Testturm Rottweil: Flachdach-Dämmung in 237 Metern Höhe

GLADBECK/ROTTWEIL, 28.04.2017 – Der Testturm von ThyssenKrupp in Rottweil wird ab Oktober die höchste Aussichtsplattform Deutschlands bieten. Ihr Flachdach sollte eine Steinwolle-Dämmung inklusive Entwässerung erhalten. Kein Arbeitsplatz für schwache Nerven.

Aussicht vom Flachdach des Testturms Rottweil
Keine Baustelle für Menschen mit Höhenangst: Der Blick über die Schwäbische Alb bis hin zu den schneebedeckten Gipfeln der Schweizer Alpen ist atemberaubend. | Fotos: Rockwool

830 Meter, 632 Meter, 601 Meter – auf diese Höhenangaben kommen die derzeit drei höchsten Gebäude der Welt. Und es ist wohl nur eine Frage der Zeit, bis ein neuer architektonischer Höhenrekord aufgestellt wird. Für „Super-Hochhäuser“ wie den Burj Khalifa in Dubai braucht man modernste Aufzugtechnologien. An der Entwicklung solcher Systeme arbeitet die Thyssenkrupp Elevator AG. Um neue Aufzüge erproben zu können, baute sie im baden-württembergischen Rottweil einen einzigartigen Testturm. Der hat mittlerweile seine „Zielhöhe“ von 246 Metern erreicht. In insgesamt 12 Schächten werden hier Aufzuglösungen erprobt, die sich mit bis zu 64,8 Kilometer in der Stunde bzw. 18 Meter pro Sekunde auf- und abwärts bewegen.

Baumaterial kommt per Helikopter

„Bereits in der Bauphase war der Turm ein echter Publikumsmagnet“, berichtet Jonas Buck von der Ed. Züblin AG. „An seinem Fuß haben wir deshalb eine Besucherplattform eingerichtet, die während der regelmäßigen Führungen häufig bis auf den letzten Platz belegt war.“ Auch eine Webcam zur Testturm-Baustelle wurde eingerichtet. Im Juli 2016 wurde per Schwerlasthubschrauber ein Kran auf die Spitze des Turms gesetzt, mit dem die Baumaterialien nach ganz oben geschafft wurden. Höchst innovativ geht es beim Wärmemanagement des Turms zu: Die Wärme aller Geräte wie Motoren und Computer wird in einem Luftspeicher aufgefangen und von dort aus über Wärmetauscher in die zu beheizenden Räume zurückgeführt.

Testturm in Rottweil
Im baden-württembergischen Rottweil entstand ein einzigartiger Testturm, in dem seit Dezember 2016 neue Aufzüge erprobt und zertifiziert werden.

Gefälledach auf kleiner Fläche

Dafür, dass die Wärme dort bleibt, wo sie benötigt wird, sorgt auf dem Dach des Turms, 17 Meter über einer Konferenzebene, 4 Meter über Deutschlands höchster Aussichtsplattform, eine 360 mm dicke Dämmung aus Steinwolle. „Zweifelsohne kein Arbeitsplatz für schwache Nerven oder Menschen, die an akuter Höhenangst leiden“, so Stefan Vurusic, Bauleiter der für den Dachaufbau verantwortlichen Karl-Heinz Lange GmbH + Co. KG aus Oberndorf. Nur rund 160 m2 umfasst die Fläche, auf der er und sein Team in knapp zweieinhalb Tagen ein Gefälledach verlegten. „Regenwasser wird mithilfe eines zweiprozentigen Gefälles und einer Punktentwässerung in zwei Abflüsse geleitet. Oberste Priorität bei der Auswahl der Baustoffe galt dem Brandschutz. Hier oben kommt keine Feuerwehr hin, nichtbrennbare Materialien sind also Pflicht.“

Wenig Platz fürs Material

Eine für die Lange-Mitarbeiter außergewöhnliche Baustelle hielt manche Besonderheit bereit. Zur Herausforderung wurde schon die Lagerung der Materialien: Dämmstoffe, Dampfbremse, Abdichtung, Befestiger – alles musste auf der kleinen Dachfläche Platz finden, durfte bei den Arbeiten aber nicht im Weg stehen. Natürlich wurden die Arbeiten erschwert durch die auf dem Dach lagernden Dämmstoffpaletten. Wenn ein Dachabschnitt gedämmt werden sollte, hieß es erst einmal umlagern. Zum anderen machte der runde Grundriss des Turms die Dämmarbeiten recht aufwändig. Jede Platte in den Randbereichen, sowohl der Grund- als auch der Gefälledämmung, musste von Hand zugeschnitten und exakt den Rundungen des Turms angepasst werden. „Die Dämmstoffmesser glühten hier nicht nur sprichwörtlich“, so Vurusic.

Dämmmaterial auf dem Testturm
Rund zweieinhalb Tage lang war die Dachfläche über der Aussichtsplattform auf 237 Metern Höhe der exponierte Arbeitsplatz für das Team der Karl-Heinz Lange GmbH+Co.KG.

Dachaufbau nach Verlegeplan

Die Basis für den Dachaufbau bildet eine gelochte Trapezprofiltragschale. „In deren Sicken haben wir zunächst Akustikfüller aus Steinwolle eingebracht und anschließend die Dampfbremse verlegt. Gemäß Verlegeplan von Rockwool ging es dann an die Montage der Gefälledämmung“, so Vurusic. Hierfür wurde auf der gesamten Fläche zunächst eine 120 mm dicke Grunddämmung aus „Durock 037“ Platten verlegt. Am höchsten Punkt des Gefälles wurde diese Grunddämmung um eine Stufendämmung mit noch einmal 120 mm Dicke, ebenfalls aus „Durock 037“, ergänzt. Das zweiprozentige Gefälle wurde exakt nach Verlegeplan mit den druckbelastbaren „Georock 037“ Platten geschaffen, die Regenwasserableitung hin zu den beiden Abflüssen erfolgt über eine mit „Keprock“ Kehlgefälleplatten erstellte Punktentwässerung. Die Dämmdicke liegt damit zwischen maximal 360 mm und 160 mm im Bereich der beiden Abflüsse.

Gewaltige Windsoglasten

Dass die Arbeiten rasch voranschritten, spricht für ein eingespieltes Team. Während zwei Mitarbeiter Platten verlegten, begannen zwei andere schon mit dem Ausrollen und Fixieren der Kunststoffdachbahn (Bauder Thermoplan). Dabei wurde selbst die mechanische Befestigung des gesamten Dachaufbaus in dieser Höhe zur Belastungsprobe für Mensch und Gerät. „Die Berechnung hat wie erwartet hohe Windsoglasten ergeben“, so Vurusic. „Entsprechend haben wir sehr schmale Dachbahnen verwendet und alle 27,5 cm einen Befestiger gesetzt. In Summe an die 3.000 Flachdachbefestiger, was für diese vergleichsweise kleine Dachfläche schon eine ,Hausmarke’ ist.“

Gemäß Verlegeplan von Hersteller Rockwool wurde mithilfe von „Georock 037“ Dämmplatten das zweiprozentige Gefälle für die Dachentwässerung geschaffen.

Einzigartiger Ausblick

So schweißtreibend die Dacharbeiten im Hochsommer auch waren, der atemberaubende Blick auf die umliegende Landschaft entschädigte selbst die beanspruchten Bauprofis ein wenig. „An klaren Tagen kann man von dort oben die schneebedeckten Gipfel der Schweizer Alpen sehen“, erzählt Jonas Buck vom Generalunternehmen Züblin. Dieser Blick und das einzigartige „Hochgefühl“ wird die ab Oktober öffentlich zugängliche Besucherplattform sicherlich zum festen Programmpunkt für viele Rottweil-Touristen machen, während unter ihnen die Aufzüge der Zukunft Fahrt aufnehmen.