Neuer Actros mit größtem Fahrerhaus aller Zeiten
In allen Klimazonen getestet: Der neue schwere Mercedes hat schon 20 Millionen Testkilometer hinter sich. Ab dem 1. Juli ist er auf dem Markt.

Neuer Actros mit größtem Fahrerhaus aller Zeiten

STUTTGART, 27.06.11 – Weltpremiere: Nach 15 Jahren Bauzeit löst ein komplett neues Modell den erfolgreichen Vorgänger ab. Der neue Actros soll seinen Vorgänger in allen Belangen deutlich übertreffen und tritt mit neuen Fahrerhäusern, Fahrwerken und Motoren an.

Von Wolfgang Tschakert, Planegg

Der Newcomer, der sich gerade noch im Scheinwerferlicht seiner Weltpremiere sonnt, ist zum Erfolg verpflichtet. Der Hersteller spricht vom größten Projekt in der Geschichte des Lkw-Baus von Mercedes-Benz, das rund zwei Milliarden Euro gekostet haben soll. 20 Millionen Testkilometer hat die neue Actros-Generation noch vor dem Start absolviert. Zuerst bedient sie den Volumenmarkt im Fernverkehr, die Varianten fürs Bau- und Verteilergeschäft folgen in den nächsten beiden Jahren. Gleich vom Start weg geht es mit den zwei Kabinenbreiten 2,5 und 2,3 m. Damit schnell klar, dass der Erfolgstyp Actros künftig keinen Axor-Wettbewerber mehr neben sich dulden wird. Der Axor gilt als Auslaufmodell, wird auch nur noch bis Ende 2013 weiter gebaut. Gigantisch neben der schlanken Actros-Variante nimmt sich das größte Mercedes-Fahrerhaus aus, das bisher gebaut wurde. Es heißt GigaSpace, bietet 2,13 m Stehhöhe und übertrifft das Raumvolumen der Megaspace-Variante des noch aktuellen Modells um einen Kubikmeter.

Der Auftritt des neuen Actros ist betont stylisch. Doch das lassen die Designer nur bedingt gelten – form follows function, die Entwickler schenkten der Aerodynamik besondere Aufmerksamkeit. Der neue Actros hat allein 2.600 Stunden im Windkanal verbracht, noch nie zuvor wurde ein Großserien-Lkw so intensiv aerodynamisch in Form gebracht. Das soll sich im Kraftstoffverbrauch niederschlagen, die Mercedes-Techniker prognostizieren für ihren neuen Hauptdarsteller selbstbewusst bis zu sechs Prozent weniger Dieselverbrauch.

Antrieb: Wahlweise Euro 5 oder Euro 6

Der neue Actros erhält durchwegs neue Motoren aus der Weltmotoren, der Kunde kann zwischen Euro 5- oder Euro 6-Sechszylindern wählen. Den Anfang macht der Reihensechszylinder OM 471 mit 12,8 Liter Hubraum und Leistungen von 310 kW/421 PS bis 375 kW/510 PS. Weitere Motorleistungen, das betonen die Verantwortlichen, werden das Angebot nach oben und nach unten abrunden. Ein kleinerer Sechszylinder deckt die Bereiche ab 320 PS ab, ein großvolumiger Diesel mit mehr als 14 Liter Hubraum wird für mehr als 600 PS sorgen.
Das technische Grundkonzept ist einheitlich: die robusten Reihensechszylinder haben jetzt einteilige Zylinderköpfe, dahinter verbergen sich zwei oben liegende Nockenwellen, die vier Ventile pro Zylinder steuern. Die neue Common-Rail-Hochdruckeinspritzung mit der Bezeichnung X-Pulse, eine Gemeinschaftsentwicklung von Bosch und Daimler, arbeitet mit Druckverstärkung in den Injektoren und arbeitet mit Spitzendrücken bis 2.100 bar. Mit Abgasrückführung, SCR-Abgasnachbehandlung plus Partikelfilter erzielen die neuen Mercedes-Motoren das Euro 6-Limit, für das Euro-Zertifikat sparen sich die Stuttgarter den Partikelfilter.
Die Kraftübertragung übernehmen ausschließlich automatisierte Getriebe, manuelle Schaltgetriebe haben im Mercedes-Benz Actros ausgedient. Die dritte Generation der PowerShift-Getriebe sollen noch schneller und präziser schalten. Und länger übersetzte Hinterachsen tragen dem hohen Drehmomentangebot bei gesenktem Drehzahlniveau Rechnung – ein weiterer Beitrag zu geringeren Kraftstoffkosten.

Fahrerkabine des neuen Actros: Asymmetrisches Cockpit, kein störender Schalthebel, großzügiges Platzangebot.
Alles neu auch im Innenraum: Asymmetrisches Cockpit, kein störender Schalthebel, großzügiges Platzangebot.

Fahrwerk: Breitere Rahmenspur, neue Lenkung, neue Dauerbremse

Ein neuer verbreiterter Rahmen bildet das Rückgrat des neuen Actros, er ist kompromisslos auf den Straßeneinsatz ausgelegt. Die Techniker sagen ihm besondere Steifigkeit nach, die Grundlage für ein stabiles Fahrverhalten. Die Achsen stammen aus dem Vorgänger, ihre Anlenkung wurde überarbeitet. Der Kunde kann wie bisher zwischen Stahlfederung, Blatt-/Luftfederung oder Vollluftfederung wählen. Die neue Lenkung soll für ein deutlich verbessertes Handling sorgen. Ihre Übersetzung ist direkter, die Lenkhelfpumpe wird bedarfsgeregelt und spart so wertvolle Energie.
Neuheiten gibt es auch bei der Bremsanlage zu vermelden: Das bewährte EBS-System (= elektronisches Bremssystem) mit Scheibenbremsen an allen Rädern wurde überarbeitet und mit einer auf 544 PS erstarkten Motorbremse ergänzt. Der neue Retarder am Getriebe stammt wie bisher von Voith, er liefert verschleißfrei bis zu 3.500 Newtonmeter Bremsmoment, er spart Gewicht und Energie. Er arbeitet mit Kühlwasser als Medium und spart sich so einen separaten Kühler. Die Fahrerassistenzsysteme wie ESP (= elektronisches Stabilitätsprogramm), der Notbremsassistent ABA (= active brake assist) oder ART (= Abstandsregeltempomat) wird um den Abstandshalte-Assistenten ergänzt. Der regelt im Stop-and-Go-Verkehr das Anfahren und Halten sogar automatisch und ist nicht mehr automatisch mit dem Retarder gekoppelt.

Serienmäßig mit Telematik

Nicht nur die Fahrzeugtechnik steigert die Wirtschaftlichkeit des neuen Actros. Jetzt erhält der neue schwere Mercedes serienmäßig das Telematiksystem Fleetboard. In den ersten vier Monaten kann der Betreiber die umfangreichen Telematikdienste von Fleetboard kostenlos in Anspruch nehmen, erst danach sind Gebühren fällig. Der Hersteller spricht von Kosteneinsparungen von 15 Prozent, die mit dem Einsatz von Fleetboard möglich werden. bi