2Qtw-Sammler im "Kleinen Lauertal" umweltschonend und nachhaltig saniert

KEMPTEN, 29.10.2020 – Im Naturschutzgebiet „Kleines Lauertal“ ist der dortige 2Qtw-Sammler DN 400 saniert worden. Bei der Planung mussten stets die Anforderungen von Umwelt-, Natur- und Arbeitsschutz berücksichtigt werden und es bedurfte einer besonders umweltschonenden und nachhaltigen Sanierungsvariante.

Unter strengen Auflagen übernahm die Geiger Kanaltechnik die Kanalsanierung im Naturschutzgebiet im Kleinen Lautertal.
Unter strengen Auflagen übernahm die Geiger Kanaltechnik die Kanalsanierung im Naturschutzgebiet im Kleinen Lautertal.

Das idyllische „Kleine Lautertal“ liegt westlich von Ulm auf der Gemarkung der Stadt Blaustein. Ein Labyrinth an unbefestigten Wegen und Forststraßen. Auch der 2Qtw-Sammler verläuft mitten durch dieses Naturschutzgebiet zwischen Bermaringen und Herrlingen. Der Kanal in der Wasserschutzzone II mit einer Länge von fast 4 km stellte sich nach einer Inspektion als undicht heraus. Um die Natur und die Gesundheit der Menschen nicht zu gefährden, bestand höchster Handlungsbedarf. Bei einer weiteren Überprüfung der angrenzenden Trinkwasserbrunnen, wurden bereits schädliche Keime festgestellt.
Das Bauamt Blaustein vergab infolgedessen den Auftrag für das Projekt. Die Projektplanung wurde an das Ingenieurbüro Wassermüller Ulm übergeben. In einer längeren Planungsphase in enger Abstimmung des Landschaftsarchitekten Anton Ruf vom IB WM Ulm mit dem Landratsamt Alb-Donau-Kreis mussten alle Ansprüche eingearbeitet, technische Lösungen gefunden werden und dies alles für einen Baubereich, der als äußerst sensibel eingestuft ist.

Close-Fit im Naturschutzgebiet

Für dieses Projekt waren die Anforderungen hoch gesetzt. Man brauchte ein System, das langlebig, robust, im Wasserschutzgebiet II einsetzbar ist und möglichst umweltschonend eingebaut werden kann, den Wasserfluss nicht nachteilig verändert und die Statik verbessert. Ziel war es, die Altrohre zu renovieren und hierbei möglichst wirtschaftlich vorzugehen.
Als Sanierungsvariante fiel die Wahl auf das Close-Fit-Verfahren. Das werkseitig gefertigte Material (Polyethylen) wird einbaufertig auf Trommeln zur Baustelle geliefert. Das Material wird rund gefertigt und unmittelbar am Maschinenende zu einem „U“ eingedrückt. Diese U-Form ist im Umfang deutlich kleiner als das runde Rohr. Es ist besonders abriebfest und damit äußerst langlebig. PE-Rohre werden auch bei Trinkwasserleitungen eingesetzt, da sie sehr gute Eigenschaften hierfür aufzeigen und grabenlos eingebracht werden können. Somit muss kein großer Eingriff in die Natur vorgenommen werden; auf den Einsatz eines Baggers kann verzichtet werden.

Die TV-Bestandaufnahme zeigte einige Abrasionen und marode Stellen.
Die TV-Bestandaufnahme zeigte einige Abrasionen und marode
Stellen.

Da der Kanal teilweise im Gelände liegt, wurden eine Baustraße und verschiedene Tiefbauarbeiten ausgeschrieben. Sämtliche Forstwege, private Wiesen und Felder müssen nach der Sanierung wieder in den ursprünglichen Zustand hergestellt werden. Verschiedene Bachläufe führen dazu, dass es Sanierungsabschnitte gibt, die auf einer Insel liegen. Hier wird der Zugang über eine Behelfsbrücke geschaffen.

Geiger übernimmt

Die Ausschreibung wurde durch einen Teilnehmerwettbewerb veröffentlicht. Am 10. März 2020 wurde der Firma Geiger Kanaltechnik GmbH & Co. KG, Niederlassung Kempten, der Auftrag erteilt. Das spezialisierte Sanierungsunternehmen führt sämtliche Arbeiten mit eigenen Geräten und Mitarbeitern aus. Die Örtlichkeiten wurden nach Auftragserteilung vom Niederlassungsleiter und Kalkulator Thomas Keller mit dem Projektleiter Anton Boxler besichtigt. Hierbei wurden sinnvolle und wirtschaftliche Lösungen eingebracht.
Mit der Ausführung wurde umgehend begonnen und eine TV-Bestandsaufnahme mit elektronischer Kalibrierung und Kanalfräsarbeiten gestartet. Nach Auswertung der Kalibrierung wurde das Material bestellt. Auch für den Materialhersteller eine außergewöhnliche Bestellung, immerhin geht es um fast 4.000 Meter Rohr, das zunächst produziert werden muss.

Der sanierte Kanal
Der sanierte Kanal | Fotos: Ingenieurbüro Wassermüller Ulm
GmbH

Reges Interesse an Bauausführung

Zur Sanierung wird am Rohranfang eine Zugöse angeschweißt. Eine leistungsstarke Winde zieht das Rohr durch den Start- zum Zielschacht. Jeweils ein Rohrabschnitt, der von Schacht zu Schacht verläuft, wird unmittelbar vor dem Einzug frisch gereinigt und trockengelegt. Eine Wasserhaltung mit 120 l/s gewährleistet die Aufrechterhaltung des Wasserlaufs.
Nachdem ein Rohrabschnitt eingezogen ist, wird das PE-Rohr aufgestellt. Dies geschieht mit Druckluft und Dampf, wodurch sich die U-Form wieder aufrichtet. Man spricht vom sogenannten Memory-Effekt, weil sich die Moleküle des Materials an ihre ursprüngliche Position bei der Verkettung „erinnern“. Sie nehmen nach der Abkühlung die ursprüngliche Form an, bleiben so und drücken sich an das Altrohr.
Termingerecht wurden alle neuen Rohre bis Juli eingezogen. Während der Bauausführung gab es reichlich interessierte Besucher. Behörden wie Natur- und Umweltschutz und Vertreter aus der Politik besuchten die Baustelle, um zu sehen, ob eine nachhaltige und umweltschonende Sanierung durchgeführt wird. Im Nachgang muss nun nur noch die Sanierung der Schächte erfolgen.

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