Atlas schrumpft sich gesund

GANDERKESEE/KIEL, 22.12.2014 – Während Atlas mit seinen Beschäftigten noch um die Zukunft des Standortes Delmenhorst ringt, mehren sich die guten Nachrichten aus dem Unternehmen. 2014 war ein gutes Jahr, und strukturelle Veränderungen und der Ausbau des Produktprogramms sollen dafür sorgen, dass der Aufwärtstrend anhält.

Die Mobilbagger sind die „Cash cow“ von Atlas
Die Mobilbagger sind die „Cash cow“ von Atlas. Mit preisgünstigen Standardmodellen greift der Hersteller den Markt an, kann aber auch beinahe jeden Kundenwunsch erfüllen.
Atlas- Inhaber Fil Filipov und Geschäftsführer Brahim Stitou
„Wir möchten für Schnelligkeit und Kun-
denzufriedenheit bekannt sein.“ – Atlas-
Inhaber Fil Filipov (rechts) stellt das Un-
ternehmen zusammen mit Geschäftsfüh-
rer Brahim Stitou neu auf.

Von Hendrik Stellmach, Kiel

Die Atlas Maschinen GmbH war in den letzten Jahren ein Dauerthema in den Lokalzeitungen. Selten standen jedoch die Maschinen des Herstellers im Mittelpunkt. Fast immer ging es um den Dauerzwist zwischen Inhaber Fil Filipov und dem Betriebsrat. Der soll nun weitgehend beigelegt und das Unternehmen auf einem guten Weg in eine bessere Zukunft sein. „Wir sind in den vergangenen 24 Monaten innovativ gewesen“, sagte Geschäftsführer Brahim Stitou bei einer Pressekonferenz des Unternehmens Anfang Dezember.

Dabei meinte er neben den zahlreichen Neuerungen bei den Maschinen möglicherweise auch alle diejenigen Maßnahmen, mit denen Atlas sein Geschäft wettbewerbsfähiger machen will. Dazu gehört unter anderem die Verringerung der Zahl der indirekt Beschäftigten, also derjenigen Mitarbeiter, die nicht in der Produktion tätig sind. Ihr Anteil an den 416 Beschäftigten wurde von über der Hälfte im Jahr 2010 auf gut ein Drittel in diesem Jahr reduziert. Entsprechend konnte Atlas den Umsatz pro Mitarbeiter seit 2010 fast verdoppeln. Der Gesamtumsatz des Jahres 2014 soll knapp 175 Millionen Euro erreichen.

Atlas hat seine Lagerbestände in den vergangenen zwei Jahren kontinuierlich aufgebaut, um die Verfügbarkeit für die Händler sicherstellen zu können. Diese liege inzwischen bei 94 Prozent, einem Wert, den Atlas in den nächsten Jahren halten will. Die Atlas Spare Parts GmbH erzielt 2014 voraussichtlich 26 Millionen Euro Umsatz. Auch hier wurde die Mitarbeiterzahl verringert, von 52 (2009) auf nun 23.

Seit Ende 2013 produziert Atlas auch große Radlader in Ganderkesee
Seit Ende 2013 produziert Atlas auch große Radlader in Ganderkesee. Sie werden zum Teil weiterhin unter der angestammten Marke Kaelble vertrieben. | Fotos: bi

Produktprogramm in Bewegung

Auch in der Produktpalette hat sich einiges getan: Atlas hat zusätzlich zur Produktion von Mobil-, Ketten- und Zweiwegebaggern sowie Umschlageräten Ende 2013 auch die Fertigung von Radladern übernommen. Gebaut werden die Kaelble®- und Atlas®-Radlader in den Größen L160, L210, L260 und L310 mit Ladekapazitäten von 1,6 bis 3,1 Kubikmetern. Vertrieben werden die Radlader unter den Marken Kaelble/Atlas in blauer Lackierung, als Terex-Radlader in Weiß. Inzwischen seien 54 Geräte fakturiert worden, sagte Stitou, und zwar zu 70 Prozent unter der Marke Terex. Alle Maschinen seien nach Großbritannien bzw. Fernost verkauft worden. Ausgerüstet mit Cummins-Motoren werden die Radlader die Abgasvorschriften Tier IV final bis Mitte 2016 erfüllen.

Auch die Anbaufräsen der Marke Schaeff (ehemals Terex) stießen zusammen mit den Tunnelbaggern im Oktober 2013 neu zu Atlas. Sie werden in Vechta produziert, zu einem Preis, der nach Angaben von Atlas 50 Prozent unter dem Wettbewerb liegt. Laut Geschäftsführer Stitou und Inhaber Fil Filipov ist Atlas auch weiterhin auf der Suche nach Ergänzungen im Produktsortiment, die die Auslastung der Werke verbessern und ihre Profitabilität verbessern helfen können.

Die Brot-und-Butter-Maschine der Niedersachsen ist und bleibt aber der Mobilbagger, das Pendant zum „á la carte“-Sondermaschinenbau von Atlas. 500 bis 600 Standardgeräte verlassen pro Jahr die Werkshallen in Ganderkesee. Drei Modelle sind erhältlich, zu einem „Top-Preis“, wie Stitou versichert. Kleine Details in der Weiterentwicklung der Bagger sind unter anderem der Minilift, bei dem die Kabine vertikal bis 600 und 1.200 mm hochgefahren werden kann. Diese Einrichtung ist ideal für die Beladung moderner 4-Achskipper, die aktuell mit einer hohen Ladebordwand ausgestattet sind. Der Baggerfahrer kann die erforderliche Augenhöhe per Knopfdruck bequem einstellen und hat dadurch einen idealen Blickwinkel bei der Beladung des Lkw.

Die neuen Kabinen erhalten unter anderem eine LED-Innenbeleuchtung, eine abnehmbare untere Scheibe für bessere Sicht und ein längeres Glasdach. Als Option wird – wie schon bei den Umschlaggeräten – für bestimmte Typen bald auch eine Schiebetür erhältlich sein.

Nichts ist unmöglich

Abgesehen von diesen Seriengeräten dreht sich bei Atlas in den Sparten Mobilbagger, Kettenbagger, Zweiwegebagger und Umschlaggeräte alles um individuelle Kundenwünsche. So werden komplizierte Vorgaben in kürzester Zeit mit dem Anspruch auf hohe Qualität und Flexibilität von Atlas umgesetzt. Die Spezial-, Einzel- und Sonderbauten seien ein Garant für erfolgreiche und wirtschaftliche Arbeit von Atlas, teilte das Unternehmen mit.

Bei den Baggern werden kontinuierlich Verbesserungen in der Ausstattung, der Bedienung und bei individuellen Kundenwünschen vorgenommen. So wird zum Beispiel bei den Zweiwege-Baggern zurzeit ein Kombiunterwagen entwickelt, der es ermöglicht, den Atlas Carsy-Antrieb mit sehr geringem Aufwand auf Reibrad-Antrieb umzubauen.

Ebenfalls in der Entwicklung: ein eigenes Schnellwechselsystem auf der Basis des Systems T620. Alle vorhandenen Atlas Werkzeuge können mit dem neuen System problemlos verwendet werden. hst

Die Tunnelbagger sind zu einem weiteren Standbein der Atlas Maschinen GmbH geworden
Die Tunnelbagger sind zu einem weiteren Standbein der Atlas Maschinen GmbH geworden. Mit dem Drehgelenk im Ausleger und der Schaeff-Anbaufräse arbeitet der Bagger wirtschaftlich und platzsparend im Tunnel.