Kanalimpfung mit Mikroorganismen

Die Mikroben werden in den Kanal eingefüllt. Sie siedeln sich dort dauerhaft an und bauen die Stoffe ab, die Geruchsbelästigungen verursachen. | Foto: IKT

Der geimpfte Kanal: Mikroben gegen Geruchsbelästigung

LINDLAR, 16.02.2016 – Das Problem von Geruchsbelästigung aus der Kanalisation mit Hilfe von Mikroorganismen dauerhaft zu lösen, das verspricht die Firma Adler Bio- und Wassertechnik. In Lindlar funktioniert das System seit neun Jahren zur vollen Zufriedenheit.

Wenn jemand eine nicht näher spezifizierte Flüssigkeit in den Kanal schüttet und verspricht, mit darin enthaltenen Mikroben dauerhaft Geruchsprobleme in den Griff zu bekommen und gleichzeitig Ablagerungen zu minimieren, dann stößt er zunächst auf Skepsis. So ist es auch Wolfgang Adler ergangen, als er vor 19 Jahren mit genau so einem Verfahren auf den Markt kam. Inzwischen hat sich das System Lipolyt 2000 bei immer mehr Kanalnetzbetreibern etabliert. Zu denen gehört das Gemeindewerk Wasser und Abwasser Lindlar im Bergischen Land.
Das Kanalnetz in Lindlar ist etwa 150 Kilometer lang und umfasst Schmutz-, Regen- und Mischwasserkanäle sowie 19 Schmutzwasserpumpwerke. Zum Verantwortungsbereich des Technischen Betriebsleiters des Gemeindewerkes Wasser und Abwasser Ralf Urspruch gehört darüber hinaus ein Trinkwassernetz von etwa 150 Kilometer Länge. Das Bergische Land weist schon mit seiner Namensgebung auf die Topografie hin, die sich auch in Lindlar wiederfindet und die den Betrieb der 19 Schmutzwasserpumpstationen und dementsprechend von Druckleitungen erfordert.

Probleme mit Geruch

Vor rund acht Jahren gab es bei zwei Abwasserpumpstationen nach etwa zwei Jahren Betriebszeit zunehmend Beschwerden von Anliegern wegen Geruchsbelästigung, und zwar genau dort, wo die Druckleitung in den Freigefällekanal einmündet. Insbesondere im Sommer bei hohen Temperaturen und längeren Trockenperioden häuften sich die Klagen. „Wir haben zunächst in Absprache mit dem Aggerverband Versuche mit chemischen Mitteln gefahren, die in den Pumpstationen über Dosierpumpen dem Abwasser beigemischt wurden“, erklärt Ralf Urspruch. Die Erfolge waren schwankend und erforderten ein häufiges Anpassen der Dosierung an die wechselnden Randbedingungen wie Temperatur und Abwassermenge. In dieser wenig befriedigenden Situation kam der Kontakt mit der Firma Adler Bio- und Wassertechnik aus Bestwig zustande, die mit einem biologischen Verfahren ein völlig anderes Konzept vorschlug.

Kleine Helfer im Kanal

Das System der Firma Adler basiert auf dem Einsatz von Mikroorganismen. Diese ernähren sich von den in häuslichem Abwasser vorkommenden organischen Stoffen. Mit deren Abbau werden entsprechende Ablagerungen, Fäulnisprozesse und damit die Grundlagen für das Auftreten von Geruchsbelästigungen minimiert. Da sich die Mikroben in dem Abwassersystem ansiedeln und vermehren, sind die erzielten Ergebnisse in der Regel langfristig und dauerhaft.
Der Weg zu den optimalen Einsatzbedingungen war für die Firma Adler auch ein Lernprozess. Anfangs wurden die Mikroben direkt in die Pumpenschächte gegeben. Dies führte jedoch in einigen Fällen nicht zu dem gewünschten Erfolg. Inzwischen ist das Unternehmen dazu übergegangen, die Kulturen bereits in die Zuleitungen zu den Pumpenschächten einzusetzen, also möglichst dicht an dem Ort, an dem das Abwasser anfällt. Seitdem ist die Erfolgsquote noch einmal deutlich gestiegen.
Bei der Anwendung von Lipolyt 2000 ermittelt die Firma Adler auf der Grundlage der Länge des zu behandelnden Kanalnetzes die erforderliche Produktmenge. Das System besteht aus zwei Komponenten, die in Gebinden angeliefert und vor Ort in Eimern angemischt werden.
Im ersten Schritt wird eine Nähr- und Haftlösung über die vorhandenen Schächte in den Kanal gefüllt. Dieses Mittel haftet an der Kanalwand und bietet den Mikroben zunächst ideale Bedingungen, sich im Abwassersystem zu etablieren und zu vermehren. Im zweiten Schritt werden die Mikroorganismen in versportem Zustand trocken auf einem mehlartigen Trägermaterial angeliefert und erfahren am Einsatzort zunächst eine Aktivierungsphase, die durch Zugabe von – im Idealfall leicht temperiertem – Wasser gestartet wird. Nach kurzer Zeit wird die die einsatzbereite Komponente 2 ebenfalls in den Kanal gefüllt. Die Mikroben siedeln sich dort dauerhaft an, vermehren sich und verrichten ihre Arbeit.

Beste Erfahrungen in Lindlar

In Lindlar erfolgte am 6. September 2006 ein Testeinsatz am Pumpwerk Linde-Scheurenhof, das eine 450 Meter lange Druckleitung DN 100 beschickt. „Seitdem haben wir dort Ruhe“, fasst Ralf Urspruch das Ergebnis dieser Anwendung zusammen.
Als sich bei einer neu gebauten Pumpstation, die in einem Wohngebiet die angeschlossenen Grundstücke über eine Druckleitung in einen Mischwasserkanal entwässert, nach einer Betriebszeit von knapp zwei Jahren ebenfalls die Beschwerden über Geruchsbelästigung aus dem Kanal häuften, fiel auf Basis der positiven Erfahrungen im September 2014 die Entscheidung, erneut die Firma Adler zu beauftragen. Auch hier sind in der Folge keine Probleme mehr aufgetreten.
In Lindlar sind nach einer einmaligen Impfung der problemrelevanten Kanäle die Geruchsprobleme in einem Fall seit neun und im anderen Fall seit fast eineinhalb Jahren gelöst.„Das, was wir bisher durch die Firma Adler haben machen lassen, hat den erwünschten Erfolg gebracht und wenn wir an einer anderen Stelle ein ähnliches Problem bekämen, würde ich sofort wieder bei Herrn Adler anrufen“, so Ralf Urspruch, der seine Erfahrung auch gern an seine Kollegen aus anderen Kommunen weitergibt und bei entsprechenden Anfragen rät: „Ich würde es immer probieren.“ bi

Den kompletten  Bericht lesen Sie in unserer aktuellen Ausgabe (1/16) der bi-UmweltBau.