Alle Möglichkeiten des Regenwassermanagements ausschöpfen

MÜNCHEN, 02.06.2016 - Die Begleitumstände waren in gewissem Sinne passend, aber doch sehr dramatisch. Am 30. Mai 2016 fand auf dem Eröffnungstag der IFAT in München der Kongress „Urbane Sturzfluten“ statt. Was kann aus der Katastrophe in Baden-Württemberg gelernt werden?

Auf der IFAT bei der Vorstellung der Regenwasserstudie
Stellten die Studie vor (v.l.n.r.): Roman Urbanowitsch, Fränkische Rohrwerke, Prof. Dr. Wolfgang Günthert, Universität der Bundeswehr München und Michael Hölker, BDB-Hauptgeschäftsführer. | Foto: Erwin Bauer
Zum Teil schwere Unwetter mit sturzflutartigen Niederschlagsmengen zogen vor Beginn der weltgrößten Umweltmesse über weite Teile Süddeutschlands und hinterließen eine Spur der Verwüstung. In Baden-Württemberg forderte das Tief „Elvira“ mindestens vier Menschenleben. Bei Landshut kamen innerhalb einer Stunde Rekord verdächtige 67 Liter Regen pro Quadratmeter herunter. "So etwas kann überall und jederzeit in Deutschland passieren. Und es ist davon auszugehen, dass Überflutungen insbesondere im urbanen Raum zunehmen," erklärte Prof. Wolfgang Günthert vom Institut für Wasserwesen an der Universität der Bundeswehr München anlässlich der Vorstellung seiner Studie "Urbane Sturzfluten - Hintergründe, Risiken, Vorsorgemaßnahmen".
Urbanes Regenwassermanagement
Urbanes Regenwassermanagement als Anpassung an veränderte Risiken durch den Klimawandel ist erforderlicher denn je. | Grafik: Initiative Verantwortung Wasser und Umwelt

Wenig Beachtung für Starkregenereignisse

Die im Auftrag der Initiative Verantwortung Wasser und Umwelt erstellte Studie belege, dass Starkregenereignisse als Überflutungsursachen bisher zu wenig Beachtung finden, obwohl diese mittlerweile 50% der Überflutungsschäden ausmachen. Besonders gefährdet seien Wohn- und Industriegebäude, Infrastruktureinrichtungen und Verkehrsanlagen - und das nicht nur in flussnahen Lagen. Um die genauen Risikogebiete erkennen zu können, seien Niederschlags- und Abflussmessungen sowie Überflutungsnachweise erforderlich, welche aber bisher nicht in ausreichendem Maße durchgeführt würden. "Hier sind die Kommunen gefragt, denn nur so können Grundstückseigentümer in betroffenen Gebieten informiert werden, um entsprechende Vorsorgemaßnahmen treffen zu können," erläuterte Prof. Günthert. Im Gegensatz zu Flusshochwasser gäbe es bei Starkregen keine lange Vorwarnzeit, um das Eigentum zu schützen. Augrund der Zunahme der Schadenssummen infolge von Starkregenereignissen sei ein ganzheitlicher Überflutungsschutz dringend notwendig. Alle Möglichkeiten des Regenwassermanagements inklusive Rückhalt, Versickerung und Verdunstung sollten zur Abflussreduzierug genutzt werden. Dachbegrünungen beispielsweise wirkten wie ein Schwamm, welcher Niederschlagsspitzen mindere und so die Entwässerungssysteme entlaste.

überflutete Straße nach Starkregen
Die neue Studie belegt, dass Starkregenereignisse mit folgenschweren Überflutungen in Deutschland zunehmen. | Foto: Initiative Verantwortung Wasser und Umwelt

Forderungskatalog Überflutungsschutz

Die Initiative Verantworung Wasser und Umwelt hat einen Forderungskatalog erstellt, worin sie neben einem integrierten Überflutungsschutz u.a. die Analyse von Überflutungsgefährdungen, Vorsorgemaßnahmen sowie Maßnahmen zur Verminderung und Rückhaltung des Oberflächenabflusses auch in der Bauleitplanung verlangt. Die aus der Arbeitsgruppe Tiefbau im Gesprächskreis Baustoffindustrie im BDB hervorgegangene Initiative wird unterstützt von den Firmen ACO Tiefbau, Baustoff Brandes, BIRCO, Bundesverband Baustoffe - Steine und Erden, Eurobaustoff, Fränkische Rohrwerke, Kirchner, Funke Kunststoffe, Hauraton, hagebau, Henrich Baustoffzentrum, J.N. Köbig, Kessel AG, Matthias Reichert, MEA Water Management, Schomburg und Steinzeug-Keramo. Studie sowie Forderungskatalog stehen unter www.bdb-bfh.de zum Download bereit. bi