Zukunftspreis: Carbon ersetzt Stahlbewehrung im Beton

NEUENRADE, 09.12.2016 – Für ihr Forschungsprojekt zu Carbonbeton erhielten Wissenschaftler der Technischen Universität Dresden jetzt den Deutschen Zukunftspreis 2016. Als korrosionsbeständige und rohstoffsparende Alternative zum Stahlbeton eröffnet Carbonbeton der Baubranche neue Möglichkeiten bei der Verstärkung und Instandsetzung von Gebäuden und Brücken.

Preisverleihung Zukunftspreis 2016
Verleihung des Zukunftspreises: (v.l.) Prof. Chokri Cherif, Prof. Manfred Curbach, Bundespräsident Joachim Gauck, Prof. Peter Offermann | Fotos: V.Fraas Solutions in Textile

Die Forscher Prof. Manfred Curbach, Prof. Chokri Cherif und Prof. Peter Offermann von der TU Dresden haben für ihre Forschungen zu Carbonbeton den Zukunftspreis des Bundespräsidenten erhalten. Der Preis ist mit 250.000 Euro dotiert. Ebenfalls freuen über diese Auszeichnung darf sich das Unternehmen V. Fraas Solutions in Textile, von dem das verwendete Carbontextil entwickelt und hergestellt wird. Das Unternehmen ist eine Tochtergesellschaft der V. Fraas GmbH mit führender technischer Kompetenz im textilen Bereich der Bekleidungsindustrie. Ihr ist es erstmals gelungen, textile Bewehrungen auf einer hochtechnologischen Fertigungsstraße serienmäßig herzustellen. 2014 erhielt Carbonbeton der Marke Tudalit® vom Deutschen Institut für Bautechnik die erste allgemeine bauaufsichtliche Zulassung für die Verstärkung und Instandsetzung von Stahlbetondecken – ein Meilenstein, auf den weitere Zulassungen aufbauen können.


Wirtschaftliche Technologie


Carbonbeton eröffnet völlig neue Möglichkeiten für die Baubranche, vor allem bei der Verstärkung und Instandsetzung von Gebäuden und Brücken. Darüber hinaus lassen sich sehr filigrane und leichte Betonfertigteile mit Carbonbewehrungen herstellen. Durch die Verwendung von nicht korrodierendem Carbon zur Bewehrung entfällt die Notwendigkeit einer großen Betonüberdeckung, wie im Stahlbeton nötig. Damit ist Carbonbeton viel dünner, leichter sowie materialsparender und gleichzeitig extrem tragfähig.
Zudem ist Carbonbeton eine äußerst wirtschaftliche Technologie, rechnet das Unternehmen vor: Zwar koste 1 kg Carbon im Durchschnitt circa 16 Euro und 1 kg Stahl nur circa 1 Euro – jedoch sei die Dichte von Carbon viermal geringer und die Tragfähigkeit sechsmal höher. Das heißt, für den 16fachen Preis bekomme man die 24fache (4x6) Leistungsfähigkeit. Zudem könne bei der Verwendung von Carbon als Bewehrung die Betondeckung deutlich reduziert und so bis zu 80 % Beton eingespart werden.
Carbongitter als Bewehrung im Beton
Carbon-Gittermatten von V. Fraas Solutions in Textile ersetzen die Stahlbewehrung.

Aktuelles Textilbeton-Projekt in Bayern


In Deutschland und weltweit rechnen sich die Hersteller einen enormen Markt aus. So hat Textilbeton viel zukunftsweisendes Potential bei der Verstärkung von Brücken. Aktuell finden Carbongelege der V. Fraas Solutions in Textile Anwendung bei der Instandsetzung der Bogenbrücke über das Selbitztal in der bayerischen Stadt Naila. Durch die Verwendung von korrosionsfreien Carbongittern anstelle von Baustahlmatten kann die Spritzbetonschicht deutlich dünner und somit kostengünstiger ausgeführt werden. Im Ausschreibungsverfahren für die Instandsetzung der Bahnbrücke über dem Selbitztal hat sich Carbonbeton gegen Stahlbeton durchgesetzt und als eine kostengünstigere Alternative erwiesen. Die Kosten für die Carbonbetoninstandsetzung liegen 15% unter denen einer Stahlbetonvariante und es werden gleichzeitig 80% an Beton eingespart.
Darüber hinaus besitzt Carbonbeton eine viel längere Lebensdauer, da Carbon korrosionsbeständig ist. Während Bauwerke aus Stahlbeton durchschnittlich 80 Jahre halten, erwartet man bei Carbonbeton eine Lebensdauer von 150 bis 200 Jahren, wenn nicht noch länger.

Baustoff für filigrane Wände


Carbonbeton kann aber nicht nur bei der Verstärkung und Instandsetzung von Brücken oder Gebäuden eingesetzt werden. Er eröffnet für die Baubranche Perspektiven für eine völlig neue Art des Bauens und Lebens. Mit Carbonbeton können Wände in Häusern aus nur wenigen Zentimeter dicken Platten bestehen, dadurch entstehen neue Gestaltungsmöglichkeiten, die durch Filigranität, Leichtigkeit und Ästhetik geprägt sind. Der mögliche Anwendungsbereich umfasst somit das gesamte Bauwesen – egal ob Neubau oder Instandsetzung.

Bahnbrücke über dem Selbnitztal mit Carbonbeton
Bahnbrücke über dem Selbitztal: Die Instandsetzung des Betons der Gewölbebögen erfolgt mit Carbonbeton. Damit wird ein hoher Verstärkungsgrad bei geringen Schichtdicken von Beton erreicht.