Schiffstaufe am Baggersee: Schute auf Elektroantrieb umgerüstet

RODGAU, 06.09.2017 – Sie ist zehn Meter lang, drei Meter breit, wiegt zehn Tonnen und hat 28 Tonnen Auftrieb: Die „EMS Unika“ dient den Rodgauer Baustoffwerken als Transportschiff auf einem Baggersee. Und sie ist die wohl erste umgerüstete Elektro-Motor-Schute Deutschlands.

Taufe der EMS Unika
Gabriele Schrei, Leiterin technische Bearbeitung Unika Planelemente, taufte die Schute nach traditioneller Art auf den Namen „EMS Unika“.

Nach intensiver Generalüberholung setzte jetzt ein 150-Tonnen-Kran das Arbeitsschiff wieder zurück auf den Baggersee. Die war nötig geworden, weil das zuständige Regierungspräsidium zum Schutz des Grundwassers keine Verbrennungsmotoren mehr auf dem Baggersee erlaubt. Also musste der vorhandene Dieselmotor gegen einen Elektromotor ausgetauscht werden.
„Am schwierigsten war es, einen passenden Antrieb zu finden“, sagt Hubert Bachmann, Betriebsleiter der Rodgauer Baustoffwerke. Schließlich gibt es für den Umbau der Schute keine Anleitung oder einen passenden Bausatz. Motor, Batterien und Wechselrichter wurden einzeln eingekauft und aufeinander abgestimmt. Auch die Steuerung musste komplett umgebaut werden. Denn das neue Bootsgetriebe hat keinen Rückwärtsgang, stattdessen wird die Schiffsschraube um 180 Grad gedreht.

Umbau in der eigenen Schlosserei

Den aufwendigen Umbau übernahm deshalb die betriebseigene Schlosserei. Die Klappe im Boden – früher zur „Verklappung“ von nicht nutzbarem Material eingesetzt – wurde dauerhaft geschlossen. Für den Betrieb des modernen Elektromotors mit 30 KW Leistung sind Batterien mit einem Gewicht von ca. zwei Tonnen erforderlich. Sie fanden im ehemaligen Laderaum Platz. Aufgeladen werden die Batterien innerhalb von sechs bis acht Stunden an einer eigens dafür geschaffenen Ladestation.

Einhub der E-Schute per Kran
Nach dem Umbau im eigenen Werk setzte ein Kran das Arbeitsschiff wieder auf den Baggersee. | Fotos: Rodgauer Baustoffwerke

Die mittlerweile 60 Jahre alte Schute wird jetzt als Reparaturplattform für Montage- und Wartungsarbeiten am Baggerschiff und an den Schwimmbändern genutzt. 18 Tonnen Ersatzteile und Werkzeuge kann sie aufnehmen – das reicht sogar für den riesigen Greifer des Baggers.
Aber nicht nur der Elektromotor und der Anstrich sind neu, sondern auch der Name. Gabriele Schrei, Leiterin technische Bearbeitung Unika Planelemente, taufte die Schute nach traditioneller Art auf den Namen „EMS Unika“ und wünschte Schiff und Besatzung für künftige Aufgaben „immer eine Handbreit Wasser unterm Kiel“.



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