Corthum-Fachseminar: Stadtbäume richtig wässern und düngen

MARXZELL, 18.04.2016 – In der Vergangenheit wurden innerstädtische Baumpflanzungen häufig etwas stiefmütterlich behandelt. Besonders bei der Wässerung und Düngung von Bäumen gibt es einiges zu beachten. Prof. Dr. Roth-Kleyer sprach auf dem Corthum-Fachseminar 2016 über die wichtigsten Aspekte.

Von Petra Reidel

Referent Prof. Dr. Stephan Roth-Kleyer auf dem Corthum-Fachseminar 2016
Prof. Roth-Kleyer bevorzugt bei Gießrändern Kunststoffringe, denn hier ist der häufige Fehler, dass der Gießrand später auf die Baumscheibe geschoben wird und der Baum dann eigentlich zu tief sitzt, ausgeschlossen. | Foto: Roth-Kleyer

Im Juni 2015 sind sie endlich erschienen, die neuen FLL-Empfehlungen für Baumpflanzungen, Teil 1. „Eigentlich waren die Arbeiten hierfür schon im Jahr 2012 abgeschlossen, doch die 271 Einsprüche und drei Einspruchssitzungen zeigten, dass es sich hier um ein durchaus interessantes Regelwerk für die Branche handelt", erläuterte Professor Dr. Stephan Roth-Kleyer, der an der Hochschule Geisenheim University Vegetationstechnik in der gesamten Breite im Studiengang Landschaftsarchitektur lehrt. Das große Ziel, die ZTV Vegtra-Mü in dieses Regelwerk einzubinden, ist dabei leider nicht gelungen, was Roth-Kleyer sehr bedauert. Die durchschnittliche Lebenserwartung eines Baumes in der Stadt beträgt laut dem deutschen Städtetag circa 30 Jahre, das ist nicht besonders lang. Durch zusätzlichen Wurzelraum und grobkörnige Baumsubstrate, die trotz der zu erwartenden oder auch notwendigen Verdichtung genügend Luft und Wasser vorhalten, gelingt es, diesen nach DIN 18916 nur 12 Kubikmeter großen und unnatürlichen Lebensraum zu verbessern. „Werden Sie als Planer und Landschaftsgärtner bitte sehr kompromisslos in Sachen Baum. Sagen Sie lieber ein deutliches 'Nein', wenn der Tiefbau anfängt, für seine Belange zu verhandeln, für den Baum nicht mehr hinreichend Wurzelraum bleibt und dies nicht zuletzt aus Gewährleistungsgründen", so Roth-Kleyer.

Richtiges Verpflanzen

Gegen den Kapillarbruch, der gerne bei lehmigen Ballen eintritt, aber auch zwischen Baumgrubenwand, Baumgrubensohle und Substrat auftritt, hilft nur das Verzahnen. Ringelwurzeln von Containerpflanzen gehören aufgeschnitten, um den sogenannten Blumentopfeffekt zu verhindern. „So tief wie der Baum in der Baumschule gestanden hat, muss er auch wieder gepflanzt werden. Die FLL empfiehlt sogar 10 Zentimeter höher wegen der zu erwartenden Sackung und auch, um hierdurch Fehler, wie beispielsweise das Mulchen mit Kies oder anderen Materialien, abzumildern", erklärt der Experte. Gießränder befinden sich laut Roth-Kleyer häufig viel zu weit außen, so dass das Wasser komplett am Ballen vorbeifließt. Ein Gießrand, der seine Funktion erfüllt, ist so eng wie der Ballen breit ist. „Schiebt man dann am Ende der Entwicklungspflege den Gießrand Richtung Baum, sitzt dieser wieder viel zu tief", gibt Roth-Kleyer zu bedenken, der aus diesem Grund Kunststoffränder bevorzugt.

Bewässerungspraktik aus den USA
In den USA werden gerne "Wassersäcke"
eingesetzt. Diese geben, einmal gefüllt,
durch Öffnungen am Boden das Wasser
langsam an den Wurzelraum ab.
| Foto: Roth-Kleyer

Düngung empfehlenswert

Für eine artgerechte Pflanzenentwicklung empfiehlt der Professor dringend die Düngung dieser Baumstandorte. Hierfür ist eine gezielte Nährstoffuntersuchung notwendig, wie sie zum Beispiel an den Landwirtschaftlichen Untersuchungs- und Forschungsanstalten im Land durchgeführt wird. Moderne Baumsubstrate enthalten nur geringe Mengen an Ton-Humuskomplexen und stellen somit kaum Nährstoffe zur Verfügung. Die Empfehlungen einschlägiger Regelwerke zum Thema Düngung sind, so überhaupt vorhanden, sehr allgemein gehalten und helfen im Anwendungsfall nicht wirklich weiter. Für die Anfangsentwicklung wird die Startdüngung in die Verfüllung des Pflanzloches eingearbeitet. Weitere Düngemaßnahmen hängen vom vorhandenen Nährstoffgehalt ab und sind auf den Standort und die Pflanze abzustimmen.

Bewässerung

Neben der Nahrung ist das Wasser ein weiterer begrenzender Wuchsfaktor. Immer häufiger glänzt das Frühjahr mit wochenlanger Trockenheit, was zu viel früheren Gießzyklen führen muss. Für einen Großbaum werden im ersten Jahr bis zu 20 Bewässerungsgänge, im zweiten Jahr bis zu 15 und im dritten und vierten Jahr bis zu 10 empfohlen. Hier gibt Roth-Kleyer schmunzelnd zu bedenken, dass die ZTV-Großbaum bereits Bäume mit einem Durchmesser von knapp 10 Zentimeter als Großbäume bezeichnet. Die von Roth-Kleyer errechneten Aufwandsmengen richten sich nach dem Stammumfang und liegen beispielsweise bei 30 bis 50 Zentimetern in der Regel bei 200 bis 300 Litern, bei extrem trockener Wetterlage bei bis zu 500 Litern. Abgerechnet werden die tatsächlich ausgeführten Arbeiten.