Bauma 2016: Fahrzeug-Innovationen und neue Trends

MÜNCHEN/KIEL, 23.03.2016 – In ihren Vorankündigungen versprechen die Fahrzeughersteller unisono mehr Effizienz. Nicht überall steht Fahr- und Bedienkomfort auf der Agenda. Und so manche Neuheit erschließt sich erst bei näherem Hinsehen.

von Wolfgang Tschakert

Mercedes Benz-Kipper mit HAD-Antrieb
Hydraulische Zusatzantriebe ersetzen den Allradantrieb: auch beim Marktführer Mercedes-Benz soll der HAD-Antrieb eine wichtige Rolle spielen.
Keine Frage: Auf der Bauma 2016 dreht sich vieles um Nutzfahrzeuge. Die Lastenträger gehören zur Grundausstattung eines jeden Baubetriebs, sie liefern Baustoffe an und transportieren den Aushub zur Deponie. Und wie sonst kommen die Baumaschinen zur Baustelle? Große schwere und flinke kleine Nutzfahrzeuge leisten im Baugewerbe wertvolle Dienste, kombiniert mit teils komplexen Aufbauten und Arbeitsgeräten.
Just in time zur Bauma 2016 meint es die Konjunktur gut mit der Nutzfahrzeugindustrie. Beinahe jeder Anbieter spricht von guter Auslastung, die Lieferzeiten werden wieder länger. Und ob das Welt-Bau-Ereignis des Jahres auch eine Fahrzeugmesse von Rang ist, hat so mancher Lkw-Hersteller kontrovers diskutiert. DAF und Renault Trucks bleiben jedenfalls fern, was aber den Erfolg der Messe nur wenig tangiert. Manche Marke beschränkt sich mit ihrem Präsentationsaufwand auf das Notwendigste, die Baukunden werden sich ihren Reim darauf machen. Und kleine Nutzfahrzeuge, wie sie die Baubranche braucht, findet man ohnehin nur bei Daimler. Was immer wieder verwundert, gilt doch die Bauwirtschaft als wichtiger Abnehmer für Transporter und Lieferwagen. Dazu passt auch das Gerücht aus Hannover: Wie schon zur letzten Bauma (2013) soll es wieder einen Volkswagen-Stand geben. Nur klein und bescheiden, aber unabhängig von den beiden Lkw-Marken des Konzerns. Die Norddeutschen möchten hier weder MAN noch Scania den Vorzug geben.
MAN D38
Mehr Leistung und Komfort: MAN setzt auf seinen großen D38-Sechszylinder und die geräumige TGX-Kabine.

Euro 6 abgehakt

Bei einem Thema sind sich die Lkw-Hersteller einig: Die Einführung der Euro 6-Abgasgrenzwerte gilt als abgehakt. Da und dort geht es bereits um die zweite Motorengeneration, die Euro-6-sauber verbrennt und noch sparsamer mit dem Kraftstoff umgeht. Wenngleich die Diskussion durch die niedrigen Dieselpreise konterkariert wird, über alternative Antriebe wird kaum noch gesprochen. Richtig innovativ zeigen sich nur wenige Lkw-Marken, meist wird bekannt-bewährte Hardware gezeigt. Richtungsweisende Lkw-Technik findet man beim schwedischen Anbieter Volvo Trucks. Viele technische Lösungen dienen nicht nur der Effizienz, sondern auch dem  Komfort der Fahrer. Zunehmend im Trend: Die hydraulischen Hilfsantriebe an der Lkw-Vorderachse für gelegentliche Offroad-Etappen, die mechanische 4x4-Lösungen für Sattelzüge in den Schatten stellen. In diesem Zusammenhang lässt die Premiere des Achsspezialisten SAF aufhorchen: Der zur Bauma präsentierte Hydroantrieb an der Trailerachse könnte dazu eine willkommene Alternative sein.

Volvo FH500
Und noch ein Trend: Mehr Komfort und Effizienz durch moderne Fahrzeugtechnik, wie sie der Volvo FH500 mit Doppelkupplungsgetriebe bietet.

Neue mittelschwere Lkw in Sicht?

Und noch ein Trend treibt die Lkw-Hersteller um. Wie wird sich wohl die Nachfrage nach mittelschweren Lkw entwickeln? Die „neue“ Mautregelung in Deutschland stellt seit Herbst 2015 alle Lkw ab 7,5 Tonnen kostenpflichtig. Mit der Folge: Neue attraktive Mittelschwere braucht das Land – werden wir schon zur Bauma passende Lösungen sehen?
Bei den Trailer- und Aufbauherstellern geht es wie immer um Nutzlast und Gewicht. Die großen Marken bieten modulare Plattformen auf, um kundenindividuelle Lösungen kostengünstig anbieten zu können. Und wie immer, wenn sich ein neuer Transportstandard ankündigt, will jeder vom Start weg teilhaben. Das Topthema bei den Kipper-Anbietern heißt Asphaltkipper und bedeutet eine weitere Spezialisierung der Baulogistik. Den Anstoß gab das bundesdeutsche Ministerium für Verkehr und Infrastruktur, das ab 2016 isolierte Transportfahrzeuge für die Belieferung von Autobahn- und Bundesstraßenprojekten mit Asphalt vorschreibt. Für die Entwicklung sinnvoller Temperatur-Messvorrichtungen arbeiten, wie man hört, maßgebliche Fahrzeughersteller zusammen. Denn ab 2017 wird ein Messverfahren verbindlich vorgeschrieben – was auf Bautransporteure und die Straßenbauer zukommt, kann man auf der Bauma schon sehen.
Wielton Thermokipper

Die Bauvorschriften verlangen nach neuen Transportlösungen: Mit Thermokippern für den Asphalttransport wird der Baustoff qualitätskonform angeliefert.

Ferngesteuert und überwacht mit Apps

Natürlich spielen auch die Digitalisierung und Connectivity eine wichtige Rolle, wenn es um Aufbaufunktionalitäten geht. Smartphones, Tablets und Apps entwickeln sich mit WLAN-Anbindungen zu Fernbedienungen und Steuergeräten. So kann sich der Kipperfahrer fernab von Waagen die Achslasten oder die Reifendrücke anzeigen lassen. Eine Applikation warnt den Fahrer, wenn der Kippsattelzug nicht gestreckt steht, oder wenn der zulässige Neigungswinkel überschritten ist. Vieles ist möglich, die Begeisterung der Anbieter ist groß. Daneben präferieren andere die klassische Fernbedienung mit Bluetooth-Technik, sie schätzen den Baueinsatz zu rau und zu grob für Filigrantechnik ein. 
Abschließend soll ein Trend nicht verschwiegen werden: Die Bauma 2016 ist im Vergleich zu 2013 nochmals größer, gutes und belastbares Schuhwerk ist Pflicht! Die Nutzfahrzeug-Exponate stehen verteilt über weitläufige Hallen und Freigelände.