Baustelle in Berlin

Auf der Baustelle Tarif im Baugewerbe steht zurzeit alles still. Auch die dritte Verhandlungsrunde brachte keinen Fortschritt. | Foto: ZDB

Tarifrunde Bau stockt nach zähen Verhandlungstagen

WIESBADEN, 27.04.2016 - Nach 36 Stunden Verhandlung in Wiesbaden ist auch die dritte Runde in den Tarifverhandlungen im Baugewerbe gestern ohne Ergebnis zu Ende gegangen. Nach harten Diskussionen trennten sich die Tarifpartner, ohne aufeinander zugegangen zu sein.

Die Gewerkschaft habe keine Bereitschaft gezeigt, die Verhandlungen fortzusetzen, nachdem die Arbeitgeberseite ein verbessertes Angebot gemacht habe, hieß es vom ZDB. Nach dem neuen Arbeitgeberangebot sollen die Löhne in den alten Bundesländern am 1. Juni 2016 um 1,3 % und am 1. Juni 2017 um 1,8 % und in den neuen Bundesländern zu den selben Zeitpunkten um 2,0 % und 2,5 % steigen. Darüber hinaus sei eine Unterkunftsgestellung und ein neuer Verpflegungszuschuss bei auswärtiger Übernachtung unter voller Ausschöpfung der steuerlichen Freibeträge (12 Euro für die Tage der An- und Abreise und 24 Euro für die übrigen Tage) angeboten worden, so der ZDB. ZDB-Vizepräsident und Verhandlungsführer der Arbeitgeber, Frank Dupré, sagte, damit sehe die Arbeitgeberseite wesentliche Forderungen der Gewerkschaft als erfüllt an.

Gewerkschaft: Arbeitgeber blockieren

Das sieht die Gewerkschaft anders. „Die Gespräche waren ungewöhnlich zäh. Die Arbeitgeber sind nicht bereit, sich auch nur einen Schritt vorwärts zu bewegen“, sagte der Stellvertretende IG Bau-Bundesvorsitzende und Verhandlungsführer Dietmar Schäfers. Die Arbeitgeber seien bei der Lohnhöhe für eine 12monatige Laufzeit beim Vorschlag aus der zweiten Verhandlungsrunde geblieben, die Forderungen nach Übernahme der Fahrt- und Übernachtungskosten im Rahmen der Ausbildung, der Wiedereinführung des Mindestlohns II im Osten und bezahlte arbeitsfreie Tage an Heiligabend und Silvester für Bauarbeiter hätten die Arbeitgeber zurückgewiesen. Beim Thema Unterkünfte seien die Vorstellungen der Arbeitgeber noch weit von denen der IG BAU entfernt.
„Diese Blockadehaltung macht mich fassungslos“, so Schäfers. „Der Bau boomt wie seit Jahren nicht mehr. Die Branche ist die Lokomotive der deutschen Wirtschaft, aber die Arbeitgeber gönnen den Beschäftigten nichts. Sie sollen kein bisschen von der hervorragenden Baukonjunktur profitieren. Das hat nichts mehr mit Fairness und Wertschätzung zu tun.“

Arbeitgeber: Gewerkschaft bewegt sich nicht

„Die Gewerkschaft ist immer noch nicht bereit, die deutlichen Reallohnsteigerungen, die sich aus unserem Angebot ergeben, anzuerkennen“, monierte Dupré. „Auch die erstmalige tarifliche Verpflichtung der Betriebe, ordnungsgemäße Unterkünfte auf den Baustellen bereit zu stellen und zu finanzieren, sehen wir als einen wichtigen Beitrag zur Steigerung der Attraktivität des Baugewerbes. Leider ist auch das von der Gewerkschaft noch nicht anerkannt worden.“

Die Verhandlungen werden am Dienstag, den 17. Mai im Raum Frankfurt/Wiesbaden fortgesetzt. bi