Textil-Kongress: Faserbasierte Visionen für den Bau

STUTTGART, 10.10.2017 – Carbonbeton, textilbasierte Gebäudehüllen und 3D-Akustikmaterialien: Technische Textilien ermöglichen neue Entwicklungen in den Bereichen Bau und Architektur. Ende November ist Stuttgart Gastgeber für die Aachen-Dresden-Denkendorf International Textile Conference (ADD). Thema des Kongresses sind High-Tech-Anwendungen von technischen Textilien.

faserbasierte Stabbewehrung in Betonfertigteilen
Für dünnwandige Betonfertigteile: faserbasierte Bewehrungsbügel (TU Chemnitz)

Leichtes Design und neue textile Bauten in Form von selbsttragenden Fassadenelementen für Neu- wie Altbau und temporäres Bauen verspricht der Mix aus Textil- und Schaumtechnologien. Geschäumte Abstandstextilien, wie sie von der Forschungsinitiative „Zukunft Bau" in einem ersten Projekt gefördert wurden, empfehlen sich aus Sicht von Prof. Claudia Lüling von der Frankfurt University of Applied Sciences für komplexe Geometrien ebenso wie für die Gestaltung von Gebäudeoberflächen.

Auf Schallabsorbtion mit Wohlfühlambiente setzt der in Bludenz (Österreich) ansässige Modestoff-Hersteller Getzner Textil AG, der mit schichtweise aufgebauten 3D-Akustiktextilien für Bau und Architektur zugleich ein neues technotextiles Standbein begründet. Die Neuentwicklung mit strukturierter Oberfläche, die auf zusätzliche Schallabsorber aus Schaumstoff oder Vlies verzichtet, verspricht an Decken und Wänden beispielsweise von Großraumbüros eine hohe akustische Dämmung ohne Nachhall. Projektleiterin Victoria Zinnecker will in Stuttgart erste Anwendungserfahrungen „mit unserem innovativen textilen Schallschutz, ausgelegt auch für höhere Brandschutzklassen“ vorstellen.

§D-Akustiktextilien
Akustiktextilien aus Österreich fürs Wohlfühlambiente zum Beispiel in Großraumbüros | Foto: Getzner Textil AG

Carbonbeton: Stahlfrei und textilarmiert

Marco Lindner von der TU Chemnitz stellt als Beitrag zum Leichtbau stahlfreie Betonfertigteile mit gekrümmter und linear faserbasierter Stabbewehrung vor. Bisher kommen zur Lastableitung von Erd- und Wasserdrücken herkömmliche Betonteile mit Wandstärken bis 25 mm zu Einsatz. Die jetzt entwickelten, strangezogenen basaltfaserbasierten Profile mir neuartiger Faserarchitektur und Bewehrungskombination aus Bügeln und Stäben erlauben dünnwandige Betonfertigteile wie Rahmenkanäle und Abdeckplatten auch zur Verwendung in elektromagnetisch sensiblen Bereichen wie Verkehrsregelanlagen mit Induktionsschleifen: neue Perspektiven möglicherweise auch für den Gleisbau, bei der bisher jede einzelne Schwelle geerdet werden muss.

Kosten und Gewicht sparen

Gemeinsam mit den DITF-Textilforschern hat das Plochigner Ingenieurbüro Kube GmbH einen Weg gefunden, sehr kostengünstig Armierungen aus Kohle-, alternativ Glas- bzw. Aramidfasern herzustellen. In einem Spritzgussprozess werden diese mit einer thermoplastischen Kunststoffmatrix ummantelt. Durch die Armierung erhalten Bauteile einen enormen Zuwachs an Steifigkeit und Festigkeit. Anwendung findet das Verfahren bereits in den Bereichen Automotive und Maschinenbau. Denkbar ist auch der Einsatz am Bau, wo solche Carbon-Skelette konventionelle Stahl-Armierungen in Beton ersetzen und somit deutlich leichtere Konstruktionen ermöglichen.

Carbonarmierung einer Schachtabdeckung
Fasern entlang des Lastweges am Beispiel einer Schachtabdeckung aus Carbonarmierung (Kube)

ADD International Textile Conference

Termin: 30. November – 1. Dezember in Stuttgart, Kongresscentrum Liederhalle
Informationen und Anmeldung: http://bit.ly/2wkZmTu



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