Wohnungsbau
2015 sind rund 290.000 Wohnungen neu auf den Markt gekommen; allen Experten zufolge sind aber mindestens 400.000 Wohnungen jährlich notwendig, um den Bedarf zu decken. | Foto: ZDB

Kabinett beschließt Sonderabschreibung im Wohnungsbau

BERLIN, 03.02.2016 – Das Bundeskabinett hat heute beschlossen, eine Sonderabschreibung zur Förderung des Wohnungsneubaus einzuführen. Die Sonderabschreibung soll auf einen Anteil von 2.000 Euro pro Quadratmeter der Herstellungskosten des Gebäudes begrenzt werden. Sie kann nur genutzt werden, wenn die Gebäudeherstellungskosten insgesamt nicht höher als 3.000 Euro pro Quadratmeter sind.

Baugewerbe und Wohnungswirtschaft begrüßten die Kabinettsentscheidung, „auch wenn wir uns eine generelle Erhöhung der AfA von zwei auf vier Prozent gewünscht hätten“, wie der Hauptgeschäftsführer des Zentralverbandes des Deutschen Baugewerbes, Felix Pakleppa, sagte. „Zu kritisieren ist an dem Beschluss, dass die Wohnungsbautätigkeit nur über einen Zeitraum von drei Jahren gefördert wird, denn die Sonder-AfA gilt nur für diejenigen Wohnungen, für die bis Ende 2019 ein Bauantrag gestellt und die spätestens 2022 auch fertig gestellt wurden“, so Pakleppa. Darüber hinaus wäre es hilfreich gewesen, wenn auch Wohnungen gefördert würden, für die bereits im vergangenen Jahr eine Baugenehmigung erteilt wurde.

Obergrenze ursprünglich niedriger

Axel Gedaschko, Präsident des Spitzenverbandes der Wohnungswirtschaft GdW wertete es als positiv, dass die Obergrenze für die Nutzung der Förderung von ursprünglich vorgesehenen 2.200 Euro auf 3.000 Euro pro Quadratmeter erhöht wurde. „Besonders in den Metropolregionen liegen die Herstellungskosten des Gebäudes in der Regel deutlich höher als 2.200 Euro pro Quadratmeter“, so Gadaschko. „Dabei sind staatliche Abgaben und Auflagen oft die größten Kostentreiber. Hinzu kommt die Verschärfung der Energieeinsparverordnung seit Anfang 2016, die die Baukosten um weitere 7 Prozent steigen lässt."

Weitere Schritte nötig

Neben der steuerlichen Förderung von privaten Investitionen seien laut Pakleppa aber weitere Anstrengungen notwendig, um eine ausreichend hohe Anzahl neuer Wohnungen zu bauen: „Dazu gehört vor allem, dass die Länder nicht weiter an der Steuerschraube drehen und die Grunderwerbsteuer erhöhen. Dazu gehört aber auch, dass die Kommunen zügig kostengünstiges Bauland zur Verfügung stellen. Und beide zusammen müssen überdies selbst in den sozialen Wohnungsbau investieren. Richtigerweise hat die Bundesregierung die den Ländern jährlich zur Verfügung gestellten Mittel von 518 Millionen Euro auf eine Milliarde Euro quasi verdoppelt.“
Ein weiterer Weg, preiswerte Wohnungen schneller an den Markt zu bringen, seien standardisierten Typenhäuser, die in den Bauordnungen der Länder verankert würden, um Planungs- und Genehmigungsprozesse abzukürzen. Diese Gebäude könnten problemlos in Baulücken und bei der Nachverdichtung in Gemeinden und Siedlungen gebaut werden. Pakleppa: „Wir wollen keine seriell gefertigten Mietskasernen an den Stadträndern, die neue soziale Probleme und No-Go-Areas nach sich ziehen.“ bi