One World Trade Center: Abdichtung in 417 Meter Höhe

NEW YORK/VELLMAR, 27.05.2016 – Die Herausforderungen bei der Abdichtung hoher Gebäude vergrößern sich mit zunehmender Höhe. Die Arbeiten auf dem Dach des „Freedom Tower“ auf dem Ground Zero in 417 Metern Höhe waren einzigartig. Hunderte von Anschlüssen machten Flüssigkunststoff zum Mittel der Wahl.

Basis der Spitze des Freedom Tower
Die Basis der 124 Meter hohen Spitze sitzt in der Mitte des Daches auf und verjüngt sich nach oben.
Freedom Tower
One World Trade Center (1WTC), so lautet der offizielle Name
und die Adresse des Freedom Tower. Er steht dort, wo bis 2001
die Zwillingstürme des World Trade Center standen.

Mit 541,32 Meter (inklusive Spitze) ist der am Ground Zero entstandene Wolkenkratzer heute das höchste Gebäude der Vereinigten Staaten. Die Turmhöhe von 1776 Fuß erinnert an die Unabhängigkeitserklärung aus dem Jahr 1776. An diesem symbolischen Ort standen bis zu ihrer Zerstörung 2001 die Zwillingstürme des World Trade Centers. Der offizielle Name des New Yorker Gebäudes ist identisch mit der Adresse. Der Wiederaufbauplan stand unter dem Namen „Freedom Tower“. Während die Bauherren die alte Benennung für das neue Gebäude beibehielten, bevorzugen viele Amerikaner weiterhin die Bezeichnung Freedom Tower, auch im Gedenken an die alten Türme.

Die Abdichtung hoher Gebäude ist eine Herausforderung. Bei den meisten Neubauten wird zunächst die Gebäudehülle inklusive des Daches fertiggestellt. Bei diesem Projekt stand das ca. 1.765 qm große, quadratische Hauptdach am Ende.
Die Ausschreibung für die Abdichtungsarbeiten gewann The Jobin Organization, ein langjähriger, zertifizierter Kemperol-Verbeiter. Das 1968 gegründete Unternehmen ist einer der bedeutendsten Anbieter für Dach- und Abdichtungsarbeiten in der New Yorker Region.

Ausschlaggebend für den Gewinn der Ausschreibung waren mehrere Hundert Durchdringungen und Anschlüsse an Stahlaufbauten. „Es gab es keine Flächen größer als drei Meter im Quadrat ohne Anschlüsse und Durchdringungen", erzählt Steve Guarino, der die Arbeiten für Jobin koordinierte. Dazu gehörten die Konstruktion der drei Kühltürme sowie die Basis der 124 Meter hohen Spitze, die in der Mitte des Daches aufsitzt und sich nach oben verjüngt. Hinzu kommen Entlüftungsrohre, Abläufe und Rohrleitungen unterschiedlicher Art, Aufsätze, Abläufe, Heizung-Lüftung-Klimaanlagen, Kästen, Schrauben, Muttern, Bolzen und der Aufbau der Spitze. Die vliesarmierte Kemperol-Abdichtung ist in der Lage, komplizierte Formen und Details nahtlos und fugenlos in die Abdichtungsfläche einzubeziehen.

Bei vielen Details und kleinen Flächen

Der besondere Vorteil einer Flüssigabdichtung liegt in der flexiblen Verarbeitung. Alle Produkte werden flüssig aufgebracht und härten nach dem Abbinden zu einer homogenen, fugenlosen Abdichtung aus. Das flüssige Material wird auf dem sauberen und trockenen Untergrund vorgelegt, das Armierungsvlies eingerollt und abschließend mit dem Flüssigkunststoff satt durchtränkt. Wie aus einem Guss entsteht eine dauerelastische, rissüberbrückende Abdichtung, die sich vollflächig mit dem Untergrund verbindet.

Kemperol nimmt Baubewegungen auf und ist mit anderen Werkstoffen problemlos kombinierbar. Die Abdichtung ist UV-beständig und witterungsunabhängig. Das versprödungsresistente Kemperol enthält keine Weichmacher und ist dauerelastisch von – 30 °C bis + 90 °C. Eine minimale Aufbauhöhe korrespondiert mit einer geringen Flächenlast. Die Abdichtung wird kalt verarbeitet. Arbeiten mit offener Flamme fallen nicht an. The Jobin Organization arbeitete kontinuierlich mit einem Team von 15 bis 20 Mitarbeitern. Steve Guarino, beschreibt eine besondere Erfahrung bei der Arbeit an diesem ikonischen Bauwerk: „Eine Milliarde Augen beobachten dich.“

Anschlüssen und Durchdringungen auf dem Dach
Hunderte von Anschlüssen und Durchdringungen auf engstem Raum gaben den Ausschlag für die Kemperol-Abdichtung.

Wetterkapriolen und Transportwege

Die Arbeiten begannen Mitte Juni 2014 und endeten Mitte Oktober. In über 400 Meter Höhe ist das Wetter immer für Überraschungen gut. An Tagen, an denen es unten bewölkt war, herrschte oben Nebel. War es unten neblig, regnete es oben. Nur die Hitze war erträglicher. Oben gab es kein drückend heißes Wetter. Eine ernsthafte Herausforderung von Abdichtungen in großer Höhe besteht darin, das Material überhaupt auf das Dach zu transportieren. Steve Guarino: „Unser Vorteil war, dass die Kemperol-Verarbeitung kein schweres Equipment erfordert. Das schwerste Werkzeug, das wir genutzt haben, war ein Handmixer für das Harz. Der Aufstieg in die Höhe konnte an Werktagen bis zu zwei Stunden dauern, deshalb haben wir am Wochenende immer schon Material für die kommende Woche über die Fahrstühle hochgebracht.“

Tägliche Abstimmungen

Mitarbeiter der amerikanischen Tochtergesellschaft von Kemper System waren jede Woche auf der Baustelle, um die Verarbeitung zu begutachten und unterstützend zu begleiten. Zusätzlich wurde der Arbeitsfortschritt jeden Tag fotografiert und das A/E/C Managementteam detailliert auf dem Laufenden gehalten. Tägliche Morgenbesprechungen mit dem Management stellten sicher, dass alle Arbeiten problemlos und nach Plan erfolgten. Um dies sicherzustellen, war die kontinuierliche Koordination der Arbeit mit anderen Gewerken unverzichtbar. Wenn Handwerker an den Kühltürmen arbeiteten, musste zum Beispiel immer wieder kontrolliert werden, ob nicht Feuchtigkeit auf den Betonuntergrund gelangt und dieser trocken genug für die Abdichtung war.

Mittlerweile ist der Bau des Wolkenkratzers vollendet worden. Nach fast zehnjähriger Bauzeit öffnete das 3,9 Milliarden Dollar teure One World Trade Center (1 WTC) 2014 seine Türen.