Sohlsicherung am Wehr Wieblingen: Geklammert mit Gefühl

HEIDELBERG, 11.05.2016 – Am Wehr Wieblingen stehen Baumaßnahmen zu Sicherung der Sohle an. Durch Wasserwalzen im Unterwasser haben sich große Vertiefungen am Grund des Neckars gebildet, die die Standsicherheit des Wehres gefährden. Die Verfüllung übernehmen Berufstaucher – bei null Sicht.

Betonage am Wehr Wieblingen
Für die Betonage der Kolke mussten Fahrmischer und Betonpumpe auf einen Ponton verladen und zur Einbaustelle gebracht werden. | Fotos: Heidelberg Cement
Taucher verfüllt Kolke am Wehr Wieblingen
Die Unterwasserbetonage verlangte von den Tauchern
Erfahrung und Fingerspitzengefühl.

Einmal im Jahr bekommen die Heidelberger nasse Füße. Vor allem im Frühjahr zur Schneeschmelze oder nach heftigen Regengüssen drohen insbesondere der Altstadt Überschwemmungen und vollgelaufene Keller. Ein zentrales Bauwerk für den Hochwasserschutz in der Stadt ist das Wehr am Heidelberger Stadtrand Richtung Wieblingen. Es regelt den Abfluss aus dem Teil des Neckars, der das Stadtgebiet Heidelbergs durchquert. Rund vier Meter Höhenunterschied liegen zwischen dem Pegel vor dem Wehr und dem Pegel im Altneckar. Dadurch entsteht eine besonders hohe Energie, wenn die Verschlüsse bei Hochwasser geöffnet werden müssen und das Wasser in den Altneckar schießt.
Die Folge: Schäden an der unbefestigten Sohle des Flusses. Zum Teil bis zu zehn Meter tiefe Krater, sogenannte Kolke, haben sich dort hineingefressen. Weil diese Kolke immer weiter in Richtung des Wehres wandern und den Vorboden teilweise um drei bis vier Meter unterspült haben, ist die Standsicherheit des 1923 bis 1925 errichteten Bauwerkes mittelfristig in Gefahr. „Wir konnten nicht länger warten, es ist sonst bald – abstrakt gesprochen – Gefahr in Verzug“, so Klaus Michels, Leiter des Amtes für Neckarausbau Heidelberg. „Damit die Standsicherheit der Wehranlage und der Trennmauer zum Seitenkanal nicht durch eine weitere Vergrößerung der Kolke gefährdet wird, werden diese sukzessive mit einem speziellen Unterwasser-Verklammerungsmörtel befestigt und soweit erforderlich verfüllt, mit dem Ziel einer dauerhaften Sohlsicherung“, so Michels.

Blind-Verfüllung durch Berufstaucher

Die Planung übernahmen die grbv Ingenieure im Bauwesen aus Hannover, als bauausführende Unternehmen waren Früh Ingenieurbau GmbH & Co. KG aus Achern und die Osnabrücker Gewatech Grund- und Wasserbau GmbH & Co. KG im Einsatz. Für die Betonage der Kolke in den Abschnitten Feld 5 und 6 mussten Fahrmischer und Betonpumpe auf einen Ponton verladen und zur Einbaustelle gebracht werden. Das Einbringen des Materials von Hand im bis zu sechs Meter tiefen Wasser übernahmen erfahrene Taucher. „Die sehen nichts unter Wasser“, erklärt der Projektleiter der Bauüberwachung, Wolfgang Paule von der Fichtner Bauconsulting GmbH. „Das Einbringen der erforderlichen Vergussmenge pro Quadratmeter muss der Taucher im Gefühl haben und ausschließlich durch seine Bewegungen sowie durch die Geschwindigkeit der Fördermenge der Pumpe steuern.“ 
Rund 70 Kubikmeter Verklammerungsmaterial kamen auf der 240 Quadratmeter großen Fläche am Wehr Wieblingen zum Einsatz, geliefert von der Heidelberger Beton Kurpfalz GmbH & Co. KG. „Die Entladung der je rund sechs Kubikmeter Verklammerungsmörtel dauerte pro Fahrmischer rund 45 Minuten“, so Sven Biermann, Verkaufsberater bei Heidelberger Beton. „Eine im Vergleich zu anderen Baustellen lange Zeit. Doch nur so ist gewährleistet, dass die Taucher zielgerichtet arbeiten können.“ Eingesetzt wurde ein Verklammerungsmörtel C20/25 F3, dessen Rezeptur zwischen der Firma Gewatech und der Heidelberger Beton Kurpfalz abgestimmt wurde. „Ein für den Unterwassereinsatz entwickeltes Einbauverfahren ermöglicht es, den Verklammerungsmörtel in genauer Menge auf einer definierten Fläche des Deckwerkes einzubauen. Die Konsistenz und die Korngröße des Zuschlags werden dabei so abgestimmt, dass der Mörtel nicht nur die oberste Steinlage verklammert, sondern auch die darunterliegenden. Damit wird eine flächige Verklammerung erreicht bei gleichzeitigem Erhalt der Durchlässigkeit des Deckwerkes.“

Da das Wehr über 80 Jahren alt ist, sind weitere Instandsetzungsarbeiten nötig, um die Anlage für die nächsten Jahrzehnte funktionsfähig und standsicher zu erhalten. Seit 2006 wurden nach und nach zwei Wehrfelder, die Wehrpfeiler, die dazugehörigen Antriebshäuser und der Wehrsteg ersetzt. Auch die komplette Antriebs- und Steuerungstechnik wurde erneuert und eine Sanierung der Betonoberflächen durchgeführt. Mittelfristig plant das Amt für Neckarausbau Heidelberg einen Ersatzneubau der Gesamtanlage mit neuen Verschlusselementen. bi