Baufahrzeuge: Modern geht anders!

KIEL, 24.05.2016 - Die Lkw-Industrie sonnt sich in dem Thema „Autonomes Fahren“, nebenbei bleibt so manche Hausaufgabe liegen. Wir fragen uns: Warum sind Bau-Fahrerhäuser so hoch? Warum gibt es noch keinen vernünftigen Abbiegeassistenten?

von Wolfgang Tschakert

Wolfgang Tschakert
Wolfgang Tschakert, Chefredakteur der bi-BauFahrzeuge

Die Laufwege auf der Bauma waren ja wieder mal endlos. Nutzfahrzeuge spielten nur die zweite Geige, aber der Weg lohnte sich, diesmal gab es Innovationen und neue Technik zu sehen. Hier trennte sich die Spreu vom Weizen, man musste nur hinsehen. Auf der einen Seite die klassischen „Weiter-wie-immer“-Lösungen, die sich mit marginalem Fortschritt begnügen. Dabei bleiben gerade beim Baueinsatz und seinen vielen Funktionen noch viele Wünsche offen. Wie wäre es endlich mit mehr Komfort fürs Fahrpersonal? Rückenschmerzen sind das Volksleiden Nummer Eins, resümiert der BKK-Gesundheitsreport, zum gleichen Schluss kommt die Techniker Krankenkasse TK. Rückenschmerzen sind für jeden zehnten Fehltag verantwortlich, Kraftfahrer sind in besonderem Maße betroffen. Und wo kann man ansetzen? Zuerst bei der Fahrzeugauswahl: Ein knüppelharter Lkw muss es heute nicht mehr sein, auch wenn er bei zahlreichen Lkw-Herstellern am Bauma-Stand stand. Warum nicht zu einer Bau-Luftfederung greifen statt zu mehrblättrigen Stahlfedern? Die Fahreigenschaften sind eindeutig besser, um die Haltbarkeit muss man sich heute keine Sorgen mehr machen. Weniger Lärm in der Kabine und eine bessere Klimatisierung heben die Produktivität, Fortschritt zahlt sich am Ende des Tages aus. Es geht nicht nur ums Fahren. Muss ein Fahrer den schweren Heckunterfahrschutz anheben, ist ein Verschleiß an der Wirbelsäule vorprogrammiert. Sportlehrer und Trainer warnen: Niemals Eisen stemmen ohne Aufwärmen. Warum wird dieser Eisenprügel im Heck noch nicht hydraulisch angehoben? Lässt man den Blick auf die Bordwände und auf die Abdeckplanen schweifen, versteht man als technikaffiner Lkw-Tester die Welt nicht mehr. Schwerstarbeit wird verlangt, die Verletzungsgefahr lauert auf Schritt und Tritt und könnte mit einer Techniklösung einfach behoben werden.

Derweil sonnt sich die Lkw-Industrie mit dem Thema „Autonomes Fahren“, nebenbei bleibt so manche Hausaufgabe liegen. Wir fragen uns: Warum sind Bau-Fahrerhäuser so hoch? Warum gibt es noch keinen vernünftigen Abbiegeassistenten? Der muss auch in den schweren Baufahrzeugen Einzug halten, die sich täglich ins Verkehrsgetümmel der Agglomerationen werfen – müssen jedes Jahr Radfahrer und Fußgänger sterben, weil sie der Lkw-Fahrer übersieht? Bei den kleineren Fahrzeugformaten fällt auf, dass sogar große Anbieter die Bauwirtschaft links liegen lassen. Allenfalls „Second-Best“-Ansprüche werden erfüllt, so mancher Transporter und Klein-Lkw lässt sich zwar günstig produzieren, aber nicht reparieren.
Das sollten sich die Baukunden nicht bieten lassen, sie haben es auch nicht nötig. Mehr als 20 Prozent der Gesamtproduktion an Nutzfahrzeugen finden im Baugewerbe Beschäftigung. Grund genug für die Fahrzeugindustrie, sich mit unseren Geschäftsmodellen intensiver zu beschäftigen. Auch wir geben unser Bestes dazu – sichten und testen fortlaufend das Angebot.  Und fokussieren auf Innovationen, die Baubetriebe weiterbringen.