Prognose angehoben: Bauindustrie rechnet mit 5% mehr Umsatz

BERLIN, 21.09.2016 – Die deutsche Bauwirtschaft hat ein ausgesprochen gutes erstes Halbjahr erlebt. Die starke Nachfrage in allen Sparten übertrifft alle Erwartungen. Der Hauptverband der Deutschen Bauindustrie hebt deshalb nun seine Umsatzprognose von 3,5 auf 5 Prozent an.

Neue Umsatzprognose 2016
Die Zahlen sind besser als noch im Frühsommer erwartet. Der Bauindustrieverband hat daraufhin seine Umsatzprognose angehoben.
Das erste Halbjahr hat der Bauindustrie ein sattes Umsatzplus von 8,5 % beschert. „Zu dieser Entwicklung hat nicht nur der milde Winter zu Jahresbeginn beigetragen, es war vor allem eine starke Nachfrage über alle Bausparten, die den Bau angetrieben hat“, sagte Peter Hübner, Präsident des Hauptverbandes der Deutschen Bauindustrie, heute in Berlin. „Wir heben deshalb unsere Umsatzprognose gegenüber dem Frühsommer von 3,5 auf nominal 5 % an. Bei einer moderaten Preissteigerung von 1,5 % bleibt ein reales Umsatzplus von 3,5 %.“
Die Befürchtung, dass ein Großteil der Aufträge zu Beginn des zweiten Halbjahres bereits abgearbeitet sein könnte, habe sich nicht bestätigt, so Hübner. Im Gegenteil, ein Auftragsplus von 18,1 % im ersten Halbjahr habe die Auftragsbücher der Bauunternehmen weiter gefüllt. Die Auftragsbestände hätten Ende Juni ein Niveau erreicht, das die Branche zuletzt zum Ende des Aufschwungs Ost im Jahr 1995 gesehen habe.


Über 10.000 neue Stellen geschaffen


Von der guten Konjunktur werde auch die Beschäftigung profitieren, so Hübner. Die Branche erwarte für dieses Jahr im Durchschnitt einen Beschäftigungsstand von 775.000 Erwerbstätigen, das sind 1,5 % mehr als im Vorjahr. Damit hätte die Branche über 10.000 zusätzliche Stellen geschaffen.
Die stärkste Korrektur hat der Hauptverband im Wohnungsbau mit einer Anhebung der Umsatzprognose von 6 auf 8 % vorgenommen. Hübner: „Vor allem die Wanderungsbewegungen innerhalb Deutschlands in die Ballungszentren, aber auch die niedrigen Zinsen und die Zuwanderung haben den Wohnungsbau beflügelt. Wir erwarten, dass die Fertigstellungszahlen in diesem Jahr - im Vergleich zum vergangenen Jahr - deutlich zulegen werden. Wir gehen für 2016 von rund 270.000 fertiggestellten Wohnungen aus, das sind 9 % mehr als 2015.“
Beim öffentlichen Bau hält der Verband an seiner ursprünglichen Prognose von 4 % Umsatzwachstum fest. „Der von Bundesverkehrsminister Dobrindt eingeleitete ‚Investitionshochlauf‘ wirkt sich zwar positiv auf den Bundesfernstraßenbau aus, allerdings ist die Entwicklung bei den Kommunen – auf die immer noch 55 % der öffentlichen Bauausgaben entfallen – schwer einzuschätzen“, so Hübner. Die hohen Sozialausgaben und die damit oft einhergehende angespannte Haushaltslage vieler Gemeinden ließen steigende Investitionen gerade in strukturschwachen Regionen nicht zu.

Wirtschaft investiert mehr als erwartet


Dagegen läuft der Wirtschaftsbau besser als erwartet. Hier rechnet der Verband statt mit nominal 1 % nun mit 3,0 % Umsatzwachstum. Im ersten Halbjahr habe sich vor allem der Umsatz im Wirtschaftstiefbau erfreulich entwickelt, so Hübner. Die Deutsche Bahn nutze ihre zusätzlichen Mittel, um ihre Infrastruktur auf Vordermann zu bringen. Hübner befürchtet allerdings, dass die Bahn damit bald an ihre Grenzen stoßen könnte. „Zu viele Baustellen behindern den Fahrplan, man möchte nicht noch mehr Kunden an die Busunternehmen verlieren.“ Aber auch der Wirtschaftshochbau laufe gut. Zweistellige Zuwächse bei den Auftragseingängen im ersten Halbjahr ließen ein deutliches Umsatzplus im zweiten Halbjahr erwarten. Hübner: „Die Unternehmen haben ihre Investitionen unerwartet stark erhöht, trotz skeptischer Töne über die gesamtwirtschaftlichen Perspektiven.“ bi