Ohne Betonkern: Norweger bauen das größte Holzhochhaus der Welt

MOELV (NOR), 08.02.2018 – In der norwegischen Kleinstadt Brumunddal entsteht zurzeit das weltgrößte Hochhaus aus Holz. Mit seinen 18 Stockwerken wird das „Mjøstårnet“ über 80 Meter hoch. Das Besondere: Das Gebäude wird ausschließlich aus Holz erstellt - ohne Betonkern.

Von Britta Brinkmeier

Rune Abrahamsen auf der Baustelle des Mjoestarnet
Rune Abrahamsen, Chef der Firma Moelven Limtre AS, im demnächst höchsten Holzhochhaus der Welt. | Foto: Bjørk Ellingsbø/Anti

Für die Konstrukteure ist das Gebäude technisch gesehen wie eine senkrecht stehende Holzbrücke, sagt Rune Abrahamsen. Er ist Chef der norwegischen Firma Moelven Limtre AS, die die Holzträger liefert. Von Moelven Limtre kamen unter anderem auch schon die Brettschichtholz-Binder für das „Treet“ in Bergen, das mit 51 Metern aktuell noch den Rekord des größten Holzhochhauses der Welt hält. Diese Höhe hat das „Mjøstårnet“ inzwischen schon übertroffen. Mit dem Bau in Brumunddal, nordöstlich von Oslo, wurde im September 2017 begonnen, bezogen werden soll es im März 2019.

Errichtet wird das Gebäude nach Informationen von Moelven Limtre komplett aus Brettschichtbindern, Kreuzlagenholz und Furnierschichtholz. Die Nutzung ist gemischt: Die unteren Etagen werden zu Büros, vier Stockwerke bis zur 9. Etage sind für ein Hotel vorgesehen, in die oberen sieben Stockwerke kommen Wohnungen. Das stellt hohe Anforderungen an die Konstruktion, da hohe Holzgebäude wegen ihres geringeren Gewichts stärker schwingen als solche aus Stahlbeton. Zumal das „Mjøstårnet“ nur 16 Meter breit ist.

Illustration des Mjoestarnet von Voll Architekten
So wird das „Mjøstårnet“ mit seinen 18 Stockwerken einmal aussehen. | Illustration: Voll Arkitekter

Betonplatten als Schwingungsdämpfer

Bis zu 14 Zentimeter weit wird das Hochhaus bei starkem Wind an seiner Spitze schwingen, haben die Planer berechnet. Darauf haben die Betonplatten, mit denen die oberen sieben Stockwerke beschwert werden, allerdings keinen Einfluss, sagt Rune Abrahamsen. Sie sollen mit ihrem Gewicht lediglich die Schwingungen verlangsamen, „um die Bewohner vor ‚Seekrankheit‘ zu bewahren“. Für ihn sind Rekorde im Holzbau eine Frage der Breite: „Größere Breiten bedeuten, das Gebäude schwingt weniger. Ein breiteres Gebäude würde es unproblematisch machen, höher als 100 oder 150 Meter zu bauen, möglicherweise noch höher.“

Jagd nach Rekorden im Holzbau

Mittlerweile wird international um Rekorde beim Bau von Holz-Hochhäusern gerungen. Das wirft allerdings auch die Frage nach einer angemessenen Definition auf. Sogenannte Hybrid-Holzhäuser mit Betonkern wie das HoHo in Wien oder das SKAIO in Heilbronn könnten nach dieser Klassifizierung im Wettkampf um den höchsten Holzhochhaus-Bau nicht mehr antreten.

Für Rune Abrahamsen ist der Klimaschutz wichtiger als Weltrekorde. | Foto: Bjørk Ellingsbø/Anti

Über Moelven

Die Moelven-Gruppe ist ein skandinavischer Bauzulieferer mit insgesamt über 3.600 Beschäftigten und einem Gesamtjahresumsatz von annähernd 10 Milliarden Norwegischen Kronen. Die Gruppe verfügt über 52 Produktionsstätten und ist in die drei Sparten Timber, Wood und Building Systems gegliedert. Hauptgesellschafter sind u.a. fünf Waldbesitzerorganisationenen. Verkaufsbüros befinden sich in Norwegen, Schweden, Dänemark, Großbritannien, Deutschland und den Niederlanden, die Moelven Deutschland GmbH hat ihren Sitz in Hamburg.