Alles easy? „Grüne“ Stampfer im Vergleich

KIEL, 08.01.2016 – Null Emissionen gut und schön, aber wie verhalten sich die neuen gas- bzw. strombetriebenen Stampfermodelle von Bomag und Wacker Neuson eigentlich im Betrieb? In unserem Technikcheck vergleichen wir die Praxistauglichkeit der Marktneulinge.

von Hendrik Stellmach

Heiko Krautkremer
Heiko Krautkremer ist bei Bomag für den Vertrieb der leichten Verdichtungstechnik zuständig. Er verriet interessante Details zur Handhabung der neuartigen Stampfer. | Foto: Neumann
Bomag Gasstampfer
Gasstampfer von Bomag: Konzept und Antriebsmotor sind
gleich, nur die Gasflaschen und zwei, drei notwendige
Komponenten hat der Hersteller ausgetauscht. | Foto: bi

Bomag ließ auf der Intermat 2015 die Katze aus dem Sack und zeigte seine Antwort auf die emissionsfreien Stampfer von Wacker Neuson. Während die Anwender bei der Verdichtungsleistung laut Bomag keine Kompromisse machen müssen, werden sie sich bei der Bedienung ein bisschen umgewöhnen müssen. Denn ganz so einfach, wie mancher sich das vorgestellt und gewünscht haben dürfte – wie ein plug-and-play-Gerät sozusagen – ist der Betrieb der Stampfer leider nicht. Jedenfalls nicht so kinderleicht wie die Handhabung der Elektrostampfer des Wettbewerbers, die dieser auf der Nordbau 2014 erstmals einem größeren Publikum vorstellte. Lässt man einmal die Verdichtungswirkung, die Wirtschaftlichkeit und sonstige Argumente beiseite, geht zumindest dieser Punkt an die Verdichtungsexperten aus Bayern.

Gas nachfüllen

Wie also werden die Gasstampfer vom Rhein bedient? Heiko Krautkremer, Vertriebsleiter für Bomags leichte Verdichtungstechnik in Deutschland, erklärt, wie sich die Gasstampfer von den herkömmlichen Benzinstampfern unterscheiden und was bei ihrem Betrieb zu beachten ist: Der augenfälligste Unterschied sind natürlich die anstelle des Benzintanks verbauten Gasflaschen. Sie enthalten je einen Liter oder 425 Gramm Propangas und erhöhen zusammen mit den notwendigen Ventilen und Leitungen das Gewicht des Stampfers von 65 auf 75 Kilogramm. Ist diese sogenannte Kleinst- oder Handwerkerflasche leer, kann sie aus einer großen 11-kg-Flasche nachgefüllt werden. Bomag bietet hierfür ein spezielles, klappbares Metallgestell an, auf dem die Treibgasflasche befestigt wird. Beim Nachfüllen sind mehrere Ventile in der richtigen Reihenfolge zu öffnen und wieder zu schließen, damit das Gas in die kleine Flasche gelangt.

Start nicht auf Knopfdruck

Beim Starten des Bomag-Stampfers sind ein paar Handgriffe mehr erforderlich als beim auf Knopfdruck anspringenden Elektro-Bayern. Hat man den Drehzahlhebel auf Leerlauf gestellt, die Absperrventile der Kleinstflaschen geöffnet, den Motorstoppschalter auf „On“ gestellt und den Choke geschlossen, genügen ein bis zwei Startversuche durch Betätigen des Reversierstarters. Danach öffnet man noch den Choke.
Eine weitere interessante Frage konnte Krautkremer klären, nämlich wie man die Restlaufzeit des Gasstampfers feststellt. Hier gibt es verschiedene Möglichkeiten: entweder durch den eingebauten Betriebsstundenzähler (Stunden bis zum Service), den Tagesstundenzähler, die Motordrehzahl oder ganz einfach durch Überprüfen des Gewichts der Gasflasche mittels Federwaage.

Gasflaschen transportieren

Auch beim Transport sind die Gasflaschen „nicht ganz ohne“. Propangas gilt nämlich als Gefahrstoff und darf nur in gewissen Mengen im Straßenverkehr transportiert werden. Gut, 333 kg Propangas, die gemäß der sogenannten 1.000-Punkte-Regel in ein und demselben Transport im Straßenverkehr mitgeführt werden dürfen, sind eine ganze Menge, und die wenigsten Bauunternehmer werden sich mit einem derartigen Vorrat auf den Weg zur Baustelle machen. Sind noch Gefahrstoffe anderer Beförderungskategorien wie Heizöl, Diesel oder Benzin mit an Bord, verringert sich aber die Menge des Gases, das mitgeführt werden darf.

Alexander Greschner
Alexander Greschner, Geschäftsführer des Bereichs Leichte Verdichtungstechnik bei Wacker Neuson. | Foto: Neumann
Akkustampfer von Wacker Neuson

Akku einsetzen und losverdichten – so einfach soll’s mit den
Elektrostampfern von Wacker Neuson gehen. | Foto: bi

 

Wacker unter Strom

Die Elektrostampfer von Wacker Neuson gehen einen anderen Weg. Und für den Bediener erscheint der zunächst bequemer. So werden die Geräte ganz einfach auf Knopfdruck gestartet, und der Motorlärm beim Verdichten entfällt völlig. Nach Angaben der Münchener haben diese Stampfer die gleiche Verdichtungsleistung wie benzingetriebene Modelle – eine Aussage, die man am Rhein allerdings bisweilen bezweifelt. So einfach, wie das Elektrogerät es dem Anwender macht, so schwierig war seine Entwicklung. Den richtigen Akku zu finden sei alles andere als leicht gewesen und habe einige Jahre in Anspruch genommen, berichtet Alexander Greschner, Geschäftsführer des Bereichs Leichte Verdichtungstechnik von Wacker Neuson. Es galt, den richtigen Kompromiss zu finden aus Energiedichte, Leistungsdichte, Sicherheit, Lebensdauer, Temperatur und – natürlich – den Kosten.

30 Minuten mit Akku

Wacker Neuson hat sich für einen Lithium-Eisenphosphat-Akku entschieden. Er bietet eine gleichbleibende Leistungsabgabe, eine maximale Temperaturstabilität bei gleichzeitig minimaler Alterung, kann 1.500 mal ohne Memory-Effekt aufgeladen werden und bietet größtmögliche Sicherheit, weil eine Selbstzündung ausgeschlossen ist. Mit dem Standard-Ladegerät ist er in vier Stunden wieder voll aufgeladen, mit dem Schnellladegerät in einer Stunde. Keine schlechten Werte, aber, das gibt Greschner zu bedenken, dennoch ein Kompromiss. Der ideale Akku sei „noch circa sechs Jahre entfernt“.
Die Laufzeiten bewegen sich derzeit am unteren Ende dessen, was auf der Baustelle gefordert wird. 30 Minuten beim kleinen AS30e und 20 Minuten beim AS50e klingen in der Tat nach wenig, sind aber nach Auffassung der Münchener ausreichend für den praxisüblichen Gebrauch; zumal die Laufzeit mit einem Ersatzakku einfach verdoppelt werden kann. Angesichts der technischen Entwicklung im Bereich der Akkutechnik werde das Akku-Gewicht in den nächsten Jahren weiter sinken und die Energiedichte und damit die Laufzeit steigen, sagt Greschner. Aktuell seien mit einem acht Kilogramm schweren Akku 40 Minuten Laufzeit möglich. Schon in zwei Jahren seien aber dank einer mehr als verdoppelten Energiedichte Akkus mit sechs Kilogramm Gewicht und 60 Minuten Laufzeit denkbar; und das werde so weitergehen.

Weniger Energiekosten

Schon mit den derzeit eingesetzten Akkus sind aber laut Greschner die Energiekosten fast um die Hälfte niedriger als bei konventionellen Stampfern, und der wartungsfreie, weil kohlebürstenfreie Asynchronmotor trägt seinen Teil dazu bei, die Betriebskosten weiter zu senken. Wacker Neuson will mittel- und langfristig in allen Produktkategorien Produkte anbieten, die mit null Emissionen auf der Baustelle arbeiten.
Neben diesen im Betrieb gänzlich emissionsfreien Stampfern bietet Wacker Neuson auch emissionsarme Modelle an. Greschner legt Wert auf die Feststellung, dass auch die benzingetriebenen Zwei- und Viertaktstampfer von Wacker Neuson die geltenden Richtlinien erfüllen: durch Entwicklungen wie die Motorsteuerung mit programmierbarer Kennfeldregelung und die seit 2010 in allen Zweitaktstampfern verbauten Oxidationskatalysatoren.



Dieser Artikel ist zuerst erschienen im bi-BauMagazin 12/2015.