Straßenbauer
Die Beschäftigten des Bauhauptgewerbes müssen auf ein Ergebnis in der diesjährigen Tarifrunde weiter warten. | Foto: ZDB

Bau-Tarifrunde:

Gewerkschaft empört über Arbeitgeber-Angebot

BERLIN, 06.04.2016 - In der Tarifrunde für das Bauhauptgewerbe gibt es keine Annäherung. Die Industriegewerkschaft Bauen-Agrar-Umwelt und die beiden Arbeitgeberverbände Hauptverband der Deutschen Bauindustrie und Zentralverband des Deutschen Baugewerbes trennten sich am 5. April ohne Ergebnis.

„Wir haben der Gewerkschaft ein Angebot für den Lohn- und Gehaltstarifvertrag bei zwei Jahren Laufzeit mit einer Lohn- und Gehalterhöhung ab 1. Juni 2016 und 1. Juni 2017 von jeweils 1,3 Prozent im Westen und 2,0 Prozent im Osten unterbreitet“, sagte der Verhandlungsführer der Arbeitgeber, Frank Dupré, Vizepräsident des Zentralverbands des Deutschen Baugewerbes. „Dies führt in Anbetracht der äußerst geringen Inflationsrate zu einem realen Einkommenszuwachs.” Als Grund für das verhältnismäßig niedrige Angebot – die Gewerkschaft fordert eine Lohnerhöhung von 5,9 Prozent - nannte Dupré erneut die nach wie vor niedrigen Umsatzrenditen. Sie eröffneten „keinen höheren Verteilungsspielraum“, so Dupré.

Gewerkschaft fühlt sich provoziert

„Das Angebot der Arbeitgeber ist eine Provokation für die Beschäftigten“, sagte der Stellvertretende IG Bau-Bundesvorsitzende und Verhandlungsführer Dietmar Schäfers. „Die Bauwirtschaft brummt. Bauarbeiter erleben das jeden Tag auf den Baustellen, und die Arbeitgeber brüsten sich sogar selbst mit wachsenden Umsatzerwartungen. Beschäftigte in dieser Situation mit Almosen abspeisen zu wollen, ist eine Zumutung.“
Ein weiterer Schwerpunkt der Gespräche war zudem die Kostenübernahme für Auszubildende im Rahmen ihrer Berufsschulausbildung. Für sie fordert die IG Bau monatlich hundert Euro je Ausbildungsjahr mehr und die Übernahme der Fahrt- und Übernachtungskosten im Zusammenhang mit ihrem Berufsschulunterricht. Die Arbeitgeber haben stattdessen eine pauschale Erhöhung der Ausbildungsvergütung in Aussicht gestellt, die nach den Ausbildungsjahren gestaffelt werden soll. „Es ist enttäuschend, dass ausgerechnet für den Nachwuchs bei den Arbeitgebern kein ernsthafter Wille zu erkennen ist, die Kosten im Rahmen des Berufsschulunterrichts zu übernehmen“, sagte Schäfers. „Das belastet die jungen Menschen und trägt nicht dazu bei, dass die Branche für sie attraktiver wird.“
Leichter scheinen sich die Verhandlungspartner mit einer neuen Unterkunftsregelung für auswärtige Baustellen zu tun. Danach sollen die Betriebe künftig verpflichtet werden, die Unterkünfte bereitzustellen und zu bezahlen.

Die nächste Verhandlungsrunde findet am 25. April in Frankfurt am Main statt. bb