Umweltverträglich Beton herstellen im Gebirge

HARDHEIM, 08.03.2017 – Im österreichischen Bundesland Vorarlberg entsteht das Pumpspeicherkraftwerk Obervermuntwerk II. Das Großprojekt im Montafon zwischen den Stauseen Silvretta und Vermunt vereint Energiegewinnung, Ingenieurkunst und Umweltverträglichkeit. In 1750 Metern Höhe wird dafür ein Kieswerk mit Betonmischanlage betrieben.

Kieswerk in Vorarlberg
Vor beeindruckender Hochgebirgskulisse: Bau des Pumpspeicherkraftwerks Obervermuntwerk II der Vorarlberger Illwerke AG in Vorarlberg/Österreich mit eigenem Kieswerk (Transbeton, Bludenz) und Leiblein-Wasseraufbereitung

Schrägklärer von Leiblein
Leiblein-Schrägklärer zur Wasseraufbereitung im
Transbeton-Kieswerk in ca. 1750 Metern Höhe
Mit fünf Baubereichen wird gleichzeitig die Fertigstellung vorangetrieben. Hierbei ist das Areal am luftseitigen Fuß der Staumauer Vermunt das Gebiet mit der größten temporären Baufläche. Diese ist von weitem bereits gekennzeichnet durch hochaufragende Silos der Mischanlage und einem der wohl modernsten Kieswerke in dieser Region. In einer Errichtungszeit von nur einem halben Jahr konnte so der Anlagenbetreiber, die Vorarlberger Transbeton, die Voraussetzungen für eine gesicherte, umweltverträgliche und winterfeste Betonherstellung realisieren. Die Aufbereitung der Zuschlagsstoffe für den Beton aus vor Ort anfallendem Ausbruchsmaterial war eine wesentliche Umweltauflage. So können ca. 115.000 Kubikmeter Kavernenausbruch sowie teilweise Gestein aus 8.000 Metern Stollen, 500 Meter Schächten, insgesamt ca. 250.000 m³, genutzt werden, ohne dass die CO2–Belastung durch tausende Lkw-Transporte vom Tal her noch eine Rolle spielt. Gleichzeitig ist der Winterbetrieb gesichert, wenn die Silvretta-Hochalpenstraße gesperrt ist.

Kompaktes Kieswerk


Das wegen der beengten Platzverhältnisse im Hochgebirge sehr kompakt gebaute Kieswerk vereint eine Materialaufbereitungsanlage sowie zwei Betonmischanlagen. Während der Gesteinsausbruch über mehrere Brech- und Siebstufen aufbereitet, gewaschen und nach Korngrößen sortiert in ein Zwischenlager gelangt, nehmen die Mischanlagen die Betonherstellung für Beton höchster Güteklasse wahr. Eine umweltverträgliche Ergänzung ist die integrierte Wasseraufbereitungsanlage. Mit diesem Anlagenmodul vom Filterspezialisten Leiblein aus dem baden-württembergischen Hardheim wird das Prozesswasser für das Waschen des Gesteins gereinigt und wiederverwendet.
Betonmischanlage im Gebirge
Leiblein-Wasseraufbereitungsanlage im Kieswerk vor dem Vermuntstausee im Montafon, rechts unterhalb der Beton-Silos.

Hohe Anforderungen an die Prozesswasser-Aufbereitung


Das Lastenheft wies einen Durchsatz von 280 m³/h, bei einem Feststoffgehalt von ca. 5 Prozent auf. Die Korngröße wurde mit ca. kleiner 63 µm definiert. Nach Reinigung des Abwassers aus der Kies- und Sandwäsche sollte das Prozesswasser wieder in den Kreislauf zurückgeführt, anschließend der anfallende Dünnschlamm zu einem trockenen Material abgepresst werden. Um diese Anforderungen erfüllen zu können, setzen die Leiblein-Techniker einen Schrägklärer Typ SK 300 sowie eine Kammerfilterpresse ein.
Der Schrägklärer scheidet Partikel größer ca. 50 µm als Sediment aus, wobei noch kleinere Partikel über die Zugabe von Flockungsmittel abgeschieden werden. Nach Einlauf des Schmutzwassers bis unterhalb des schräggestellten Lamellenpaketes und Übergang in die Aufwärtsströmung erfolgt dort die Sedimentation bei Passage der Lamellen. Der anfallende Schlamm rutscht an den Lamellen ab, wird im Schlammtrichter gesammelt und mit einer Schlammpumpe in Intervallen abgezogen und erreicht durch einen Schlammspeicherbehälter die Kammerfilterpresse. Ein Krählwerk zur Homogenisierung des Sediments und eine Schlammpegelmessung mit dem Ziel, das Sediment aus dem Lamellenabscheider möglichst trocken abzuführen, unterstützen die Kammerfilterpresse mit dem Ziel der Entwässerung des Schlammteppichs hin zu einem trockenen Filterkuchen.

gereinigtes Prozesswasser
Das gereinigte Prozesswasser wird wieder in den Wasserkreislauf überführt. | Fotos: Leiblein
Mit der Rückführung des Filtrats in den Wasserkreislauf über ein freies Gefälle in eine Pumpenvorlage mit Weitertransport erfolgt ein geringer Wasserausgleich durch minimale Frischwasserzufuhr.
Mit ihren geringen Abmessungen konnte die Filteranlage in ein geeignetes Gebäude integriert werden, das den Betrieb auch bei Temperaturen unter null Grad problemlos sicherstellt. Mit Blick auf die Zukunft ist die Leiblein-Anlage zudem semimobil ausgeführt. So kann sie nach Ende der Bauzeit an einen anderen Standort überführt oder auch nahezu beliebig erweitert werden.