Fachtagung: Bauschäden im GaLaBau

MÜNSTER, 17.03.2016 – Sobald Gebäude in die Arbeit von GaLaBauern involviert sind, egal ob direkt oder indirekt, ist größte Vorsicht geboten. Was muss beachtet werden, wenn Recyclingmaterial im GaLaBau verwendet wird? Auf der Fachtagung „Bautechnik im Garten- und Landschaftsbau“ wurden diese und weitere Themen diskutiert.

Referenten der Fachtagung Bauschäden
Mit Piet Werland (v.l.), Dr. rer. nat Michael Flemming und Wolf Meyer-Ricks konnte Karl Jänike vom VGL NRW drei praxiserfahrene Referenten zur Fachtagung in Münster-Wolbeck begrüßen. | Foto: pcw

Zur Tagung eingeladen hatte der Verband Garten-, Landschafts- und Sportplatzbau Nordrhein-Westfalen die Unternehmer und Entscheider aus den Mitgliedsbetrieben sowie Landschaftsarchitekten. Verbandspräsident H. Christian Leonhards freute sich über mehr als 160 Teilnehmerinnen und Teilnehmer. Wie kostenträchtig es werden kann, aus Gefälligkeit gegenüber einem Bauherrn branchenuntypische Leistungen zu erbringen, das hob Dipl.-Ing. Wolf Meyer-Ricks, öffentlich bestellter und vereidigter Sachverständiger bei der Landwirtschaftskammer NRW für den Garten- und Landschaftsbau, in seinem Vortrag „Freiflächentypen und konstruktive Anschlussmöglichkeiten an das Gebäude“ besonders hervor: „Ich warne die ausführenden Landschaftsgärtner ausdrücklich davor, Leistungen zur Abdichtung oder Dämmung des Gebäudes durchzuführen.“ Denn wenn Leistungen des Hochbaus am Gebäude vorgenommen werden, besteht grundsätzlich ein Haftungsanspruch im Falle von dadurch entstehenden – meist sehr kostspieligen – Schäden am Gebäude. Ohnehin ist aus Sicht des Referenten der Fassadensockel bei Vegetationsbereichen und Pflasterungen bis direkt ans Gebäude ein Bereich, wo Landschaftsgärtner besonders hinschauen müssen: Bei Neubauten ist beispielsweise eine gewissenhafte Sichtprüfung der Vorleistungen des Hochbaus für Landschaftsgärtner unerlässlich. Bei landschaftsgärtnerischen Leistungen am Fassadensockel von Gebäuden ist eine ebensolche Sichtprüfung vorzunehmen. „Wenn hier offensichtliche Unzulänglichkeiten an der Abdichtung oder Dämmung festgestellt werden, so sollten diesbezüglich schriftlich Bedenken angemeldet werden.“ Wenn möglich, sollte dies zusätzlich mit Fotos dokumentiert werden. Abschließend verwies der Referent auf Planungs- und Arbeitshilfen (Formularvorlagen) zum Thema, die direkt über die Geschäftsstelle des Verbandes bezogen werden können – wie beispielsweise die Sockelputz-Richtlinie.

Beliebte Feinsteinzeugfliesen

Wie Dipl.-Ing. Piet Werland als ebenfalls öffentlich bestellter und vereidigter Sachverständiger der LVK NRW für den GaLaBau deutlich machte, werden die Landschaftsgärtner in naher Zukunft verstärkt großformatige Feinsteinzeugfliesen auch an die Fassadensockel legen. „2016 wird das Jahr der keramischen Großformatplatte.“ Als Gründe für die Wahl dieses Belags geben die Endkunden meistens ästhetische und funktionale Aspekte an. Und für Verarbeiter hat das geringere Gewicht für die Handhabung auf der Baustelle durchaus seinen Reiz. Aber das Material hat seine Tücken – weshalb laut Piet Werland mehr als jeder vierte im Rahmen einer B+L-Marktanalyse befragte Fliesenleger versucht, beispielsweise im Rahmen seiner Beratung den Kunden von einem anderen Belag zu überzeugen. „Oft kommt der Kunde mit einer Erwartungshaltung, die sich gar nicht realisieren lässt“, betonte der Referent in seinem Vortrag „Keramische Beläge im Außenbereich“. Erschwerend kommt hinzu, dass es für derartige Bauweisen derzeit keine klare Normung gibt. Aus seinen Erfahrungen als Sachverständiger habe sich ergeben, dass die Prospekte und Anwendungsbeispiele der Hersteller oft wenig hilfreich sind und manchmal sogar zur Ursache für Schäden werden. Wie er ausführte, muss bei der Verlegung großformatiger keramischer Beläge mit geringer Belagsstärke besonders darauf geachtet werden, dass eine Belagslagesicherheit erreicht wird, was sich insbesondere bei einer ungebundenen Bauweise immer als schwierig herausstelle.

Recycling belasteter Böden

Ferner wurden Bauvorhaben mit größeren Erdbewegungen thematisiert. Hier wies Dr. rer. nat Michael Flemming, öffentlich bestellter und vereidigter Sachverständiger bei der IHK für Altlasten–Probenahme, Analytik und chemisches Stoffverhalten, auf Besonderheiten hin. Unter dem Titel „Bodenmanagement im Garten- und Landschaftsbau“ machte er am Beispiel des Autobahnausbaus „Westkreuz Bochum“ deutlich, wie durch Wiedereinbau von mit Schwermetall unterschiedlich belasteten Aushubböden knapper werdende Deponiekapazitäten und steigende -kosten immens reduziert werden können: Von insgesamt 286.000 Kubikmetern überwiegend kontaminiertem Aushub mussten lediglich 5.500 Kubikmeter entsorgt werden. Als wichtigste Regel für den Wiedereinbau von belasteten Böden nannte der Referent, dass sich die vorhandene Untergrundqualität nicht verschlechtern darf. Dies kann auch ein „Stolperstein“ werden, wenn Recyclingbaustoffe für den Garten- und Landschaftsbau als kostengünstige Alternative von Mineralgemischen aus Naturstein eingesetzt werden, so seine Ausführungen zum Thema „Recyclingmaterial im Garten- und Landschaftsbau“. Denn sobald Recyclingmaterial rechtlich kein Abfall mehr ist, unterliegt seine Verwendung nicht mehr den Vorgaben des Abfallrechts im Sinne des Kreislaufwirtschaftsgesetzes, sondern den entsprechenden Regelungen des Bodenschutz- und Wasserrechts. Dies bedeutet, dass in der Regel für den Einbau von Recyclingmaterial eine dokumentierte wasserrechtliche Erlaubnis benötigt wird – was in vielen Fällen selbst in den Städten und Gemeinden bei Planungen nicht ausreichend berücksichtigt werde. bi