Pflasterfugen innovativ verfestigen

MARKTHEIDENFELD, 13.04.2016 – Innerstädtisches Pflaster ist ausgesprochen wartungsintensiv, vor allem die Fugen müssen oft mehrmals jährlich erneuert werden. Dieses Zeit- und auch kostenintensive Problem könnte schon bald der Vergangenheit angehören.

Von Dipl.-Ing. (FH) Guido Schilling, Memmingen

sanierte Pflasterfugen in Marktheidenfeld
Die Pflasterfugen am Busbahnhof in Marktheidenfeld wurden erfolgreich mit dem innovativen Fugensand StaLok WA saniert. | Foto: G. Schilling

Ständiger Materialverlust bei innerstädtischen Pflasterfugen ist keine Seltenheit, vor allem wenn es um befahrene Flächen geht. Viele Kommunen müssen ein- bis mehrmals pro Jahr mit Sand oder Splitt nachfugen, um die Standfestigkeit und Begehbarkeit ihrer Beläge zu erhalten – das kostet Geld und häufig auch einige Nerven im Bauamt oder Bauhof. Diese Situation wollte Thorsten Preis, Bauhofleiter in Marktheidenfeld bei Würzburg, Anfang 2015 ändern. Nach eingehender Information entschloss er sich, die „Problemfugen“ am Granitpflaster des städtischen Busbahnhofes mit dem Fugensand StaLok WA zu sanieren. Dieser Spezialsand wird durch ein Psyllium-Polymer-Bindemittel verfestigt, ohne jedoch auszuhärten. Somit bleibt er anpassungs- und regenerationsfähig, was bei ungebundenen Pflasterbelägen eine wichtige Voraussetzung ist.

Schnelle und saubere Verarbeitung

Um das Material zu testen, wurde in den Osterferien 2015 zunächst nur eine der drei Fahr- und Haltespuren bearbeitet. Die Ausführung nahm der Bauhof komplett selbst in die Hand. Nach einer groben Säuberung mit der Kehrmaschine und stellenweiser Nachvertiefung der Altfuge hatte man die gewünschte Fugentiefe von 2,5-3 cm erreicht. Nun musste der in BigBags zugelieferte StaLok-Fugensand mit Wasser zu einer Schlämme vermischt und gleichmäßig ausgebracht werden. Um diesen Ablauf zu optimieren, ließ Thorsten Preis das komplette Material kurzerhand im Lkw-Fahrmischer statt im kleinen Betonmischer anmischen, was eine extrem schnelle und saubere Verarbeitung ermöglichte. Der nötige Wasseranteil für die breiige Konsistenz wurde vorher an Kleinmengen ermittelt und konnte auch während des Mischens und des Einfugens per Gummischieber noch nachjustiert werden.

Einbringen des speziellen Pflasterfugensands
Der Fugenmix aus Stabilizer- und StaLok WA-Fugensanden wurde mit dem Lkw-Fahrmischer gemischt, verteilt und mit Gummischiebern eingearbeitet. | Foto: T. Preis

Fünf Tonnen in zwei Tagen

Nach nur zwei Tagen hatte der Bauhof ca. 450 qm Pflasterbelag mit 5 Tonnen Fugenmaterial fertig gestellt. Da die Fuge sich sehr gut bewährte, wurden weitere ca. 900 qm des Busbahnhofes ein halbes Jahr später in den Herbstferien saniert - somit hatte man in zwei kompakten Arbeitsgängen den Großteil des Platzes erfolgreich bearbeitet.
Ein weiterer Vorteil: beim Produkt StaLok WA ist keine Nachbehandlung oder aufwändige Säuberung notwendig. Deshalb mussten die Teilflächen jeweils nur noch bis zur Antrocknung der Fuge (1-2 Tage) gesperrt bleiben, eine Befahrung im Schritttempo war sogar kurz nach dem Einfugen schon möglich.

Positives Fazit

Der Bauhofleiter ist zufrieden: „Wir haben nun eine standfeste, widerstandsfähige und saubere Fuge, die für uns eine erhebliche Pflegeerleichterung darstellt,“ meint Thorsten Preis. Bezüglich der Pflege wissen seine Mitarbeiter, dass hier ein zurückhaltender Kehrmaschineneinsatz gefragt ist, mit wenig Anpressdruck und geringer Saugleistung. Dieses positive Beispiel zeigt, dass eine effektive Verbesserung der häufig anzutreffenden innerstädtischen Fugenproblematik mit guter Vorabstimmung, dem richtigen Material und einer intelligenten Ausführung durchaus möglich ist.

Zum Autor

Dipl.-Ing. (FH) Guido Schilling ist Mitarbeiter bei der Hermann Kutter GmbH & Co. KG in Memmingen und Berater für Stabilizer und HanseGrand.

Materialbeschreibung

Bei Stabilizer- bzw. StaLok WA-Fugensanden handelt es sich um spezielle Hartgesteins-Brechsande, Körnung 0/2, mit einer exakt abgestimmten Körnungslinie, einbaufertig vermischt mit den Bindemitteln Stabilizer (Psyllium) bzw. StaLok WA (Psyllium + Polymerfasern). Psyllium (Plantago ovata) ist eine Pflanzenart aus der Gattung der Wegeriche und in den Wüstengebieten Nordafrikas sowie Südwestasiens heimisch. Die Produkte führen im Vergleich zum herkömmlichen Endverfugen mit Sand zu einem widerstandsfähigeren Fugenverschluss, ohne jedoch starr zu werden. Stabilizer wie auch StaLok WA sind komplett ungiftig und können überall eingesetzt werden. Als Fugensandprodukt gelten beide als inerter Baustoff (vgl. EU-Sicherheitsdatenblatt).