Gewerbebau:

72 Meter-Stahlhalle ohne Innenstützen

HÜNXE-DREVENACK, 05.11.2015 - Eine freitragende Konstruktion für eine Lagerhalle legte Atlas Ward mit einer eigenen Software auf einen wirtschaftlich optimalen Stahleinsatz aus. Das Ergebnis: eine leichte, schlanke, aber hoch belastbare Konstruktion.
 

Bau einer Lagerhalle aus Stahl
72 Meter breit und 90 Meter lang wird diese Stahlhalle, die Atlas Ward lieferte. Und sie kommt komplett ohne Innenstützen aus. | Fotos: Atlas Ward

72 Meter breit und 90 Meter lang ist die Stahlhalle, mit der die R. Schöffel-B. Schäfer GbR ihre Lagerhallenkapazität im baden-württembergischen Kuppenheim erweiterte. Und sie erfüllt einen Wunsch der Bauherren: Sie kommt komplett ohne Innenstützen aus. So kann der rege Staplerverkehr ohne Hindernisse über die knapp 6.500 Quadratmeter im Halleninneren rollen. Darüber freut sich vor allem der Mieter des Neubaus: ein Produzent von Kartonagen, der seine Produkte rund um die Uhr an- und abtransportieren lässt.

Abgesehen von ihrer freitragenden Konstruktion hat die Halle ihren Investor mit jeder Menge weiterer ingenieurtechnischer Raffinesse überzeugt. Denn trotz ihrer enormen Belastbarkeit wirkt die Rahmenkonstruktion recht schlank. Sie entstand auf Basis des statischen Know-hows und eines eigens entwickelten Bemessungsprogramms des Stahlhallenherstellers Atlas Ward. „Wir kennen die in Stahlkonstruktionen wirkenden Druck- und Zugkräfte genau“, sagt Projektleiter Jürgen Fandrey. „Unsere stetig weiterentwickelte Software errechnet auf Vorgabe bestimmter Daten automatisch die optimalen Material- bzw. Profilabmessungen an jeder Stelle der Konstruktion. So packen wir, kurz gesagt, Stahl nur dahin, wo er für die auftretenden statischen Kräfte auch wirklich gebraucht wird und minimieren das Gewicht.“

In diesem Fall besteht die Hallenkonstruktion aus neun Zweigelenkrahmen aus Schweißprofilen im ungewöhnlich großen Abstand von jeweils zehn Metern. Diesen reduzierten Materialeinsatz ermöglichten die per Bemessungsprogramm äußerst stabil konstruierten Rahmen mit jeweils nur zwei Außenstützen (Höhe 9,44 Meter). Auf jeder dieser Stützen wirkt am Fußpunkt eine errechnete Vertikalkraft von 40 Tonnen. Um die ebenfalls wirkenden Horizontalkräfte von 45 Tonnen zu neutralisieren, wurden die Außenstützen per Zugband verbunden. Dadurch ließ sich auch das Fundament sehr klein gestalten. Insgesamt kommt die Stahlkonstruktion so auf ein Eigengewicht von knapp 22 Tonnen pro Rahmen.

Welche Vorteile die Atlas-Bauweise schafft, zeigt ein Vergleich: Eine Konstruktion aus herkömmlichen Walzprofilen würde Gewicht und Materialeinsatz auf knapp 29 Tonnen pro Rahmen erhöhen. Würden entsprechende Fachwerkbinder verwendet, so würden diese mit über sechs Metern Höhe gegenüber den knapp zwei Meter hohen Atlas-Bindern die Halle deutlich erhöhen. Laut Berechnungen würde damit das Hallenvolumen um rund 26.000 Kubikmeter anwachsen. Auch wären eingespannte Stützen nötig, so dass das Fundament um rund 50 Prozent größer ausfallen würde. Hinzu kämen entsprechend höhere Betriebs- und Heizkosten.

Einhub eines Stahlelemets

Bei der Montage der Lagerhalle werden je zwei Binderrahmen mit je 720 Quadratmetern Fläche komplett am Boden montiert und mit Kranen simultan zu den Stützen hochgezogen und befestigt.

Aus diesen Gründen entschieden sich die Bauherrn für die Zusammenarbeit mit Atlas Ward und dessen Partner Gibau Gewerbe- und Industriebau GmbH aus Renchen, der den Hallenaufbau als Generalunternehmer durchführte und bei der Montage ebenfalls Herausforderungen bewältigte: So wurden je zwei Binderrahmen mit je 720 Quadratmetern Fläche komplett am Boden montiert und mit insgesamt vier Kranen simultan zu den bereits stehenden Stützen hochgezogen und befestigt. Zum Atlas-Paket gehören schließlich noch ein zweischaliges Stehfalz-Dachsystem mit 120 Millimeter starker Wärmedämmung sowie Sandwich-Stahlbetonwände mit 30 Zentimetern Dicke.

Von einer reibungslosen Kooperation mit sehr gutem Ergebnis sprechen schließlich nicht nur Bauherren und Nutzer, sondern auch Peter Berger, Geschäftsführer von Gibau: „Wir arbeiten seit 25 Jahren mit Atlas Ward zusammen und stemmen jedes Jahr einige gemeinsame Projekte. Das Partnerkonzept, das Atlas mit Partnerunternehmen aus dem regionalen Baugewerbe pflegt, hat sich für uns sehr gut bewährt, denn Atlas liefert stets ein Komplettpaket samt Kalkulation und technischer Unterstützung, auf das wir uns in jeder Beziehung verlassen können und das deshalb auch bei unseren Kunden gut ankommt.“ bi