Schlauchlinertag und Reparaturtag: An einem Ort vereint

KASSEL, 18.04.2016 – Beide Foren sind Branchenhighlights, in diesem Jahr finden sie erstmals an einem Ort statt: Am 26. April öffnet das Kongress Palais in Kassel seine Tore für den 14. Deutschen Schlauchlinertag, am nächsten Tag steht der Veranstaltungsort im Zeichen des 5. Deutschen Reparaturtages.

Fräsroboter MicroGator
Der MicroGator ist ein elektrischer Fräsroboter für den Einsatz in Rohren ab DN 200 (insbesondere in Schlauchliner-sanierten oder durch Muffenversätze verengten Rohren). | Foto: IBAK Robotics GmbH
Einzug eines Schlauchliners
Sicher, sauber, schnell: Der Einzug eines Schlauchliners ist
eine wirtschaftliche und technisch nachhaltige Sanierungs-
lösung für Hauptkanal, Hausanschluss und Grundleitung. | Foto:
Rainer Kiel Kanalsanierung GmbH

Begleitet werden die breitgefächerten Programme der beiden Veranstaltungen traditionell von Fachausstellungen. Ebenfalls wieder fester Bestandteil des zweitägigen Kongresses sind die Außenvorführungen, die auch im vergangenen Jahr zu den Publikumsrennern gehörten. In der Zusammenführung der beiden Veranstaltungen sehen die Veranstalter eine Reihe von Vorteilen. Diese sind nicht nur organisatorischer Natur, da es durchaus Schnittmengen zwischen den Themen von Schlauchliner- und Reparaturtag gibt.

Standardlösung gibt es nicht

Die Spannbreite erprobter und bewährter Verfahren ist groß; die Standardlösung für jeden Fall, die man bei Bedarf einfach aus der Schublade ziehen kann, gibt es allerdings nicht. In der Regel ist das gewünschte Sanierungsergebnis das Resultat vorausschauender Planung. Bei den gängigen Sanierungs- und Reparaturverfahren handelt es sich um etablierte Verfahren mit ausgereiften Produkten, das Schlauchlining hat ebenso längst seinen Platz gefunden wie manche Reparaturtechniken. Sanierung oder Reparatur? „Letztlich lassen sich beide Optionen nicht getrennt voneinander betrachten“, meint Dr. Borovsky. „Wer sich mit dem Thema Kanalinfrastruktur beschäftigt, muss sich mit der gesamten Bandbreite der möglichen Optionen beschäftigen und über dementsprechende Fachkenntnisse verfügen. Allein schon aus diesem Grund dürfte sich der Besuch der kombinierten Veranstaltung lohnen.“

Mehr als eine reine Informationsbörse

Der Deutsche Schlauchlinertag ist der Branchentreff, auf dem aktuelle Entwicklungen vorgestellt werden – und das nicht nur in Wort und Bild, sondern inzwischen teils auch in Form praxisnaher Demonstrationen. Dank aktueller und interessanter Themen sowie hochkarätigen Referenten genießt der Deutsche Schlauchlinertag einen ausgezeichneten Ruf als die führende Fachveranstaltung, auf der auch kritische Töne nicht auf taube Ohren stoßen – ein Umstand, der dazu beigetragen hat, dass das Verfahren in der Vergangenheit immer weiter verbessert werden konnte, und dass der Schlauchliner sich in den letzten Jahren zu einem Standardprodukt entwickelt hat. Der Schlauchlinertag ist mehr als eine reine Informationsbörse – er ist ein Forum, von dem immer wieder wichtige Impulse für die Praxis ausgehen.

Theorie trifft Praxis

Auch in diesem Jahr haben Franz Hoppe, lange Jahre in verantwortlicher Position bei der Hamburger Stadtentwässerung tätig, und Dr.-Ing. Igor Borovsky von der Technischen Akademie Hannover gemeinsam mit den Sponsoren des Fachkongresses ein vielfältiges Tagungsprogramm auf die Beine gestellt. Dessen Spannbreite reicht von politischen und rechtlichen Inhalten über Aspekte der Qualitätssicherung bis hin zu technischen Fragestellungen und der Darstellung konkreter Fallbeispiele aus der Praxis. Längst ein integraler Bestandteil der Veranstaltung ist das Firmenforum der Sponsoren, in dessen Rahmen Hersteller und Anwender detailliert über technische Weiterentwicklungen in den Unternehmen berichten. Auch die moderierten Außenvorführungen laden Hersteller und Anwender zum intensiven Austausch ein. Der findet – und das ist charakteristisch für die Fachtagung – auf Augenhöhe statt: kritisch, offen, stets mit wachem Blick auf sämtliche Facetten eines Sanierungsverfahrens, bei dessen Anwendung durch den fachgerechten Einzug eines Schlauchliners in eine renovierungsbedürftige Leitung ein statisch tragfähiger, dichter und betriebssicherer Kanal entsteht.

Janssen Light ist ein Verfahren zum schnellen und dauerhaften Anbinden von Zuläufen an den Schlauchliner und dem Abdichten von undichten Muffen. | Foto: Subtech GmbH

Produkte, Verfahren und mehr

Wie in den Vorjahren werden Sponsoren und Unternehmen aus der Sanierungsbranche die Gelegenheit nutzen, Auftraggebern, Planern und Netzbetreibern ihre Dienstleistungen und Produkte zu präsentieren und ihren Beitrag zur aktuellen Diskussion rund um das Thema Schlauchliner zu leisten.
Im ersten von fünf Themenblöcken wird es um finanzielle Auswirkungen des Schlauchlinings sowie die Bedeutung des Verfahrens für die Substanzerhaltung der Kanalnetze gehen. „Wer sich mit dem Thema Renovierung befasst, muss sich Gedanken über Nutzungsdauern und Abschreibungszeiträume machen – und auch gefasst sein auf Fallstricke“, meint Schlauchlinertag-Initiator Hoppe. Mit Fallstricken besonderer Art befasst sich Themenblock II: Geschätzte 80% der Fehler geschehen schon in der Planungs- und Ausschreibungsphase – Ursache sind oft fehlende Fachkenntnis oder Zeitdruck.
Das Publikum des Schlauchlinertages besteht nicht nur aus Experten mit langjährigem Know-how – das parallel zu Themenblock II stattfindende Einsteigerforum ist die unmittelbare Reaktion der Veranstalter auf diese in den Vorjahren gewonnene Erkenntnis. Themenblock III steht dann ganz in im Zeichen der praxisnahen Anschauung: Im Rahmen moderierter Außenvorführungen können sich die Besucher des Kongresses anhand unterschiedlichster Anwendungsbeispiele mit eigenen Augen von den Vorteilen des Verfahrens überzeugen – fraglos ein echtes Highlight der Veranstaltung, das sicher auch in diesem Jahr großen Anklang finden wird.
Themenblock IV widmet sich ganz der speziellen Thematik der kleinen Durchmesser; zeitgleich mit Themenblock IV findet das Firmenforum statt.
Um „Materialentwicklung in kritischer Betrachtung“ geht es in Themenblock V. Hier wird es unter anderem um Unterschiede zwischen im Werk und vor Ort gefertigten Produkten sowie die Bedeutung gehen, die Materialkennwerte in diesem Zusammenhang gewinnen. Schließen wird auch die 14. Auflage des Schlauchlinertages mit der Gelegenheit zur Diskussion über die Frage „Quo vadis, Schlauchliner?“

Reparaturverfahren gemäß DIN-Einteilung

Die Frage, wohin die Reise geht, beschäftigt naturgemäß auch eine Veranstaltung wie den Reparaturtag. Vielleicht liegt darin der besondere Mehrwert der Zusammenlegung der beiden Foren. Das wünschen sich jedenfalls Organisator Borovsky und Michael Hippe, Vorsitzender des Vorstandes des Verbandes Zertifizierter Sanierungsberater für Entwässerungssysteme e.V. (VSB). Sowohl für Aussteller als auch Besucher sieht Hippe Vorteile, zumal Reparaturthemen auch auf der Agenda des Schlauchlinertages von jeher ihren festen Platz haben. „Das Programm des Reparaturtages folgt der Einteilung der Verfahren nach DIN“, erläutert Hippe die Gliederung der Themen, „die Einteilung erfolgt nach dem Wirkort der Reparatur“ – das sei eine konsequente Abfolge, die sich bewährt habe. Zudem folge die neue Einteilung auch dem, was im Zuge von Reparaturentscheidungen üblich sei. Auch hier frage man sich „Was mache ich jetzt – Ausbesserung, Auskleidung oder Injektion?“ Das sei im Bereich der Hausanschlusstechnik nicht anders: „Hier begegnen wir ebenfalls den Roboterverfahren, dem Hutprofil zur Auskleidung und auch Injektionsverfahren wie zum Beispiel dem Janßen-Verfahren“, so Hippe.

Die Quick-Lock Linerendmanschette wird zur Anbindung von Linersystemen an Rohre und Bauwerke eingesetzt. | Foto: Uhrig Kanaltechnik GmbH

Ausbesserung, Auskleidung, Injektion

Den thematischen Auftakt bildet der Einsatz der Robotertechnik als klassisches Ausbesserungsverfahren am Rohr, auch Stutzensanierung und Abzweigungen werden Thema sein. Unter dem Oberbegriff „Reparatur von Hand in Schächten und Großprofilen“ werden Parallelen und Unterschiede zur Robotertechnik aufgezeigt, zudem wird ein Vergleich zur klassischen Betonsanierung im Hoch- und Tiefbau gezogen. Den Schluss des Themenblocks Ausbesserung bilden Ausführungen zum Werkzeugeinsatz und den Voraussetzungen auf der Baustelle.
Im Anschluss stehen Auskleidungsverfahren mit Manschetten und Kurzlinern im Fokus. Unter der Überschrift „Dauerhafte Reparatur mit Kurzlinern“ werden unterschiedlichste Aspekte beleuchtet. Eine Risikoanalyse am Beispiel der Kurzliner gewährt Aufschluss über Fehlerquellen und deren Bewertung, beschäftigt sich mit „Risiken als Produkt von Eintrittswahrscheinlichkeit und Schadensausmaß“ und zeigt auf, welche Vorsorgen zur Risikooptimierung getroffen werden sollten. Zu guter Letzt stehen „Manschetten im Kanal und am Linerende“ auf dem Programm. Nach der Mittagspause schließen sich die moderierten Außenvorführungen an.
Schwerpunkte des letzten Vortragsblockes bilden Referate zur Wirkungsweise von Injektionen im Untergrund, Riss- und Muffeninjektionen bei Schächten und Großprofilen sowie Praxiserfahrungen mit der Injektionstechnik. Eindringverhalten und Bodenverfestigung werden genauer beleuchtet, ebenso wie die Wirkungsweise mit und ohne Grundwasser sowie das Langzeitverhalten unter Berücksichtigung von Bewegungen und Grundwasserschwankungen. Mit Blick auf die Reparatur von Schächten und Großprofilen werden die Vorbehandlung von Schadstellen, die Packerpositionierung und notwendige Vorarbeiten sowie Erfahrungen und Dauerhaftigkeit Thema sein.
Eine Podiumsdiskussion schließt das vielfältige Kongressprogramms mit seiner Mischung aus geballtem Vortrags-Know-how und praktischen Vorführungen ab. Hierbei sollen Vor- und Nachteile der drei Verfahrensgruppen ebenso erörtert werden wie die Frage, ob es einen Königsweg gibt und inwieweit der derzeitige Einsatz der Verfahren individuellen Vorlieben oder objektiven Kriterien genügt.

Einen ausführlichen Bericht lesen Sie in unserer aktuellen Ausgabe (2/16) der bi-UmweltBau.