Zugspitzbahn: Entwässerungslösung für eine Unterführung

RASTATT, 06.02.2017 - Abdichtung zwecklos: Weil eine nässende Tunnelwand der Zugspitzbahn in Garmisch-Patenkirchen die Verbindungstunnel zu den Bahnsteigen permanent unter Wasser setzte, war eine dauerhafte Entwässerungslösung gefragt. Eine patente und wirtschaftliche Sonderrinnenkonstruktion schaffte Abhilfe.

Bahnhof in Garmisch-Patenkirchen
Der Bahnhof in Garmisch-Partenkirchen: Von der Tunnelwand wurde permanent Sickerwasser in die Unterführung gedrückt. | Fotos: Hauraton

Die Bayerische Zugspitzbahn: historisches Sinnbild für deutsche Ingenieurbaukunst und eine der letzten hierzulande noch im Betrieb befindlichen Zahnradbahnen. Die Stadt Garmisch-Partenkirchen ist der Ausgangspunkt für den spektakulär schönen Streckenverlauf, der auf die Zugspitze, den mit knapp 3.000 Metern höchsten Berggipfel Deutschlands, führt – durch das Innere der Nordflanke bis auf den Zugspitzplatt.
„Lauter Superlative“, sagt auch Oliver Tiede vom Verkaufsaußendienst des Unternehmens Hauraton. Für den Experten eröffnete sich allerdings beim genaueren Betrachten auch eine erhebliche Problemzone: die Bahnunterführung in Garmisch, die an fast ständiger Nässe litt. „Die Schwierigkeit an dieser kritischen Stelle bestand darin, dass permanent Sickerwasser von der Tunnelwand in die Unterführung gedrückt wurde.“ Sämtliche Versuche in der Vergangenheit, mit Abdichtungen und Verpressungen dagegen vorzugehen, so Tiede weiter, scheiterten. Unter Wasser stehende Gehwege gehörten hier trotz mehrerer Sanierungen über Jahre zum Alltag.


Lange keine Lösung in Sicht


Nach vielen erfolglosen Dichtungsversuchen kamen schließlich die Entwässerungstechnologen von Hauraton ins Spiel. Die mit der Unternehmung betraute Sächsische Bau holte die Kollegen dazu, denn inzwischen stand eine neue Strategie im Raum: Schluss mit den Dichtversuchen, statt dessen lieber mit dem austretenden Wasser leben. Gesucht war ein Konzept, um das Wasser clever in geordnete Bahnen abzuleiten. Wie muss die hierzu erforderliche Rinne konstruiert sein? Und wie sollte das Rinnensystem aussehen, mit dem endlich Abhilfe geschaffen werden kann? Ein klarer Fall für Hauraton. Denn die Lage war verwickelt und verlangte nach genauer Analyse und einem individuell zugeschnittenen Projektplan.

Bahn-Unterführung in Garmisch-Patenkirchen
Die Rinnen sind begehbar und rollstuhlbefahrbar – und Edelstahl das ideale Material.

Kniffliger Entwässerungsfall


Die generellen Anforderungen waren eine rasche Problemlösung und eine schnelle Umsetzung, so Tiede: „Daher lag das Augenmerk auf einer Sonderlösung, die idealerweise teils mit Produkten aus dem Hauraton-Standardprogramm abgedeckt werden kann.“ Zudem war eine möglichst kostengünstige Abdeckung mit sehr flacher Rinne und eine schmale Rinnenwandung erforderlich, um wenig Platz verlieren.
Tiede und sein Kollege Andreas Ziermann vom Projektmanagement in der Rastatter Unternehmenszentrale orientierten sich zunächst gemeinsam vor Ort. „Unser Aktionsrahmen war eng gesteckt“, erinnert sich Ziermann. „Der Bahnsteig sollte erhalten bleiben, es gibt nur geringe Höhen- und Breitenvorgaben, die Ablaufpunkte sind nicht gerade üppig gesät – und dazu auch noch fix. Erschwerend kam hinzu, dass die Rinne ja das komplette Wasser schlucken und abtransportieren können muss.“ Alles zusammen genommen war die Wahl der richtigen Rinne damit eingegrenzt.

Fachliches Know-how und kreativer Spürsinn

Detaillierte Rücksprachen mit den Bauleitern vor Ort folgten. Die Entwässerungstechnologen nahmen jeden Zentimeter der Problemzone genau unter die Lupe, entwarfen anhand von Projektplänen und Tunnelquerschnitten verschiedene Varianten, wie der Wasserablauf organisiert werden könnte. Drei der schließlich entwickelten Vorschläge kamen in die engere Wahl: Der erste sah die Verwendung einer flachen Recyfix-Standard Rinne vor, der zweite eine komplette Sonderanfertigung, der dritte ein Hybridmodell aus einer Sonderanfertigung und dem Standardmodell Dachfix Steel.
„Die Standardvariante stellte sich als etwas zu hoch und breit für den Zweck heraus“, so Tiede. „Die komplette Sonderanfertigung entpuppte sich zum einen als nicht zum Budget passend, zum anderen war sie dem Hybridmodell technisch nicht viel voraus. Also fiel die Wahl auf unsere Dachfix Steel 115, Typ 45 mm, jedoch mit geschlossenem Rinnenkörper und Stegrostabdeckung.“
Zuführung als T-Verbindung
Für die Ablaufpunkte fertigte Hauraton spezielle Zuführungen als T-Verbindung.

Anti-Rost: Edelstahl macht das Rennen


Die Dachfix Steel war gesetzt – und als Material kam bei der anstehenden Belastung für die Experten nur Edelstahl in Frage. „Üblicherweise setzen wir bei Rinnen und Abdeckungen in schwierigen Fällen wie diesen Edelstahl mit der Legierung 1.4301 ein. Das entspricht der veralteten Bezeichnung V2A und erfüllt die Anforderung ‚rostfrei’“, erläutert Tiede. Und Ziermann ergänzt: „Höherwertige Legierungen sind selten erforderlich und werden für Rinnen und Abdeckungen kaum eingesetzt. Denkbar wären etwa Einsatzbereiche in chemischen Anlagen.“ Mechanische Belastungen spielen bei der Anwendung im Zugspitz-Projekt keine Rolle. Die Rinnen sind begehbar und rollstuhlbefahrbar – und somit Edelstahl das ideale Material.

T-förmige Sonderentwicklungen


Für die Ablaufpunkte wurden spezielle Zuführungen als T-Verbindung gefertigt. Eine hydraulische Berechnung für das spezifische Szenario belegte die Leistungsfähigkeit der Rinne und wies nach, dass das anfallende Wasser sicher abtransportiert würde.
Fazit nach ein paar Monaten des Tüftelns und Realisierens: Die Umsetzung hat nicht nur das Problem komplett beseitigt, sondern sieht auch attraktiv aus und behielt die Kosten im Blick. Die neuen Rinnen wurden optimal in den Bestand eingebunden. Tiede: „Laut unseren Kollegen von der Bauleitung hat diese Lösung der Deutschen Bahn so gut gefallen, das sie jetzt auch bei ähnlichen Problemunterführungen zum Tragen kommen soll. Es hat sich gezeigt, dass eine gelebte Partnerschaft – mit gemeinsamen Überlegungen von Experten unterschiedlicher Fachrichtungen – die entscheidenden Lösungsideen zum Vorschein bringen kann.“ Intelligent, praktikabel und wirtschaftlich zugleich.