Mehr Lebensqualität durch begrünte Städte

BONN, 24.03.2016 – Schon länger bekannt ist, dass urbanes Grün in Städten wichtige Beiträge in Hinblick auf Lebensqualität und Energieersparnis leistet. Details der Auswirkungen wurden im November vergangenen Jahres auf einer Fachtagung in Bonn diskutiert.

Urbanes Grün
Stadtgrün trägt zur Anpassung an den Klimawandel bei, darin waren sich die Experten in Bonn einig. | Foto: E. Bauer

„Stadtbäume, Fassaden- und Dachbegrünungen tragen durch Verschattung, Isolierung und Verdunstungseffekte zur Abkühlung bei. Urbanes Grün macht unsere Städte widerstandsfähiger gegen den Klimawandel und gleichzeitig attraktiv und lebenswert. Stadtnatur muss daher als grüne Infrastruktur verstärkt gefördert und ,ausgebaut‘ werden“, sagte BfN-Präsidentin Prof. Beate Jessel zur Eröffnung einer vom Bundesamt für Naturschutz (BfN) gemeinsam mit dem Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung (UFZ) und dem Deutschen Zentrum für integrative Biodiversitätsforschung (iDiv) veranstalteten internationalen Fachkonferenz in Bonn. Solche positiven Beiträge von städtischem Grün zur Energieeinsparung – und somit zum Klimaschutz – konnten beispielsweise an einer Grünfassade in Wien nachgewiesen werden: Die sommerliche Verdunstung der Pflanzen an der 850 Quadratmeter großen Fassade entspricht einer Kühlleistung von etwa 45 Klimaanlagen. Auch minderte sich der winterliche Wärmeverlust des Gebäudes um 50 Prozent. „Parks fungieren als grüne Lunge. Offene Grünflächen und -schneisen sorgen als Frischluftentstehungsgebiete für eine verbesserte Luftqualität. Sie filtern Luftschadstoffe und (Fein-)Staub aus und leiten Kaltluft aus dem Umland in die Stadtzentren“, so Beate Jessel.

Fachveranstaltung mit 230 Teilnehmern

An der dreitägigen Fachveranstaltung Mitte November 2015 nahmen 230 Expertinnen und Experten aus Forschung, Politik und Praxis. Es wurden Möglichkeiten erörtert, die naturbasierte Lösungsansätze bieten, um daraus politische Handlungsempfehlungen abzuleiten. Darüber hinaus sollen auch die vielfältigen zusätzlichen positiven Effekte, die mehr Grün in der Stadt mit sich bringt, verdeutlicht werden. Insbesondere bei Starkregenereignissen sind Grünflächen und Gründächer wichtige Wasserspeicher, die die Kanalisation entlasten und Überschwemmungen verhindern helfen. „Die ,blauen‘ Strukturen wie Flüsse, Bäche oder Teiche verbessern das Stadtklima. Sie erhöhen die Luftfeuchtigkeit und sorgen für Kühlung. Fluss- und Auenrenaturierungen dienen der Wasserrückhaltung und können so Hochwasserspitzen abmildern. Damit wird das Schadenspotenzial in städtischen Räumen reduziert“, erläuterte BfN- Präsidentin Jessel. Diese naturbasierten Ansätze sind häufig kostengünstiger als rein technische Lösungen. Prominentestes Beispiel ist der „Green Infrastructure Plan“ von New York City, dessen Umsetzung Berechnungen zufolge 1,5 Milliarden US-Dollar weniger kostet als eine rein „graue“ Strategie.

weitere positive Faktoren

Nach Ansicht von Experten erfüllt die städtische Natur über die Beiträge zum Klimaschutz und zur Anpassung an den Klimawandel hinaus noch vielfältige weitere Funktionen: Luftreinhaltung und Lärmminderung, Nutzung zur Naherholung, Sport und Naturerfahrung/Umweltbildung sowie die Unterstützung der psychischen und körperlichen Gesundheit. „Sie fördert das nachbarschaftliche Miteinander und die Integration sozialer und kultureller Milieus, sowie die ortsnahe Produktion von Lebensmitteln, wie die vielen neuen Initiativen unter anderem der ,urban-gardening‘ Bewegung zeigen. Natur spielt eine große Rolle bei der Bewertung der Attraktivität einer Stadt und wirkt sich als Standortfaktor positiv auf die wirtschaftliche Entwicklung aus. Insgesamt erhöhen sich durch mehr Grün in der Stadt die Lebensqualität und das Wohlbefinden“, sagte Professorin Jessel. In einem derzeit vom BfN durchgeführten Forschungsprojekt „Naturkapital Deutschland“ werden diese Ökosystemleistungen der Stadtnatur systematisiert und qualitativ sowie monetär bewertet. Die besondere Bedeutung des Stadtgrüns wurde auch im Grünbuch des Bundesumweltministeriums beschrieben, dem sich unter Beteiligung des BfN derzeit die Erarbeitung des Weißbuches „Grün in der Stadt“ anschließt. Es soll im Frühjahr 2017 vorgestellt werden. bi