Sozialer Wohnungsbau:

Bauindustrie fordert Lockerung bei der Vergabe

BERLIN, 30.09.2015 – In den nächsten vier Jahren stockt der Bund seine Zahlungen an die Bundesländer für den sozialen Wohnungsbau um jeweils 500 Millionen Euro auf. Die Bauindustrie begrüßt den Schritt, fordert aber weitere Maßnahmen für den Bau bezahlbarer kommunaler Wohnungen – unter anderem mehr Flexibilität bei der Auftragsvergabe.

Michael Knipper
Kommunen sollen selbst entscheiden
können, ob sie die Koordination der
Gewerke selbst übernehmen oder einem
Generalunternehmer übertragen, meint
Michael Knipper, Hauptgeschäftsführer
des Hauptverbandes der Deutschen
Bauindustrie

„Mit der Aufstockung der Bundeszuweisungen für den Wohnungsbau um jeweils 500 Mio. Euro für die Jahre 2016 bis 2019 geht der Bund einen wichtigen Schritt für eine bedarfsgerechte Unterbringung der Flüchtlinge“, hieß es vom Hauptverband der Deutschen Bauindustrie in einer gemeinsamen Erklärung mit dem Deutschen Städte- und Gemeindebund. „Es müssen aber weitere Voraussetzungen geschaffen werden, um jetzt schnell kostengünstigen Wohnraum errichten zu können“, sagte Hauptgeschäftsführer Michael Knipper.
Notwendig sei mehr Flexibilität in der Ausschreibung und der Vergabe von kommunalen Wohnungsbauprojekten. Mit Blick auf den hohen Wohnungsbedarf in Folge der Flüchtlingswelle müsse der Vorrang der Fach- und Teillosvergabe gelockert werden – mit dem Ziel, Kosten- und Zeiteinsparungen sowie Synergieeffekte im kommunalen Wohnungsbau zu erzielen. Es solle in der Entscheidungsfreiheit der Kommunen liegen, ob sie die Koordination der Gewerke selbst übernehmen oder einem Generalunternehmer übertragen, forderte Knipper. Eine entsprechende Klarstellung solle im Rahmen der anstehenden Beratungen des Gesetzes gegen Wettbewerbsbeschränkungen in § 97 Abs. 4 GWB aufgenommen werden.

EnEV-Verschärfung aussetzen

Von der Politik erwarten der Deutsche Städte- und Gemeindebund sowie die Bauindustrie zudem eine zumindest zeitweise Aussetzung kostentreibender Standards im Wohnungsbau. So solle auf Erhöhung der EnEV-Anforderungen, die zum 1. Januar 2016 in Kraft treten sollen, verzichtet werden. Die Belastung aus der EnEV-Verschärfung werde von Experten der Wohnungswirtschaft mit 7.200 Euro pro Wohneinheit beziffert.
Zu empfehlen sei, dass Kommunen bei der Umsetzung des Programms verstärkt auf industrielle Bauweisen zurückgreifen, so die Verbände. Statt in Unikaten zu denken, müssten verstärkt auch Prototypen entwickelt werden, die dann deutschlandweit in Serie umgesetzt werden könnten. Dadurch könne man sich auch aufwendige Genehmigungsverfahren ersparen. bi