Tools zur Berechnung der Lebenszykluskosten

DESSAU-ROSSLAU, 04.11.2015 - Bei der Beschaffung sollten nicht nur die reinen Beschaffungskosten, sondern sämtliche, über die Lebensdauer eines Produktes entstehenden Kosten betrachtet werden.

Die Berücksichtigung der Lebenszykluskosten im Rahmen der Angebotswertung ist vergaberechtlich zulässig (§ 16 Abs. 8 VOL/A, § 19 Abs. 9 VOL/A-EG). Zum Teil wird sie sogar verbindlich vorgegeben.

Sind energieverbrauchsrelevante Produkte Gegenstand einer Ausschreibung oberhalb der EU-Schwellenwerte, ist die Energieeffizienz als Zuschlagskriterium angemessen zu berücksichtigen (§ 4 Abs. 6b VgV). Dies kann insbesondere über die Berücksichtigung der Lebenszykluskosten erfolgen. In geeigneten Fällen sind von den Bietern ohnehin eine Analyse minimierter Lebenszykluskosten oder die Ergebnisse einer vergleichbaren Methode zur Überprüfung der Wirtschaftlichkeit einzufordern (§ 4 Abs. 4, 6 Ziff. 2 VgV).

Tools und weitere Arbeitshilfen

Für die Berechnung von Lebenszykluskosten existieren inzwischen verschiedene Tools:

  • Mit dem allgemeinen Excel-Tool des Umweltbundesamtes können bis zu fünf verschiedene Beschaffungsvarianten bewertet werden. Es berücksichtigt alle wesentlichen Kostenkategorien, wie Anschaffungs-, Betriebs- und Entsorgungskosten. Das Tool wurde im Auftrag des Umweltbundesamtes durch das Öko-Institut e.V. im Rahmen des Projektes „Nationale Umsetzung der neuen EU-Beschaffungs-Richtlinien“ entwickelt.
  • Ein produktgruppenspezifisches Excel-Tool des Umweltbundesamtes unterstützt bei der Berechnung der Lebenszykluskosten von Computern, Multifunktionsgeräten, Monitoren, Rechenzentren, Bodenbelägen, Kühlschränken und Geschirrspülmaschinen. Das Tool wurde ebenfalls im Auftrag des Umweltbundesamtes vom Öko-Institut e.V. erstellt (Forschungsvorhaben „Wissenschaftliche Begleitung der Prozesse zur umweltfreundlichen öffentlichen Beschaffung“).
  • Mit dem LCC-Tool von ICLEI / Öko-Institut lassen sich neben den Lebenszykluskosten für eine Vielzahl von Produktgruppen gleichzeitig die entstehenden CO2-Emissionen darstellen. Dabei können neben Emissionen aus der Nutzungsphase auch solche berücksichtigt werden, die bei der Herstellung, dem Transport oder der Entsorgung entstehen (so genannte „graue Emissionen“).
  • Das LCC-Tool des ZVEI (Zentralverband Elektrotechnik- und Elektronikindustrie e.V.) orientiert sich in seinem Aufbau an den drei Phasen Installation, Betrieb und Deinstallation. Die Darstellung der Lebenszykluskosten und der Energieeffizienz erfolgt anhand betriebswirtschaftlicher Kostenkategorien. Damit eignet sich das Tool vor allem für die Planung von Großprojekten, wie Kläranlagen
  • Arbeitshilfen zur Berechnung der über die Lebensdauer von Straßenverkehrsfahrzeugen anfallenden externen Kosten gemäß der in der Richtlinie über die Förderung sauberer und energieeffizienter Straßenfahrzeuge (RL 2009/33/EG) vorgegebenen Methode finden sich auf der Clean Vehicle-Website.

Eine praxisnahe Einführung in die Berechnung der Lebenszykluskosten und deren Nutzung im Beschaffungsprozess enthält das Schulungsskript Umweltfreundliche Beschaffung, Teil 5.

(Quelle: Umweltbundesamt)