Tarifrunde 2016: Gewerkschaft fordert fast 6 Prozent mehr Lohn

BERLIN/FRANKFURT, 17.02.2016 – Im Vorfeld der diesjährigen Tarifrunde im Baugewerbe hat die Industriegewerkschaft Bauen-Agrar-Umwelt ihre Lohnforderung auf 5,9 Prozent für die rund 770.000 Beschäftigten festgelegt. Die Verhandlungen beginnen am 15. März in Berlin.

Baustelle in Berlin
Mitte März beginnt in Berlin die Tarifrunde Bau 2016. Die Tarifparteien formieren sich schon. | Fotos: ZDB
Frank Dupre

Die Verhandlungsführung für die Arbeit-
geberseite liegt in diesem Jahr beim ZDB.
Verhandlungsführer ist ZDB-Vizepräsident
Frank Dupré aus Speyer.

Neben der Lohn- und Gehaltserhöhung fordert die IG BAU eine Erhöhung der Auszubildendenvergütung um monatlich hundert Euro für jedes Ausbildungsjahr sowie einen weiteren Angleichungsschritt der Ost- an die Westlöhne. Auch im Osten soll nach Willen der Gewerkschaft ein Mindestlohn II eingeführt werden. Außerdem fordert sie, die Unterkunftsregelung für weit vom Wohnort entfernte Baustellen zu verbessern. Und: Die bisherigen Arbeitstage 24. und 31. Dezember sollen bei vollen Bezügen arbeitsfrei sein.
„Die Bauwirtschaft läuft rund. Es besteht kein Grund zur Bescheidenheit“, sagte der stellvertretende IG BAU-Bundesvorsitzende Dietmar Schäfers. „Die Beschäftigten müssen an der guten Entwicklung fair beteiligt werden. Selbst viele Betriebe spüren am Fachkräftemangel, dass sich der Abstand zu anderen Wirtschaftszweigen inzwischen zu einem Problem für sie entwickelt. Wegen zu weniger Mitarbeiter müssen sie sogar teilweise auf lukrative Aufträge verzichten. Das ändert sich nur, wenn der Bau attraktiver wird.“

In diesem Jahr rechnet die Bauwirtschaft mit einem Umsatzwachstum von drei Prozent. „Das Wachstum ist stabil“, sagte Schäfers. „Wir haben gerade in Ballungsgebieten einen enormen Nachholbedarf an bezahlbaren Wohnungen und Sozialwohnungen. Gleichzeitig müssen die Verkehrswege saniert und ausgebaut werden. Die gerade erst geplanten Investitionsprogramme der Bundesregierung stützen die Branchenentwicklung über das Jahr hinaus.“
Gleichzeitig weist die IG BAU auf die stabilisierende Wirkung steigender Einkommen auf die Konjunktur hin. Selbst die Bundesbank spreche sich für höhere Lohnsteigerungen aus, so Schäfers.

Betriebe kämpfen mit niedrigen Renditen

Der Lohnforderung der Gewerkschaft von fast 6 % stehen weiterhin niedrige Umsatzrenditen der Betriebe im Baugewerbe gegenüber, sagte Frank Dupré, Verhandlungsführer der Arbeitgeber. Die gestiegenen Umsätze hätten nicht zu höheren Umsatzrenditen geführt; nach wie vor bestehe ein hoher Wettbewerbsdruck, der weiterhin über die Preise ausgetragen werde. „Angesichts der Tatsache, dass Bauen immer noch arbeitsintensiv ist und der Lohnkostenanteil um ein Vielfaches über dem der stationären Industrie liegt, wird der Kostenwettbewerb vor  allem auf dem Rücken der tarifgebundenen Betriebe ausgetragen“, so Dupré. Billiglohnkonkurrenz und immer mehr Scheinselbstständige am Baumarkt würden zudem bei vielen Aufträgen auskömmliche Preise verhindern. Vor diesem Hintergrund habe das Umsatzwachstum von gerade mal einem Prozent im vergangenen Jahr zu keinem Verteilungsspielraum für Lohnerhöhungen geführt.
Dupré: „Ohnehin haben die Arbeitnehmer aufgrund der niedrigen Inflationsraten der vergangenen Jahre auf der einen und aufgrund der deutlich gestiegenen Löhne auf der anderen Seite deutlich mehr Geld in der Tasche. Wenn jemand einen Nachholbedarf hat, dann unsere Mitgliedsbetriebe bei ihren Erträgen.“ bi

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