Tarifverhandlungen am Bau starten mit Ärger

WIESBADEN/BERLIN, 08.02.2018 - Die erste Runde der Tarifverhandlungen für das Bauhauptgewerbe, die gestern in Wiesbaden stattfand, ist erwartungsgemäß ohne Ergebnis geblieben. Die Gewerkschaft fordert für die rund 800.000 Beschäftigten neben einer Lohnerhöhung von 6 Prozent auch ein 13. Monatsgehalt. Vor allem letzteres birgt Konfliktpotenzial.

Dietmar Schäfers (l., Frank Dupré und Andreas Schmieg (r.)
Das Ringen um mehr Lohn hat begonnen: Dietmar Schäfers (l.), Frank Dupré und Andreas Schmieg (r.) bei der ersten Tarifrunde Bau. | Foto: IG Bau/Detlef Gottwald

Weil der Hauptverband der Deutschen Bauindustrie (HDB) und der Zentralverband des Deutschen Baugewerbes (ZDB) kein vollständiges Verhandlungsmandat von einigen ihrer Landesverbände erhalten haben, muss die IG Bau das bundesweite 13. Monatsgehalt vorerst von ihrer Wunschliste streichen. Weder für die Betriebe im Osten noch für die handwerklichen Betriebe in Schleswig-Holstein, Niedersachsen, Bremen und Hessen könne wegen des fehlenden Mandats darüber verhandelt werden, monierte die Gewerkschaft. „Schon zum Start der Verhandlungen belasten die Arbeitgeber die Gespräche mit einer schweren Hypothek“, so der stellvertretende IG Bau-Bundesvorsitzende Dietmar Schäfers. Er forderte von den Arbeitgebern, schnell ein umfassendes Verhandlungsmandat vorzulegen.

Ausbildungskosten voll übernehmen

Durchsetzen will die IG Bau außerdem die Vergütung der Wegezeiten zu den Baustellen als Arbeitszeit und die Übernahme aller Ausbildungskosten, einschließlich der Fahrtkosten zur Berufsschule. Dadurch soll die Ausbildung in der Baubranche attraktiver werden. Außerdem verlangt die Gewerkschaft ein eindeutiges Bekenntnis zu der bereits vereinbarten Angleichung der Ost- an die Westlöhne bis zum Jahr 2022. Dieses Datum stehe auf der Kippe, die bisherigen Angleichungsschritte hätten dafür nicht ausgereicht. Eine Angleichung zu Lasten der Westlöhne, wie sie die Arbeitgeberseite schon bei den Mindestlohn-Tarifverhandlungen im August 2017 vorgeschlagen hatte, lehnen die Arbeitnehmervertreter ab.

Spielräume zu klein

„Die Vorstellungen der Gewerkschaft sind teuer und können so nicht erfüllt werden“, sagte dazu der Verhandlungsführer der Arbeitgeberseite, ZDB-Vizepräsident Frank Dupré. Baupreise und Renditen seien nicht in gleichem Maße gestiegen wie die Umsätze. „Die Verteilungsspielräume der Betriebe sind für die Wunschträume der IG Bau daher bei weitem nicht groß genug."
Die zweite Verhandlungsrunde findet am 28. Februar in Berlin statt.