UPDATE: Avant Techno: Bezahlbare Elektro-Power aus Finnland

EPPERTSHAUSEN, 31.03.2016 – Für gewöhnlich sind elektrisch betriebene Baumaschinen deutlich teurer in der Anschaffung als konventionell betriebene. Nicht so der elektrische Multifunktionslader von Avant Techno, der nicht teuerer angeboten werden soll, als sein Dieselpendant. Vorgestellt wird er auf der bauma 2016 in München.

Von Erwin Bauer, Heideck

Avant Werk in Finnland
Das Avant-Werk in Ylöjärvibei expandiert. | Fotos: Avant
Bei der Neuheitenvorstellung für die europäische Fachpresse im Werk Ylöjärvibei Tampere war der Avant mit Elektroantrieb eindeutig der Star unter den zahlreichen interessanten Neuheiten, die der finnische Hersteller auf der bauma zeigen wird. Der fundamentale Unterschied zu den anderen mit Verbrennungsmotoren betriebenen Arbeitsmaschinen ließ sich sofort sinnlich wahrnehmen. Geruchlos und leise schwebte der neue komplett elektrisch angetriebene Avant e5 auf die Bühne. "Wir verwenden für unseren ersten Elektrolader bewährte Batterietechnik, die in vielen professionellen Bereichen bereits seit Langem im Einsatz ist. Der Avant e5 wird nicht mehr kosten, als der vergleichbare Avant 528. Dabei hat der Elektrolader annähernd dieselben Leistungsdaten wie das Dieselgerät. Die Hauptkundengruppen für die abgasfreie, leise und im Betrieb sparsame Maschine sehen wir in den Bereichen Pferdestallungen, Abbruch, Hochbau, Viehzucht und Industrie," erklärte Verkaufsleiter und Mitgesellschafter Käkelä auf der Pressekonferenz.
Bi-GaLaBau-Redakteur Erwin Bauer testet den neuen Multifunktionslader von Avant
Testfahrt mit dem Avant e5 in Finnland. "Der neue Elektro-Avant lässt sich feinfühlig steuern und entwickelt enorme Schubkräfte," so der erste Eindruck von Erwin Bauer.

Leistung mehr als ausreichend

Der Lader wird von zwei separaten Elektromotoren angetrieben: Ein 6 kW-Motor dient für den Fahrantrieb, ein zweiter 2 kW-Motor bringt die Kraft für Ausleger und Zusatzhydraulik. Der Avant e5 verfügt über eine Hydraulikleistung von 30 Litern/Minute, was für viele Avant-Anbaugeräte wie Hydraulikhammer oder diverse Greifer vollkommen ausreichend sei. Seine Blei-Säure-Batterie mit einer Leistung von 201 Ah (ca. 10 kWh) kann über ein integriertes Ladegerät an jeder herkömmlichen 230 Volt-Steckdose aufgeladen werden. Die Ladezeit bis zur vollständigen Aufladung beträgt rund fünf Stunden. In drei Stunden Ladezeit seien rund 80% der Batteriekapazität wieder erreicht. Der Clou: Bei energieintensiven Tätigkeiten, beispielsweise beim Indoor-Einsatz mit einem hydraulischen Anbau-Hammer, könne die Batterie sogar während der Arbeit aufgeladen werden. Für den serienreifen Elektrolader soll zudem ein kompletter Wechselbatteriepack mit separatem Ladegerät angeboten werden.
Die Einsatzdauer des "e5" hänge stark von den jeweiligen Tätigkeiten ab, die damit ausgeführt werden, wie Jani Käkela weiter erläuterte. So können bei schweren Arbeiten mit Anbaugeräten, die besonders viel Schubkraft oder hohe hydraulische Leistungen beanspruchen, zwischen 45 Minuten und einer Stunde mit einer Batterieladung gearbeitet werden. Für Arbeiten, die weniger Schub- und Hydraulikkräfte benötigten, steige die maximale Einsatzzeit pro Batterieladung auf bis zu vier Stunden. Für leichte Transport- und Hebetätigkeiten und wenig oder gar keine Benutzung der Zusatzhydraulik könne der Benutzer mit bis zu fünf Stunden Einsatzdauer pro Batterieladung rechnen. Das reiche aber für viele der genannten Einsatzbereiche aus. Natürlich beobachte man die Entwicklung der Akkutechnologie intensiv. So sei es natürlich  denkbar, dass künftige Modellversionen mit entsprechend leistungsfähigeren, stabilen und bezahlbaren Lithium-Ionen-Akkus ausgestattet werden. Einen Einstieg in das Thema Elektromobilität bei Multifunktionsladern habe man mit dem Avant e5 gewagt und sei auch davon überzeugt, dass darin die Zukunft liege. Nach der Premiere des Prototyps auf der bauma 2016 in München und weiterer anschließender Testreihen soll die Serienproduktion Anfang 2017 beginnen.

Multikupplung des Multifunktionsladers
Jetzt sind alle Avant Multifunktionslader mit einer Multikupplung ausgestattet.

Produktionsgelände wird sukkzessive ausgebaut

Entsprechende Produktionskapazitäten dafür wurden bereits geschaffen. So wurde das benachbarte 44.000 qm große Grundstück mit dem ehemaligen Industriekomplex der Pilkinton NSG erworben. "Wir waren in einer Situation, in der wir unsere Räumlichkeiten auf jeden Fall erweitern mussten. Für einige unserer Arbeitsgebiete wurden die vorhandenen Anlagen einfach zu klein. Dieser Immobilienkauf ermöglicht es uns, Teile unseres Betriebs schnell und ohne größere Verzögerungen für die Produktion zu verlegen und Platz für Neues zu schaffen”, sagt Jani Käkelä. Wöchentlich verlassen rund 80 Multifunktionslader aller Serien und pro Jahr rund 4.000 allradangetriebene Multifunktionslader das Band. Von der Blechbearbeitung über das Schweißen bis zur Lackierung werden in moderner Fabrikation viele Schritte bereits vollautomatisch von Robotern erledigt. Nur noch einzelne Bearbeitungsschritte in der Blechbearbeitung sowie die Montage werden noch manuell ausgeführt. Die Erweiterung des Betriebsgeländes kommt auch der Tochtergesellschaft Leguan Lifts Oy zugute, die geländegängige Raupen-Arbeitsbühnen mit Elektro- bzw. Dieselmotoren in drei Modellreihen bis Arbeitshöhen von 16,4 m produziert. Der Umsatz des Unternehmens mit seinen 200 Mitarbeitern belief sich im vergangen Geschäftsjahr inklusive Leguan-Tochterunternehmen erstmals auf über 100 Millionen Euro.

der Avant elektromultifunktionslader bei der Arbeit
Dank seiner leistungsfähigen Zusatzhydraulik kann der neue kleine Avant auch mit schweren Anbaugeräten eingesetzt werden.

Neue 200er-Serie mit erstaunlichen Leistungszuwächsen

Eine weitere Avant-Neuheit, die auf der bauma erstmals gezeigt wird, betrifft die kleinste Modellreihe 200, die für leichte professionelle Arbeiten ausgelegt ist. Der neue Avant 220 (690 kg) bietet neben einem schnittigeren Design insbesondere mehr Beinfreiheit für den Fahrer und eine verbesserte Stabilität. Die hydraulische Multikupplung ist nunmehr Standard für alle Lader des Herstellers. "Die hydraulische Verbindung vom Anbaugerät zum Lader der 200er Serie ist jetzt die gleiche, wie bei unseren 300 bis 700er Serien. Die steckerartig zusammengefassten Hydraulikanschlüsse der Anbaugeräte lassen sich mit einem einzigen Handgriff mit dem Multikupplungssystem verbinden," erläutert Jani Käkelä. Der neue Avant 225 (710 kg) ist nur wenige Zentimeter höher, breiter und länger als der bisherige Avant 220 (620 kg). Er hat dieselbe Hubkraft von 350 kg, aber seine Hydraulikleistung wurde von 29 l/min auf 50 l/min erhöht. Das neue Modell wird von einem Kohler EFI Benzinmotor (18,6 kW) mit elektronischer Einspritzung und rund 25% Kraftstoffersparnis gegenüber herkömmlichen Vergasermotoren angetrieben. Das dritte neue Modell der 200er Serie, der 225 LPG, wird mit Propangas betrieben. Es soll im Laufe des zweiten Halbjahres 2016 auf den Markt kommen. Der neue Avant mit Gasmotor ist aufgrund seines reduzierten Schadstoffausstoßes insbesondere für Indoor-Einsätze etwa bei der Sanierung oder im Abbruch prädestiniert.
Die Multifunktion ist die Kernkompetenz des finnischen Herstellers. Für die sechs Avant-Baureihen werden inzwischen über 150 verschiedene Anbaugeräte angeboten. Speziell für den Garten- und Landschaftsbau sowie für kommunale Einsatzbereiche werden immer neue Problemlösungen entwickelt. Für jeden einzelnen Multifunktionslader gibt es 50 Optionen, die in den drei Avant-Niederlassungen in Deutschland (Eppertshausen), Großbritannien (Norwich) und in den USA (Chigaco) nach Kundenwunsch konfiguriert werden können.

Avant Tecno auf der bauma: Freigelände Mitte, Stand 615/3

Update 22.04.2016: Sehen Sie oben im Video, wie Erwin Bauer, Chefredakteur der bi-GaLaBau, Avant-CEO Jani Käkelä zum neuen Avant e5 ausfragt.