Akkufreischneider im Feldtest

HEIDECK, 18.11.2015 - Im Rahmen unseres Lesertests, den wir in der bi GaLaBau 7-2015 angeboten hatten, ergriffen zwei GaLaBau-Betriebe und eine Kommune die Gelegenheit, den neuen Bosch Freischneider unter Praxisbedingungen eingehend zu prüfen. Wie schlägt sich dieser im Vergleich zu den konventionellen Modellen mit Verbrennungsmotor?

Von Erwin Bauer, Heideck

Der neue Bosch Akkufreischneider im Praxistest
Bernd Bolder: "Der Getriebekopf hat eine hohe Bauweise, weshalb das Gerät schräg gehalten werden musste, um Ecken und Kanten gut auszuputzen."

Fragst Du drei Praktiker über ihre Erfahrungen mit einer neuen Technik, bekommst Du auch drei ganz unterschiedliche Antworten. So könnte man die Ergebnisse unseres Lesertests mit dem neuen Akku-Freischneider Bosch GFR 42 Professional zusammenfassen. Wir wollen das Fazit aber nicht vorwegnehmen. Dennoch müssen die elektrisch angetriebenen Geräte den vielfach skeptischen Vergleich der Profis mit ihren jahrzehntelang gewohnten Benzingeräten erst noch bestehen. Haben die leisen, abgasfreien Akkugeräte wirklich dieselbe Leistung wie die hör- und riechbaren Benziner? Wo lassen sich die Kinderkrankheiten der neuen Geräte festmachen, die einen professionellen Einsatz verhindern? Halten die derzeitigen Akkuleistungen den geforderten Standzeiten im Profialltag überhaupt stand? Wie sieht es mit dem Nachladen der Batterien aus, wenn auf der Baustelle gar kein Netzanschluss vorhanden ist? Fragen über Fragen! Dass eine ganz neue Pflegetechnik von den gewerblichen Anwendern kritisch hinterfragt wird, versteht sich von selbst. Zu unterschiedlich sind die Arbeitsbedingungen in der Praxis und damit auch die Anforderungen an die Geräte, wie die Ergebnisse unseres Lesertests unterstreichen. Alle Probanten hatten die Möglichkeit, den neuen Freischneider mit Fadenspule und alternativ mit Messer vier Wochen lang auf Herz und Nieren zu testen. Hier ihre Beurteilungen im Einzelnen.

Eigenbetrieb für Stadtgrün Erlangen

Wie bei allen bisher am Markt verfügbaren Akku-Freischneidern hielt auch die Neuheit von Bosch dem Vergleich mit den motorbetriebenen Geräten aus Sicht der kommunalen Grünflächenpfleger noch nicht stand. Christoph Kintopp, Sachgebietsleiter Grünflächenunterhalt im Eigenbetrieb für Stadtgrün, Abfallwirtschaft und Straßenreinigung zufolge ist die Sense nicht optimal austariert und etwas kopflastig. Durch das erforderliche Gegensteuern ermüden die Unterarme und Handgelenke schneller, wie Kintopp erläutert. Das Kabel zum Steuergriff sei etwas zu kurz, was bewirke, dass kleinere Menschen den Griff nicht weit genug nach vorne schieben können. Der lange Sensenkopf mache einen kurzen Schnitt schwieriger, dadurch werde der Mähkopf womöglich auch schneller verschlissen. Das Tragegeschirr sei nicht gut gepolstert und hänge einseitig. Die Vorteile des neuen Akku-Freischneiders sehen die Grünflächenprofis aus Franken in seinem geringen Gewicht und der leisen, ruhigen und abgasfreien Arbeitsweise. Auch der Messerwechsel gestalte sich einfach, angenehm sei ebenso der leicht verstellbare Griff.

Bernd Bolder Gartenbau & Baumschule

Gärtnermeister Bernd Bolder aus dem nord-rhein-westfälischen Datteln prognostiziert der Akkutechnik ebenfalls eine große Zukunft. Er hat den neuen Freischneider von Bosch ausgiebig mit seinem Gärtnerteam getestet. Dabei räumt er ein, dass seine Mitarbeiter in Sachen Akkugeräte grundsätzlich skeptisch eingestellt sind, was ihre Profitauglichkeit betrifft. Der Zusammenbau des GFR 42 gestaltete sich einfach und gut strukturiert. Das Gerät mache insgesamt einen handfesten Eindruck. Ein Manko sei seine Gesamtlänge. Weil das Gerät deutlich länger als die üblichen Freischneider sei, hat es leider nicht in die Halterungen unserer Fahrzeuge gepasst, so Bolder. Aufgrund des hohen Getriebekopfes seien die Mitarbeiter mit der Tiefe des Schnittes nicht  zufrieden gewesen. Gerade die leichten Geräte würden im Betrieb gerne auch zur Fugenreinigung eingesetzt. Die Handhabung des Gerätes sei aber insgesamt zufriedenstellend. Der Einsatz des Gerätes mit einem einzigen Akku führte zu keiner akzeptablen Dauerleistung. Hier wären aus Sicht des Gärtnermeisters wohl drei bis vier Akkus notwendig, um über einen kompletten Arbeitstag zu kommen. Die vorhandenen Benzingeräte seien in der Leistung noch durchzugsstärker. Grundsätzlich hält Bolder den Akkufreischneider aber für ein „gutes Hausmeistergerät“, besonders dann, wenn keine Transporte zwischen den Einsätzen anstehen und die Verwendung direkt am Standort stattfinden kann.

Der Bosch Akkufreischneider im Praxistest beim Eigenbetrieb Stadtgrün Erlangen
Beim Eigenbetrieb Stadtgrün Erlangen testeten gleich fünf Vorarbeiter das Akkugerät. | Foto: Christoph Kintopp

Frank Hoffmann Gartengestaltung

Begeistert ist GaLaBauer Frank Hoffmann aus dem schleswig-holsteinischen Jagel von dem neuen Bosch Freischneider. Er hat das Akkugerät mit seinem Team täglich mindestens zwei Stunden am Tag eingesetzt, in Spitzenzeiten bis zu sechs Stunden beim Mähen von Industrieflächen und bei Nacharbeiten von Rasenflächen im privaten Bereich. Zu 90 Prozent wurde dabei die Fadenspule verwendet. Das Gerät entsprach voll seinen Erwartungen. Auch mit der Leistung war er zufrieden, die aus seiner Sicht bereits jetzt vergleichbar mit Benzingeräten sei. Die Landschaftsgärtner überzeugte vor allem die Geräuscharmut, Robustheit und gute Gewichtsverteilung des Gerätes und die Tatsache, dass hier kein dauerndes Neustarten wie beim Benziner mehr erforderlich ist. Auch die Möglichkeit mit geringer Drehzahl arbeiten zu können, sei aus ihrer Sicht von Vorteil. Nur dass der Akku beim Wechsel leicht durch den Schacht rutschen kann, vermerkte der GaLaBauer als kleines Manko. Das ist aber weniger tragisch, denn der robuste IP X4-geprüfte Lithium-Ionen-Akku soll laut Herstellerangaben selbst einem Aufprall aus zwei Metern Höhe jederzeit standhalten. Hoffmann plant schon jetzt die Anschaffung eines Akku-Laubbläsers, weil hier die geringe Lautstärke besonders wichtig sei.