Geschafft: Neue Düsseldorfer Wehrhahn-Linie wird eröffnet

BOCHUM, 18.02.2016. Nach achtjähriger Bauzeit wird am Sonnabend die unterirdische Stadtbahn in Düsseldorf eingeweiht. Bei dem aufwändigen Tunnel-Projekt mussten die Ingenieure mit engen Platzverhältnissen klarkommen, ein 100 Jahre altes Kaufhaus unterfahren - und die Kö sollte auch möglichst wenig gestört werden.

Tunnelbau Wehrhahn-Linie
Mit sechs unterirdischen und zwei oberirdischen Haltestellen verbindet die Wehrhahn-Linie auf einer Gesamtstrecke von 3,4 Kilometern zwei wichtige S-Bahnhöfe, die Einkaufsstraßen „Am Wehrhahn“ und Schadowstraße mit der Königsallee.

Auf einer Strecke von 3,4 km entstand im Herzen von Düsseldorf binnen der letzten Jahre eine neue U-Bahn-Linie, die auch wichtige Einkaufsstraßen miteinander verbindet. Für die komplette Bauoberleitung und Bauüberwachung des Tunnel-Rohbaus und -Ausbaus zeichnete Zetcon Ingenieure, vormals Zerna Baumanagement, im Rahmen der Ingenieurgemeinschaft „ARGE BÜ Wehrhahn-Linie“ verantwortlich. Das gesamte Investitionsvolumen betrug rund 843 Millionen Euro.
Ein gehemmter Verkehrsfluss aufgrund überfüllter Straßen in der Düsseldorfer Innenstadt führte Ende 2007 zur Entscheidung der Stadt Düsseldorf, eine neue U-Bahn-Linie zu bauen. Das Ziel: Pendler, Geschäftsleute und Einkaufende schneller an ihren Bestimmungsort zu bringen und den Verkehr spürbar zu entlasten. Dafür sorgt jetzt die Wehrhahn-Linie mit sechs unterirdischen und zwei oberirdischen Haltestellen. Sie verbindet die zwei wichtigen S-Bahnhöfe im innerstädtischen Bereich miteinander. Oberstes Ziel des gesamten Tunnel-Projekts war eine minimale Einschränkung und Belastung für Anwohner und Geschäfte. Dank der Deckelbauweise ließen sich die Arbeiten an der Oberfläche auf ein Mindestmaß reduzieren, so dass der Verkehr während der gesamten Bauzeit fast ungehindert weiter fließen konnte.

Vollständig unterirdischer Bau

Für die Arbeiten wurden aufgrund hoher Grundwasserstände vorbereitend die Baugruben mit wasserdichten, bis zu 42 m tiefen Schlitzwänden umschlossen und mit einem Betondeckel versehen. Der anschließende Aushub erfolgte komplett unterirdisch. Auf einer Gesamtlänge von 2,3 km hob eine hochleistungsfähige Tunnelbohrmaschine mit einem Durchmesser von 9,5 m circa 450.000 m³ Sand- und Kies-Gemisch aus. Innerhalb von acht Monaten entstanden so zwei Tunnelröhren mit einem Durchmesser von je 8,4 m. Das entspricht einer Strecke von 10 bis 15 m pro Tag. „Eine große Leistung“, sagt Zetcon-Geschäftsführer Ulrich Pöggeler. „Denn bevor die Maschine eingesetzt werden konnte, musste sie zunächst vor Ort zusammengebaut werden. Und das ist ein ganzes Stück Arbeit. Drei Monate dauert alleine der Aufbau einer solchen Maschine.“ Das Unternehmen war im Rahmen der Ingenieurgemeinschaft „ARGE BÜ Wehrhahn-Linie“ für die Bauüberwachung des gesamten Tunnel-Projekts verantwortlich.

Tunnel Wehrhahn-Linie
Alle U-Bahnhöfe wurden in Deckelbauweise errichtet. Dazu wurden zu Beginn auf einer Straßenseite bis zu 42 m tiefe Schlitzwände und Stützen hergestellt und anschließend mit einem Betondeckel versehen.

Denkmalgeschützte Gebäude absichern

Direkt an der beliebten Düsseldorfer Einkaufsmeile Kö liegt ein 100 Jahre altes Kaufhaus-Gebäude. Wegen dessen denkmalgeschützter Jugendstil-Außenfassade kam bei der Unterfahrung für die Bauarbeiten ein Schildvortrieb nicht in Frage. Erschütterungen hätten zu Setzungen und somit zur Beeinträchtigung der Gebäudestatik führen können. Der Aushub erforderte deshalb viel Fingerspitzengefühl und eine spezielle Technik. Mit Hilfe einer Vereisung wurde der komplette Boden zunächst gefrostet, um das Gebäude gegen Grundwasser abzudichten und den Boden zu stabilisieren. Allein die Vereisung des Bodens dauerte rund 60 Tage. Danach wurde der Boden in bergmännischer Bauweise abgetragen. „Dieses Teilstück hat uns vor besondere Herausforderungen gestellt“, erklärt Pöggeler. „Wir mussten sicherstellen, dass unser Plan funktioniert und die Sicherheit zu jeder Zeit gewährleistet ist.“ 500 Temperaturfühler kontrollierten deshalb die Eisschicht fortlaufend. Der Eispanzer mit einer Dicke von 2,5 m hielt insgesamt zwei Jahre.
Seit April 2015 führt die Rheinbahn, der Betreiber des öffentlichen Personennahverkehrs in Düsseldorf, schon Testfahrten auf der Strecke durch. Am 20. Februar wird die neue Wehrhahn-Linie offiziell eingeweiht. bi

Vereisung im Tunnel Wehrhahn-Linie
Wegen der denkmalgeschützten Außenfassade des Kaufhauses an der Kö kam ein Schildvortrieb nicht in Frage. Deshalb erfolgten die Arbeiten in bergmännischer Bauweise mit Hilfe einer Vereisungstechnik. | Fotos: Zetcon Ingenieure