Einkaufszentrum: Eine Dämmplatte als Basis für alle Dachaufbauten

GLADBECK/BOCHUM, 11.05.2016 – Bei der Erweiterung und Modernisierung des Ruhr-Parks in Bochum waren rund 19.000 Quadratmeter Flachdach zu dämmen und abzudichten. Verschiedene Dämmvarianten auf den neuen und den alten Dächern wurden mit ein und derselben Dachplatte ausgeführt.

Baustelle Ruhrparkin  Bochum
Herzstück der Arbeiten und des im September 2015 fertiggestellten Center-Ausbaus ist der so genannte „Fashion Loop“: ein Rundlauf, der den renovierten Teil des Ruhr Park (im Bild links) mit der neu errichteten Südmall (rechts) verbindet.

Der 1964 eröffnete Ruhr-Park in Bochum gilt als erstes Shoppingcenter Deutschlands, das außerhalb des Stadtzentrums auf der „grünen Wiese“ errichtet wurde. Die grüne Wiese allerdings wurde inzwischen komplett bebaut und Teil der Stadt. Heute besuchen pro Woche im Schnitt 140.000 bis 160.000 Kunden das rund 250.000 m² große Areal. Der Betreiber, Unibail-Rodamco Germany, investiert seit einigen Jahren in eine umfangreiche Modernisierung und Neugliederung.
Sommer 2015: Während Kunden die Einkaufs- und Gastronomieangebote des Centers genießen, bewegen keine 20 Meter weiter Menschen mit Helmen und Sicherheitsschuhen schweres Baugerät. Sie schaffen die Voraussetzungen dafür, dass künftig mehr Shops auf gleicher Fläche für mehr Abwechslung und Einkaufsvergnügen unterzubringen sind. Aus 110 Läden mit einer Verkaufsfläche von rund 71.500 m² sollten nun 157 Läden mit Angeboten auf 115.569 m² Verkaufsfläche werden. Herzstück der laufenden Bauarbeiten und des im September 2015 fertiggestellten Centers ist der so genannte „Fashion Loop“: ein Rundlauf, der den renovierten Teil des Ruhr Park mit der neu errichteten Südmall verbindet.

Unterschiedliche Dachaufbauten

Das Flachdach der neuen Südmall und einige weitere Dächer auf benachbarten Bestandsgebäuden waren zwischen April und August 2015 der Arbeitsplatz von Udo Spies, zuständiger Projektleiter der Meschede Bedachungen GmbH. Mit einem Team von durchschnittlich 16 Mitarbeitern war er für die Dämmung, Abdichtung und teilweise Begrünung von rund 19.000 m² Dachfläche verantwortlich. „Wir haben es hier mit mehreren Dachflächen zu tun, die im Kern ähnliche, aber – je nachdem, ob Neubau oder Bestandsfläche – doch leicht unterschiedliche Aufbauten erhalten. Während wir auf den zu sanierenden Bestandsdächern vor allem Beton- und Bimsflächen vorfanden, so verfügt etwa die neu errichtete Südmall über Stahlleichtdächer mit einem bauseitigen Gefälle von drei Prozent“, so Spies.

Dämmplattenverlegung auf dem Flachdach

Strammer Zeitplan: Bis zum feierlichen Eröffnungstermin am 16. September 2015 mussten alle Arbeiten abgeschlossen sein.

Gefordert: nicht brennbar und WLG 037

In die Hohlräume der Trapezprofile auf dem Dach der Südmall legten die Mitarbeiter der Meschede GmbH in einem ersten Arbeitsschritt Brandschutz-Profilfüller aus nichtbrennbarer Steinwolle ein. Gleiches erfolgte von unten im Bereich der Anschlüsse und Trennwände. Die Profilfüller mit einer Rohdichte von 40 kg/m³ dienten dabei nicht nur der brandschutztechnischen Trennung der unterschiedlichen Brandabschnitte in der Südmall, sondern verbessern auch den Schallschutz zwischen den Ladenlokalen.
Auf die anschließend verlegte Dampfsperre folgt die Wärmedämmung aus zwei Lagen Steinwolle, genauer 2 x 120 mm „Durock 037“ von Rockwool. „Diese Dachplatte werden Sie auf jedem sanierten oder neu errichteten Dach des Ruhr-Park finden“, erläutert Architekt Daniel Hoyme. „Die gesamte Modernisierung war in zwei Projektphasen unterteilt. In der ersten Phase wurden bereits 2012 die ersten Bestandsgebäude saniert. Da die alten Dächer statisch einfach nicht mehr bewertbar waren, wurde die Entscheidung getroffen, die Dachaufbauten komplett zurückzubauen und neue Abdichtungen und Dämmungen zu verlegen. Dabei gab es zwei Grundforderungen an den einzusetzenden Dämmstoff: nicht brennbar A1 und eine Wärmeleitfähigkeit von maximal 037. Alle anbietenden Handwerksunternehmen haben damals die ,Durock 037’ vorgeschlagen, und sie bildet bis heute, bis zu den letzten noch fertig zu stellenden Teilstücken, die Basis für alle Dachaufbauten“, so Hoyme.

Mal mit Gefälle, mal hoch belastbar

Die auf den neuen Stahlleichtdächern verlegte Dämmstoffdicke von 240 mm sollte sich im Durchschnitt auch auf allen anderen Dächern wiederfinden. „Auf Bestandsdächern ohne bauseitiges Gefälle haben wir auf die erste 120 mm dicke Lage ,Durock 037’ die Gefälledämmung ,Georock 037’ gemäß dem von Rockwool und dem Architekten erstellten Verlegeplan montiert“, sagt Spies. „Am höchsten Punkt des Daches mit seinem zweiprozentigen Gefälle erreichen wir dabei eine Dämmdicke von enormen 360 mm.“
Eine dritte Dämmvariante findet sich unter den Wartungswegen zu den diversen Lüftungs- und Klimaanlagen auf den Dächern. Dort wurde die 120 mm dicke „Durock 037“ als erste Lage mit einer 120 mm starken Oberlage aus „Megarock“ Verbundplatten kombiniert. Diese „Lastenträger“ bestehen aus einer hoch verdichteten Steinwolle-Dämmplatte mit einer anorganischen, faserverstärkten Beschichtung. „Megarock“ Platten verfügen so über eine sehr hohe Punktbelastbarkeit von 1.800 N und eine Druckspannung von 80 kPa – ausreichende Festigkeit also, wenn die Haustechniker mit schwerem Wartungsgerät über eines der Dächer zu den Lüftungs- und Klimaanlagen vordringen müssen.

Brandschutz-Profilfüller im Trapezprofil
In die Hohlräume der Trapezprofile wurden von oben und unten Brandschutz-Profilfüller aus nichtbrennbarer Steinwolle eingelegt. Die Profilfüller mit einer Rohdichte von 40 kg/m3 dienen dabei nicht nur der brandschutztechnischen Trennung unterschiedlicher Brandabschnitte, sondern verbessern auch den Schallschutz zwischen den Ladenlokalen.

Zweilagige Bitumenabdichtung

Vor der Witterung geschützt werden alle Dachflächen durch eine zweilagige Elastomerbitumen-Verbundabdichtung: Direkt auf die Dämmplatten wurde als untere Lage zunächst eine 3 mm dicke Bitumenschweißbahn („Sopralene Flam 30“) im Lagenversatz verlegt und im Überlappungsbereich mechanisch befestigt. Die Oberlage bildet eine vollflächig aufgeschweißte, 5 mm dicke, hochreißfeste und dehnfähige Elastomerbitumenschicht („PYE PV200 S5“, Soprema). Rund 4.500 m² der so aufgebauten Dachflächen erhielten abschließend eine extensive Begrünung. Die mit „Megarock“ ausgestatteten Wartungswege wurden – zur besseren Erkennbarkeit – mit einer Alternativ-Abdichtungsbahn farblich abgesetzt.
Nach den besonderen Herausforderungen dieses riesigen Projekts gefragt, sind sich Planer und Ausführender schnell einig. „Zum einen geschah hier alles wirklich im laufenden Betrieb des Einzelhandels“, sagt Hoyme, „wir mussten also die Belastungen für die Kunden und die Shopbetreiber so gering wie möglich halten. Zum anderen haben gerade in der Endphase sehr viele Gewerke parallel gearbeitet und es gab zahlreiche Zwischenübergaben. Da hieß es vor allem: Ruhe bewahren und den Überblick behalten.“ bi

Baustelle Ruhrpark in Bochum
Modernisierung bei laufendem Betrieb: Im Sommer 2015 trafen im Ruhr Park Bochum Tief- und Hochbauarbeiten auf shopping-vergnügte Besucher. | Fotos: Rockwool