Stauden nachhaltig produzieren

NEERSTEDT, 09.02.2016 – Um den Einsatz chemischer Wildkrautbekämpfungsmittel aus seinem Betrieb zu verbannen geht Jens Schachtschneider mit seiner Staudengärtnerei einen ungewöhnlichen Weg. Und dabei ist es nicht geblieben, mittlerweile sind viele Bereiche des Betriebs auf Nachhaltigkeit ausgelegt.

Anwendung des Wave Unkrautentferners in der Staudengärtnerei Schachtschneider
Die Nachhaltigkeitsstrategie der Staudengärtnerei Schachtschneider besteht aus mehreren Bausteinen: Solartechnik, Elektrofahrzeuge und Heißwasserwildkrautbekämpfung. | Fotos: Wave Europe

Seit 27 Jahren kultiviert das von Jens Schachtschneider gegründete Unternehmen in Neerstedt bei Oldenburg in Niedersachsen Stauden in großer Vielfalt und vermarktet diese an den gärtnerischen Fachhandel und an Garten- und Landschaftsbaubetriebe. Über zwei Millionen Staudenpflanzen in rund 1.700 Arten und Sorten werden pro Saison verkauft. In Partnerschaft mit dem Stauden Ring konzentriert sich der Absatz auf Niedersachsen, Hamburg, Bremen und Ostwestfalen. Hinzu kommt ein wachsender Exportanteil nach Skandinavien und Osteuropa. Der Produktionsbetrieb hat über 50 Mitarbeiter einschließlich Verkaufs-, Produktions- und Versandabteilung.

Elektrotransporter und Photovoltaikanlagen

Die Ausrichtung des Betriebs ist ökologisch. Wo möglich, kommen umweltschonende Methoden und Geräte zum Einsatz. Der Strom wird mittels Photovoltaikanlagen auf den Dächern der Betriebsgebäude produziert, die Wärme stammt aus der Biogasanlage benachbarter Landwirte. Die technischen Gartengeräte sind überwiegend Akku betrieben, die Fahrzeuge komplett elektrisch. Insgesamt 20 Elektrotransporter der Marke Club Car sind auf dem riesigen Gelände unterwegs. Bereits im Jahr 2000 hat die Staudengärtnerei ihren innerbetrieblichen Fuhrpark von verbrennungsmotorisch betriebenen Mulen auf Elektrokarren umgestellt. Um dem zunehmenden Abbau von Moorflächen entgegenzuwirken, setzt der Betrieb verstärkt auf Torf-Ersatzstoffe. Ein weiterer wichtiger Aspekt der umweltbewussten Ausrichtung ist die Unkrautbekämpfung. Herbizide werden kaum noch eingesetzt. Neben händischen beziehungsweise mechanischen Methoden wird Unkraut vor allem mit dem Mid-Series-Gerät des niederländischen Unternehmens Wave entfernt. Dessen patentierte Heißwasser-Methode kommt gänzlich ohne chemische Zusätze aus. Wildkräuter werden allein durch das Auftragen von 98 Grad heißem Wasser entfernt.

Bekämpfung einer Wildkrautpflanze mit dem Wäve Heißwassergerät
Das aufgetragene Heißwasser lässt die Eiweißmoleküle in der Pflanze platzen, und in der Folge stirbt diese ab.

Kein Glyphosat für die Unkrautbekämpfung

Neben dem klassischen Zupfen entfernt die Firma Schachtschneider Unkraut mit Hackern, kleinen Fräsen oder Grubbern. Auch mit dem Ausbringen von Rindenmulch wird die Unkrautbildung reduziert. Der Einsatz von Breitbandherbiziden, z.B. von Glyphosat, kommt für das niedersächsische Unternehmen gleich aus mehreren Gründen nicht mehr in Betracht. Zum einen könnten die wenigsten Herbizide zwischen Stauden und Löwenzahn unterscheiden, erklärt Jens Schachtschneider. Gerade für die Stellflächen, von denen das Unternehmen mehrere Hektar besitzt, ist der Herbizideinsatz gesetzlich stark reglementiert. Glyphosathaltige Unkrautbekämpfungsmittel dürfen kaum noch verwendet werden. Zudem steigt die Wahrscheinlichkeit, dass Glyphosat gesetzlich verboten wird, da es im Verdacht steht, gesundheitliche Schäden zu verursachen. Daher sei es besser, nicht bis zum Tag X zu warten, sondern sich schon vorher darüber Gedanken zu machen, was es an Alternativen gebe. „Muss ich warten, bis ich seitens der Kunden an die Wand genagelt werde?“, so Schachtschneider.
Wave Unkrautentferner als Hochdruckreiniger
Zusatznutzen: Das Gerät wird zur Heißwasser-Hochdruckreinigung des Fuhrparks eingesetzt.

Ökologisch einwandfreie Heißwasser-Methode

Vor zwei Jahren fand das Unternehmen die ökologisch einwandfreie Alternative zur chemischen Unkrautvernichtung über die Empfehlung eines Kollegen. In dessen Betrieb erlebte Jens Schachtschneider das Wave-Mid-Series-Gerät das erste Mal im Einsatz und war von dessen Wirkung und aufgrund der positiven Praxiserfahrungen des Kollegen gleich überzeugt. „Das Entscheidende für uns war vor allem der Umweltschutzgedanke“, berichtet der Unternehmer. „Einfach nur mit heißem Wasser, ohne jeglichen Chemiezusatz, das finde ich toll.“ Ein ökologischer Vorteil, der für die Firma Schachtschneider gleich in mehrfacher Hinsicht von Bedeutung ist. So liegt es dem Geschäftsführer auch am Herzen, seine Mitarbeiter so gut es geht vor gesundheitlichen Risiken zu schützen. „Wir haben einen sehr hohen weiblichen Mitarbeiterstamm, und wenn man die Geschichten über die Nebenwirkungen von Glyphosat hört, dann wird einem angst und bange. Wir wollten nicht warten, bis ein Unglück passiert.“ Zwar hätte es nie die Situation gegeben, dass die Mitarbeiter gesagt hätten, dass sie nicht mehr mit chemischen Pflanzenschutzmitteln arbeiten wollten, aber „es wird überaus wohlwollend registriert, dass wir von der Betriebsleitung über die gesetzlichen Vorgaben hinausgehen und uns zum Schutz der Mitarbeiter und der Natur anders aufstellen“.

Langfristige Wirkung

Die Wave-Maschinen, die in unterschiedlichen Größen angeboten werden, benetzen Wildkräuter mit 98 Grad Celsius heißem Wasser, wodurch das Pflanzeneiweiß gerinnt. Da das heiße Wasser auch die Wurzeln erreicht, wird das Wachstum mit wenigen Anwendungen im Jahr langfristig gestoppt, die Pflanzen sterben vollständig ab. „Sicherlich ist die Ausbringung zeitaufwändiger, zugleich spare ich aber durch den Einsatz der angelernten Saisonmitarbeiter.“  Die Wave-Methode wird vor allem auf den Stellflächen, in den Ritzen der Pflasterungen, aber auch bei den Mutterpflanzen im Freiland angewendet. Gerade die Randbereiche der Stellflächen seien „die Problemzonen des Betriebs“. Vor allem in den Stoßkanten setze sich Erde ab und dann sei es nicht mehr weit bis zum Unkraut. „Und für diese Reinigung der Fugen eignet sich die Wave-Maschine perfekt, denn gerade kleine Ecken sind sonst sehr nervig sauberzuhalten“, berichtet Schachtschneider. bi