertretende IG Bau-Bundesvorsitzende Harald Schaum. „Der Wald ist aber auch Arbeitsbereich für Experten, die sich seiner Pflege und Erhaltung widmen. In den vergangenen Jahren wurden deren Stellen aber systematisch abgebaut. Das rächt sich nun, da es kaum noch ausreichend Forstbeschäftigte gibt, die die vielen Schäden durch Trockenheit, Käferbefall, Feuer und Stürme fachmännisch beheben können. Die geschädigten Bäume müssen entnommen und die kahlen Flächen wieder nachhaltig aufgeforstet werden. Arbeiten, für die deutlich mehr Personal notwendig ist. Die IG Bau fordert deshalb mindestens einen zusätzlichen Forstbeschäftigten auf tausend Hektar Wald.“

Onlineumfrage Wald Klima Schutz

Insgesamt 1.296 Forstbeschäftigte aus ganz Deutschland nahmen in der Zeit vom 18. Juni bis zum 31. August an der Onlineumfrage Wald Klima Schutz der IG Bau teil, etwa die Hälfte davon Gewerkschaftsmitglieder. Bei der Einschätzung der aktuellen Arbeitssituation, der Schäden und auch des Handlungsbedarfs waren sich Gewerkschaftsmitglieder und Nicht-Mitglieder einig. Die Umfrageergebnisse bestätigen, dass mit zunehmenden Waldschäden auch die Belastung der Beschäftigten steigt. Bundesweit stellten 93% der Befragten fest, dass die Waldschäden in den letzten Jahren zugenommen oder stark zugenommen haben. 64% gaben an, dass die Belastung durch die Arbeit nicht gut erträglich ist und sogar 70% fühlen sich emotional ausgelaugt. Wo die Waldschäden größer sind, ist auch die emotionale Belastung im Schnitt besonders hoch.

Die Beschäftigten geben zu 86% an, dass die Schäden im Wald auf den Klimawandel zurückzuführen sind und 92% haben beobachtet, dass die Arbeitsbelastung durch hohe Temperaturen in den letzten Jahren gestiegen ist. Auch hätten die Anforderungen in vielen forstlichen Tätigkeitsfeldern seit 2017 stark zugenommen. Das betreffe ganz besonders die Tätigkeiten, die in direktem Zusammenhang mit den Waldschäden stehen, wie Neubestände begründen, Schadholzentfernung und Verkehrssicherung. Aber auch bei der Forstaufsicht, der Beratung oder Öffentlichkeitsarbeit wurde eine deutliche Zunahme vermerkt. Gleichzeitig hätten sich die inhaltlichen Arbeitsanforderungen an vielen Stellen intensiviert, sowohl was waldbauliches und betriebswirtschaftliches Wissen angehe, als auch den Umgang mit Maschinen und digitalen Arbeitsmitteln. Insgesamt stimmen 93% der Befragten mit den Kampagnenforderungen überein, dass es mehr Personal im Forst geben müsse, beinahe ebenso viele fordern unbefristete Beschäftigungsverhältnisse und 74% befürworten eine Aus- und Weiterbildungsoffensive. Die Ergebnisse sollen im Detail auf Fachgruppenversammlungen und Landeskonferenzen der IG Bau vorgestellt werden.

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