Hydraulisches Start-Stopp im Radlader

WILDESHAUSEN, 31.03.2016 – In aktuellen Automobilen ist es mittlerweile Standard, nun ist es auch im Baumaschinenbereich zu haben: das Start-Stopp-System. Atlas Weyhausen verspricht eine Reduzierung des Kraftstoffverbrauchs bis 12 %. Vorgestellt wird das System auf der bauma 2016. Allerdings gibt es einige bedeutende Unterschiede zu der zivilen Version.

Radlader von Atlas Weyhausen mit Start-Stopp-System
Als erstes Modell wird der Weycor Radlader AR 65e mit dem Start-Stopp-System erhältlich sein. |Foto: Atlas Weyhausen

Bei der Entwicklung habe man sich am bekannten Start-Stopp-System bei Automobilen orientiert, bei dem der Motor abgeschaltet wird, sobald das Fahrzeug zum Stillstand gekommen ist. Bei den Radladern sei jedoch zu berücksichtigen gewesen, dass diese nicht nur fahren, sondern besonders schwer arbeiten. Wenn kein Energiebedarf aus den Arbeits- und Fahrfunktionen des Radladers mehr besteht, könne der Dieselmotor abgeschaltet werden. Voraussetzung dafür sei eine ausreichende Kraftreserve, um den Motor wieder zu starten. Bei Automobilen wird klassisch mit dem Anlasser und Zahnkranz gestartet – was zu einem erhöhten Verschleiß führt. Um dies bei den Weycor-Radladern zu vermeiden, nutzt der Hersteller aus Wildeshausen die Kraft der Hydraulik.

Hydraulischer „Anlasser“

Dabei wird durch Systemoptimierung und elektronische Regelung die Überschussenergie aus dem Hydrauliksystem in einem Druckbehälter gespeichert. Der Ölstrom wird in den Druckspeicher (300 bar) geleitet, der mit dem Ausgleichsbehälter bei einer Heizungsanlage vergleichbar ist. Der Behälter ist mit einer Membran geteilt, eine Hälfte ist mit Stickstoff gefüllt. Wird nun der Ölstrom in den Speicher geleitet, steigt der Druck im Behälter, der Stickstoff wird komprimiert und der Energiegehalt steigt. Der Druckspeicher besteht aus lediglich drei Einheiten mit einem Volumen von je 0.75 l, was einer Wasserflasche entspricht.

Schneller Start

Ist der Radlader nun im Einsatz und wird eine definierte Zeit nicht genutzt oder belastet, schaltet der Motor automatisch ab, wenn über die Elektronik geprüft wurde, ob genügend Druck, sprich Energie im Druckspeicher vorhanden ist, um den Motor neu zu starten. Berührt der Fahrer den Joystick, ein Pedal, das Lenkrad oder steigt wieder in die Maschine ein, startet der Motor sofort. Dies geschieht wesentlich schneller als bei einer Beschleunigung von Leerlauf auf Vollgas oder auch als beim Start mit dem Schlüssel. Für den Neu-Start wird der Öldruck aus dem Druckspeicher auf die Axialkolbeneinheit geleitet und mit nur 1,5 Umdrehungen der Dieselmotor wieder gestartet.

Reduzierung des Kraftstoffverbrauchs

Mit über 150.000 Start-Stopp-Zyklen hat Atlas Weyhausen das System an seinen Radladern AR 65e und AR 75e erprobt und zur Serienreife gebracht. Die Anzahl der Zyklen entspricht in etwa den klassischen Starts und Stopps während eines Zeitraums von zehn Jahren. Ein wesentlicher Punkt jedoch ist, dass die Arbeit mit dem Radlader nicht beeinträchtigt wird. Der Fahrer merkt vom Stillstand des Motors nichts  – außer, dass er keine Motorgeräusche mehr hört. Die Reduzierung des Kraftstoffverbrauches errechnet sich aus der Tatsache, dass nach Aussagen vieler Betreiber Kompaktradlader in ihrem Lebenszyklus ca. 1/3 der Betriebsstunden im Leerlauf aufbauen. Wenn also ein Radlader in 10 Jahren ca. 10.000 Betriebsstunden ansammelt, entfallen auf den Leerlauf allein 3.000 bis 3.500 Stunden. Im Leerlauf benötigt ein moderner Dieselmotor in einem Kompaktradlader ca. 2,0 bis 2,2 Liter in der Betriebsstunde. Damit können durch die Start-Stopp-Funktion in 10 Jahren 6.000 bis 7.500 Liter Diesel eingespart werden. Der Serienstart für die Start-Stopp-Komponente, die nicht nachgerüstet werden kann, ist für März 2016 vorgesehen. bi

Atlas Weyhausen auf der bauma: Freigelände Mitte, Stand 808