Wacker Neuson: Material ohne Lärm und Abgase verteilen

MÜNCHEN, 21.12.2015 – Konsequent baut Wacker Neuson sein Sortiment an elektronisch angetriebenen Baumaschinen aus. Im bi-GaLaBau Praxistest verteilt der neue Kettendumper DT10e mit einer einzigen Batterieladung in fast zehn Stunden rund zehn Tonnen loses Material. Doch nicht nur die Ausdauer der Batterie weiß zu überzeugen.

Von Erwin Bauer, Heideck

Beladung des DT10e von Wacker Neuson mit der Selbstladeschaufel
Ausgerüstet mit einer Selbstladeschaufel ist die Kippmulde in wenigen Sekunden mühelos befüllt. | Fotos: Sonja Bauer

Auch der jüngste Spross der völlig abgasfreien Baumaschinen-Generation von Wacker Neuson braucht sich mit seinen Leistungsdaten nicht vor dem verbrennungsmotorisch betriebenen Pendant zu verstecken. Im Gegenteil, die wirkungsvollen Dreiphasen-Asynchronmotoren - zwei für den Kettenantrieb und einer für die Hydraulikanlage - entwickeln im elektrischen Kettendumper DT10e "ad hoc" erstaunliche Kräfte. Hier scheint es noch Bedarf beim Feintuning der Schubkräfte des Elektrodumpers zu geben. Bedient wird der DT10e über vier kleine Steuerhebel, einer für die Selbstladeschaufel, einer für die Kippmulde, sowie zwei für die Fahrbewegungen nach dem Prinzip der "Panzersteuerung". Alle Funktionen lassen sich einfach bedienen. Für die Kurvenfahrt muss der eine Hebel nach vorne und der andere nach hinten gezogen werden. Dabei sollte man feinfühlig und dosiert vorgehen, um ein seitliches Ausbrechen der Maschine zu verhindern. Den wendigen Dumper exakt in Geradeausfahrt zu halten, erfordert anfangs einige Übung.

Selbstlader beschleunigt Materialfluss

Speziell das Beladen mit losem Material machte dank der Selbstladeeinrichtung richtig Spaß. Im Nu sind mit der 65 Liter fassenden Schaufel mehrere herkömmliche Schubkarreninhalte verladen. Die Frontkippmulde fasst gehäuft 427 Liter bei einer maximalen Nutzlast von 1.000 kg. Bei einem Eigengewicht von 865 kg ist das eine ziemlich starke Leistung! Neben Abbruchmaterial wie Waschbetonplatten und Pflastersteinen wurden bei unserem Praxistest insgesamt zehn Tonnen Mineralbeton (0/32) und wassergebundenes Wegedeckenmaterial "selbstladend" aufgenommen und anschließend auf den Gartenwegen verteilt. Lediglich von einem am Hang gelegenen Haufen mit Mineralbeton gestaltete sich die Aufnahme zum Ende hin als problematisch. Eigentlich logisch: Je ebenerdiger das lose Material liegt, desto besser kommt die starre Schaufel hinein. Am Hang kommt man hier natürlich irgendwann an die Grenze. Bei komplett gefüllter Schaufel im Haufen muss zunächst ein Stückchen rückwärts gefahren werden, bevor das Material mit der Schaufel angehoben und in die Mulde befördert werden kann. Die Hangfahrt mit gefüllter Mulde meistert der Elektrodumper am sichersten in Rückwärtsfahrt.

Der Wacker Neuson Elektrodumper auf einem Anhänger verzurrt
Dank ausgeklügelter Anschlagpunkte lässt sich der Elektrodumper schnell und professionell verzurren.

Akkukapazität für einen Arbeitstag

Die Akkudauerleistung in unserem Praxistest kann sich sehen lassen: Sämtliche Arbeiten wurden mit einer einzigen Ladung der integrierten Lithium-Eisenphosphat-Akkumulatoren realisiert. LiFePO4-Batterien zeichnen sich durch hohe Lade- und Entladeströme, sehr gute Temperaturstabilität und eine lange Lebensdauer aus. Bis zu 2.000 Ladezyklen werden gewöhnlich für die aus der Automobilbranche stammenden, brandsicheren Akkus angegeben. Die komplette Ladezeit wird übrigens mit 7,5 Stunden angegeben. Geladen wird die Batterie über das mitgelieferte Akkukabel an jedem Netzanschluss mit 100 bis 250 Volt bei einer Stromaufnahme von maximal 14 Ampere.
Bequemer geht's kaum: Ist die Mulde mit Material gefüllt, kann der Bediener gleich auf dem ausklappbaren Trittbrett im Stehen mit dem Dumper an den Ort der Verteilung fahren. Hier wird die Selbstladeschaufel ganz nach oben gefahren, die Kippmulde angehoben und das Schüttgut ausgekippt. Das geschieht alles elektro-hydraulisch per Hebelsteuerung. Die Kräfte zehrende manuelle Verteilung der losen Schüttstoffe gehört damit der Vergangenheit an. Selbst Engpässe unter einem Meter passiert der nur 79 cm breite Minidumper im voll beladenen Zustand ohne Anzuecken.

Ladevorgang des Wacker Neuson DT10e
Der Akkublock lässt sich mit dem
integrierten Ladegerät an jeder
230 Volt-Steckdose in rund
7,5 Stunden komplett aufladen.

Ist der Mehrpreis gerechtfertigt?

Die hängend gelagerten Pendelrollen am Kettenlaufwerk gleichen Unebenheiten des
Bodens aus und sorgen bei der Fahrt für Laufruhe. Der Elektrodumper "schwebt" schier lautlos durch die Gartenanlage. Der dabei erzeugte Schalldruckpegel, gemessen am Ohr des Fahrers, ist mit 74 dB(A) etwa um das Vierfache geringer als bei der vergleichbaren Dieselmaschine. Ein ruhiges, und entspanntes Arbeiten ist die Folge. Zeitliche Einschränkungen aufgrund der Lärmemission wie bei herkömmlichen Maschinen mit Verbrennungsmotor müssen nicht hingenommen werden. Beim Preis des DT10e werden viele zunächst neugierige Interessanten spontan abwinken. Denn die Elektroversion des Kettendumpers kostet im Vergleich zur Dieselversion immerhin mehr als das Doppelte. Die Mehrkosten seien in erster Linie den verbauten, hochwertigen Akkus und dem ebenfalls in der Maschine integrierten Ladegerät geschuldet, argumentiert der Hersteller. Beziehe man allerdings die laufenden Ausgaben im Betrieb mit ein, amortisierten sich die Anschaffungskosten durch die deutlich geringeren Energie- und Servicekosten bereits nach kurzer Zeit. Nach 1.000 Betriebsstunden geht der Hersteller bei seinem Elektrodumper gegenüber der Dieselversion von Einsparungen von 1.750 Euro aus. Wenn man bedenkt, dass sich die Energiekosten während unseres zweitägigen Praxistests für das einmalige Aufladen der LiFePO4-Akkus mit einer Kapazität von 7,3 kWh lediglich auf rund 2 Euro beliefen, lässt sich diese Kostenrechnung nachvollziehen.