Forever young: 30. Oldenburger Rohrleitungsforum

OLDENBURG, 25.01.2016 – Am 11. Februar 2016 ist es wieder soweit: Die Jade Hochschule am Studienort Oldenburg öffnet für zwei Tage ihre Türen für die Besucher des Oldenburger Rohrleitungsforums. Auch nach drei Jahrzehnten ist das Forum ganz weit davon entfernt, in die Jahre gekommen zu sein.
 

Jade Hochschule in Oldenburg
„Dumme Rohre – Intelligente Netze“ lautet das Motto des 30. Oldenburger Rohrleitungsforums, das am 11. und 12. Februar 2016 auf dem Gelände und in den Räumen der Jade Hochschule stattfinden wird. | Foto: iro
 
Wie immer ist praktisch alles vertreten, was in der Branche Rang und Namen hat. Und wie in jedem Jahr hat das Oldenburger Rohrleitungsforum das Ohr am Puls der Zeit, wenn es heißt „Dumme Rohre – Intelligente Netze“ und an den beiden Tagen über Modelle, Simulation und Steuerung von Infrastrukturen diskutiert werden soll.
Was kann ein 30. Oldenburger Rohrleitungsforum noch Neues bieten? „Auch nach drei Jahrzehnten gibt es etwas, was dieses Forum rechtfertigt“, so Prof. Thomas Wegener, Vorstandsmitglied des Instituts für Rohrleitungsbau an der Fachhochschule Oldenburg, Geschäftsführer der iro GmbH Oldenburg und Vizepräsident der Jade Hochschule. „Zwar finden sich von Jahr zu Jahr immer wieder ähnliche Themen, dies ist aber ein Ausdruck der regen Weiterentwicklung in dem einen oder anderen Segment. Und anhand der Leitthemen des Forums werden immer wieder die Bezüge zu den gesellschaftlichen Megatrends gesucht und gefunden.“
In Oldenburg wird es insbesondere um die Folgen der Digitalisierung mit zunehmenden Möglichkeiten der Steuerung, der Kommunikation in und zwischen den Netzen gehen. Begrifflichkeiten wie Modelle, Simulation und Steuerung von Infrastrukturen geben hier die inhaltliche Richtung vor und sollten auch diejenigen überzeugen, die angesichts von „dummen“ Rohren in „intelligenten“ Netzen bereits an karnevalistische Motive gedacht haben könnten. Davon ist man in Oldenburg weit entfernt. Im Gegenteil: Verknüpft man einfache Rohre zu einem Netz, legt noch ein zukunftsweisendes Konzept und eine entsprechende Steuerung dahinter, dann wird die Angelegenheit ganz einfach intelligent.
Entwässerungsanlage
Private Grundstücksentwässerung im Fokus: Grundstücksentwässerungsanlagen müssen dicht sein, denn undichte Leitungen verschmutzen das Grundwasser und schädigen die Umwelt. | Foto: Funke Kunststoffe GmbH
 

Flexibilität für Trinkwassernetze und Kanalisation

Rohrleitungsnetze sollen domänenübergreifend funktionieren, Rohrleitungsnetze sollen situationsbedingt möglichst flexibel zu steuern sein, und von Rohrleitungsnetzen werden zunehmend intelligente Eigenschaften verlangt. Das betrifft etwa den Trinkwasserbereich im Gesamtkonzept, zum Beispiel mit saisonal oder in längeren Perioden stark schwankender Nutzung, ebenso wie den Abwasser- und Entwässerungsbereich mit zunehmenden Starkregenereignissen. Wenn den Menschen das Wasser buchstäblich bis zum Hals steht, wird besonders deutlich, wie dringlich eine Auseinandersetzung mit diesen Themen ist – wie etwa Anfang Oktober, als ein Unwetter-Drama in Südfrankreich Menschenleben forderte. Das Beispiel – leider nur eines von vielen in den vergangenen Jahren – zeigt, dass unsere Leitungsnetze für die zu erwartenden Lastfälle nicht ausgelegt sind. Deshalb rückt dieses Thema bei kommunalen Infrastrukturplanungen zunehmend in den Blickpunkt.
 

Vom Messen bis zur Anwendung

 Mit den Facetten der Energiewende setzt sich erneut Handlungsstrang 1 auseinander. Unter anderem geht es um das Zusammenspiel der Medien Gas und Strom, allerdings werden auch marktpolitische Tendenzen aufgegriffen, wenn es etwa um Krisenvorsorge und staatliche Marktsteuerung geht. Natürlich darf in diesem Themenkomplex die Auseinandersetzung mit Chancen und Perspektiven für die Wasserwirtschaft und Stadtentwässerung nicht fehlen. „Potenziale von Radardaten in der Stadtentwässerung – von der Messung bis zur Anwendung“ – der Titel dieses Vortrages macht unter anderem deutlich, was sich hinter den Schlagworten Modell, Simulation und Steuerung alles verbergen kann. Ein anderer Vortragsblock widmet sich der interessanten Frage, was aus „dummen“ Rohren alles werden kann, etwa wenn man verschiedene Werkstoffe smart kombiniert.
Offshore Kabeleinzug
Einziehen eines Kabelschutzrohres DA 400 für eine Windparkanlage | Foto: Beermann Bohrtechnik GmbH
 

Klassiker und heiße Eisen

Während sich die zweite Vortragsreihe traditionell den klassischen Rohrwerkstoffen widmet, fasst die dritte Themenreihe „heiße Eisen“ wie Leckortung, die Überwachung von Trinkwassernetzen oder die Herausforderungen für die Abwasserinfrastruktur an. Nicht weniger spannend dürfte die Frage sein, ob es sich bei möglichen Leitungsschäden um ein beherrschbares Risiko handelt. Vorträge zur Pipelinetechnik und zur Schweißtechnik runden den Themenkomplex ab.
Mit zwei Blöcken zu grabenlosen Verlegetechniken ist wie in jedem Jahr ein weiterer Klassiker des Oldenburger Rohrleitungsforums vertreten. Erfahrungsgemäß werden die Hörsäle regelrecht wieder aus allen Nähten platzen, wenn Möglichkeiten und Grenzen der Verfahren anhand von aktuellen Bauvorhaben beleuchtet werden.
Ihren angestammten Platz nehmen darüber hinaus der Rohrleitungssanierungsverband (RSV), der Rohrleitungsbauverband (rbv) und die German Society for Trenchless Technology e.V. (GSTT) mit Vortragsblöcken oder mit Ausstellungsständen ein, die das Leistungsspektrum der Organisationen erlebbar machen. In der fünften Vortragsreihe bringen regionale Beispiele dann den wichtigen Bezug zur Praxis. Vertreter aus Kommunen und Netzbetreiber aus Hamburg, Aachen, Hannover und Bremen berichten über „Moderne Methoden für die Entwicklung von Sanierungsstrategien“ oder darüber, wie „Kommunale Infrastruktur intelligent genutzt“ werden kann.

Hausanschlüsse im Fokus


Dass auf dem Oldenburger Rohrleitungsforum nicht nur das ganze Netz im Fokus steht, beweist ein Vortragsblock, der sich mit Hauseinführungssystemen beschäftigt. Der Übergang zwischen Hausanschlussleitung und Sammler war zum Beispiel auch im Kanalbau lange Zeit ein stiefmütterlich behandeltes Thema. Die Einbindung des Hausanschlusses in den Sammler verlangte ausführenden Unternehmen Geschick und Einfallsreichtum ab – vor allem, wenn es galt, Rohre verschiedener Nennweiten und aus unterschiedlichen Werkstoffen dauerhaft dicht miteinander zu verbinden. Standardisierte Produkte für eine professionelle Lösung gab es lange Zeit nicht, und folglich ließen sich Zuverlässigkeit und Haltbarkeit der hergestellten Verbindungen schlecht vorhersehen. Die Schäden, die als Folge nicht fachgerecht hergestellter Hausanschlüsse entstanden, waren nicht selten gravierend – insbesondere, wenn aus schadhaften Zuläufen austretendes Abwasser das Grundwasser verschmutzte. Deshalb gibt es für die Erschließung eines Grundstückes – egal ob mit Kanalisation, Strom, Gas und Telekommunikation – sowohl regelwerksseitige Anforderungen als auch ausgereifte, moderne Verfahren. Sind diese in der Anwendung sicher, dicht und geregelt? Mit dieser Thematik setzen sich Referate über den „langen Weg zum gemeinsamen Regelwerk“, über „Prüfgrundlagen für Hauseinführungssysteme“ sowie über „rechtliche Fragen bei Erstellung und Sanierung von Hauseinführungen“ auseinander.
Pipelinebau in Frankreich
Haute de France II Projekt, 51,7 km Pipeline, DN 1200, Frankreich | Foto: Max Streicher GmbH & Co. KG aA
 

Lichthof eingebunden

Natürlich müssen die Gäste des Oldenburger Rohrleitungsforums nicht auf ihren „Ollnburger Gröönkohlabend“ verzichten, der den ersten Veranstaltungstag traditionell beschließt. Ebenso wenig wie auf ihre „Diskussion im Café“. Der rege Austausch von Fachleuten wird 2016 unter dem Programmpunkt „Diskussion im Lichthof“ weitergeführt – an neuer Wirkungsstätte, aber hoffentlich mit der gleichen fairen Streitkultur, wenn es diesmal um „die Möglichkeiten und die sich daraus ergebenen Chancen des Building Information Modeling für die Bauwirtschaft der Zukunft“ unter besonderer Berücksichtigung der Bereiche Rohrleitungsbau, unterirdische Infrastruktur und Anlagenbau geht. Die Vorstellung von Abschlussarbeiten von Absolventen der Jade Hochschule aus dem Bereich des Rohrleitungsbaus oder des allgemeinen Baubetriebes sowie ein Interview mit Prof. Dipl.-Ing. Joachim Lenz, dem Vorsitzenden der Stiftung Prof. Lenz, gehören zu den weiteren Aktionen, mit denen der Lichthof aufwartet. bi