Vor der Übernahme durch Fayat: Was wird aus Dynapac?

KIEL, 14.03.2017 – Das Experiment ist beendet: Atlas Copco trennt sich nach knapp zehn Jahren wieder vom Straßenbaugeschäft. Die Fertiger, Beschicker, Fräsen und Walzen der Marke Dynapac sollen schon bald zur französischen Fayat-Gruppe gehören.

von Hendrik Stellmach

Dynapac-Werk in Wardenburg

Auf dem Dynapac-Werksgelände in Wardenburg – hier eine Aufnahme von 2012 – wird bald wahrscheinlich Gelb die bestimmende Farbe sein. Mit dem Abschluss der Übernahme durch Fayat wird bis Jahresmitte gerechnet. | Foto: bi

Die Abteilung Straßenbaumaschinen, Teil des Atlas Copco-Geschäftsbereichs Bautechnik, produziert Asphalt- und Erdbauwalzen, Fräsen und Fertiger unter der Marke Dynapac. Dazu gehören Vertriebs- und Servicestätten in 37 Ländern und – neben dem deutschen Werk im niedersächsischen Wardenburg – weitere Produktionsstätten in Schweden, Brasilien, Indien und China. Insgesamt sind 1.265 Mitarbeiter beschäftigt, der Umsatz lag 2016 bei 309 Millionen Euro. Durch den Verkauf muss Atlas Copco im Geschäftsjahr 2016 Abschreibungen auf den Firmenwert in Höhe von 127 Millionen Euro vornehmen.

Produktprogramm sortieren

Ganz überraschend kommt die Übernahme durch die Fayat-Gruppe nicht, ist doch die Zahl der Wettbewerber und insbesondere Spezialisten in diesem
Produktsegment in Europa überschaubar. Spannend wird sein, wie Fayat mit dem Nebeneinander recht ähnlicher Produktbereiche bei Bomag und Dynapac umgeht.
Normalerweise ergibt eine solche Zweigleisigkeit keinen Sinn, es sei denn – und das könnte die Option sein, die Fayat zieht –, man vermarktet die Marken
zielgerichtet in unterschiedlichen Regionen.

Gerade erst, zwischen 2013 und 2015, hat Bomag sein 2006 vom italienischen Hersteller Marini erworbenes Fertigerprogramm erneuert. Technisch gesehen fingen
die Bopparder mit dieser neuen, der Strich-2-Maschinengeneration insbesondere an, Expertise bei großen Einbaubreiten bis 13 Meter aufzubauen. Auch im
schwierigen, von wenigen, spezialisierten Dienstleistern dominierten Markt der Großfräsen hat Bomag erst in den letzten beiden Jahren – maßgeblich seit der
Markteinführung seiner ersten komplett in Boppard entwickelten und gebauten Großfräse BM2000/75 im Jahr 2015 – begonnen, bei wichtigen Kunden einen Fuß in
die Tür zu bekommen. Fraglich, ob oder wie lange Fayat nach der Übernahme der Dynapac-Fertiger und -Kaltfräsen die Produktlinien beider Marken
nebeneinander weiterführen wird.

Das erste Opfer der neuen Liaison könnten – zumindest auf dem deutschen Markt und möglicherweise weiteren europäischen Märkten – die Walzen von Dynapac
sein, steht doch hier in der Fayat-Gruppe mit Bomag bereits ein anerkannter Verdichtungsspezialist zur Verfügung. Keine Probleme sind dagegen beim
Beschicker zu erwarten: Die Maschine wird seit Anfang 2016 im Rahmen einer Kooperation weitgehend baugleich von Bomag als BMF 2500 und von Dynapac als MF
2500 angeboten.
Dynapac-Radfertiger SD1800W
Anfang 2016 neu ins Fertigerprogramm von Dynapac gekommen: der Radfertiger SD1800W mit 0,70 bis 4,70 Metern Einbaubreite. | Foto: Atlas Copco


Rolle rückwärts

Für Atlas Copco endet mit dem Verkauf ein knapp zehnjähriges Experiment. 2007 übernahmen die Schweden Dynapac inklusive seiner zwei deutschen Werke in Lingen und Wardenburg. Gerade eineinhalb Jahre nach der Übernahme schloss Atlas Copco Ende 2010 das Lingener Werk und verlagerte die Produktion der Fräsen und Straßenfertiger nach Karlskrona und Wardenburg. 2012 lösten die Schweden die alte, am Standort verwurzelte Führungsmannschaft in Wardenburg ab und setzten eine neue, aus Belgien und den Niederlanden rekrutierte Geschäftsführung ein, die mit ihren Erfahrungen aus dem Kompressorengeschäft und anderen erfolgreichen Geschäftsbereichen von Atlas Copco den Aufschwung des Fertiger-Geschäfts in Wardenburg einleiten sollte. Doch die Hoffnungen erfüllten sich nicht, offenbar auch weil Atlas Copco seine Straßenbauziele doch nicht mit der nötigen Konsequenz verfolgte.

Nun hat sich der Konzern vollständig aus dem Segment zurückgezogen. Ob die Schweden das Straßenbaugeschäft unterschätzt haben oder ob sich in zehn Jahren die Marktsituation so entscheidend geändert hat, dass eine Kurskorrektur notwendig wurde, wird wahrscheinlich Atlas Copcos Geheimnis bleiben. Offiziell teilte die Konzernspitze in Stockholm mit, das Straßenbaugeschäft verfüge nicht über die erforderliche Größe, um weltweit die Nummer Eins oder Zwei in diesem Marktsegment zu werden. Dies sei aber der Anspruch von Atlas Copco für alle seine Aktivitäten.