Sachsen/Sachsen-Anhalt: Schwarzbuch Bauwirtschaft

LEIPZIG, 10.07.2017 - In Sachsen/Sachsen-Anhalt beklagen Unternehmen nach wie vor erhebliche Mängel bei der Vergabe und Abwicklung öffentlicher Aufträge. Wesentliche Probleme, die den Bauunternehmen bei der Realisierung öffentlicher Aufträge entstehen, sind in dem „Schwarzbuch Bauwirtschaft" zusammengetragen.

Der Bauindustrieverband Sachsen/Sachsen-Anhalt e. V. (BISA) hat kürzlich sein „Schwarzbuch Bauwirtschaft: Fallstricke bei der öffentlichen Auftragsvergabe“ vorgestellt. In dem Schwarzbuch wurden die wesentlichen Probleme, die den Bauunternehmen bei der Realisierung öffentlicher Aufträge entstehen, zusammengetragen.

Eine aktuelle Mitgliederbefragung des Bauindustrieverbandes Sachsen/Sachsen-Anhalt e. V. (BISA) hat gezeigt, dass die Unternehmen nach wie vor erhebliche Mängel in der Vergabe und Abwicklung öffentlicher Aufträge sehen.

Nach Berechnungen des Verbandes hatten etwa drei von vier Bauunternehmen in Sachsen und Sachsen-Anhalt 2016 Probleme in diesem Bereich. Vor allem die Ausschreibungspraxis im kommunalen Bereich wird von den Unternehmen immer wieder bemängelt:

Die Fülle an Formalitäten, die zu erbringenden Erklärungen, erforderliche Nachweise, Bescheinigungen und Referenzen sowie unvollständige, fehlerhafte oder in sich widersprüchliche Vertrags- und Planungsunterlagen führten fast zwangsläufig zu einer erheblichen Fehlerquote. Neben der Gefährdung der Bauqualität verursachten derartige Fehler einen nicht unerheblichen volkswirtschaftlichen Schaden.

Wenn es für Unternehmen immer aufwendiger werde, sich an der Ausschreibung öffentlicher Bauvorhaben zu beteiligen, bestehe die Gefahr, dass immer weniger Unternehmen bereit sind, für die öffentliche Hand zu bauen. Das wäre angesichts der großen Bauaufgaben eine katastrophale Entwicklung.

BISA-Präsident Wolfgang Finck sieht vor allem drei Problemfelder, die dringend behoben werden müssen, damit die Abwicklung öffentlicher Aufträge für beide Seiten weniger Frust bringt:

Fehler bei Planung und Ausschreibung minimieren

Erstens müsse bei der Planung öffentlicher Bauvorhaben mehr Sorgfalt walten: „Eine gute Planung ist die Voraussetzung für eine reibungslose Bauausführung. Die Fehler in der Planungs- und Ausschreibungsphase müssen letztlich die Baufirmen tragen“, so Finck. Dazu gehöre auch, dass Absprachen und einmal getroffene Entscheidungen eingehalten werden müssen. Ständige Planänderungen während des Baufortschritts führten zu Bauverzögerungen und Kostensteigerungen. Darüber hinaus müsse die Bauverwaltung ihre Bauherrenkompetenz wieder wahrnehmen und sich trauen, verbindliche und verlässliche Entscheidungen zu treffen.

Realistische Kostenschätzung

Zweitens bedarf es nach Aussage von Finck endlich realistischer Kostenschätzungen: „Schöngerechnete Kostenschätzungen können zwar kurzfristig die politische und öffentliche Akzeptanz erhöhen, rächen sich aber im Ausschreibungsprozess, der Vertragsdurchführung und schließlich in der öffentlichen Meinung, wenn die Kosten überschritten werden“.

Berechtigte Nachträge einfordern

Drittens müsse es endlich wieder ohne Streit möglich sein, berechtigte Nachträge einzufordern. „Alle Bauwerke sind Unikate – daher gehören Nachträge zum normalen Bauablauf“, so Finck weiter.

Hier geht es zum Schwarzbuch Bauwirtschaft: Fallstricke bei der öffentlichen Auftragsvergabe.

(Quelle: Bauindustrieverband Sachsen/Sachsen-Anhalt e. V.  - BISA) | B_I MEDIEN