OECD-Studie: Öffentliche Beschaffung in Deutschland

BERLIN, 4. November 2019 - Deutschland hat seine öffentliche Beschaffung erfolgreich reformiert – aber es bleiben Bereiche mit Nachholbedarf. Dies ist das Ergebnis einer neuen OECD-Studie. 

Die Studie nahm sechs Aspekte öffentlicher Beschaffung in den Blick, die für den deutschen Kontext besonders relevant sind:

  1. Wirtschaftlicher Einfluss öffentlicher Beschaffung auf die deutsche Wirtschaft 
  2. Rechtsrahmen und Steuerungsstruktur für öffentliche Beschaffung und wie beide die Grundlage für die Beschaffung bilden
  3. Zentralisierung und das Ausmaß, in dem die öffentliche Beschaffung Skaleneffekte und andere Vorteile gebündelter Beschaffung zu nutzen vermag
  4. Elektronische Vergabe als Voraussetzung für Leistungsstärke und Rechenschaftspflicht
  5. Strategische Beschaffung und wie die vielfältigen Auswirkungen öffentlicher Beschaffung sorgfältig abgewogen werden
  6. Humankapital und wie Beschaffer ihre Tätigkeit mit Zusammenspiel mit strategischen, rechtlichen und institutionellen Vorgaben ausführen

Ergebnisse und Empfehlungen

Die Studie „Öffentliche Vergabe in Deutschland – Strategische Ansatzpunkte zum Wohl der Menschen und für wirtschaftliches Wachstum“ zeigt die Bedeutung der öffentlichen Beschaffung in Deutschland. Die öffentliche Hand ist ein wichtiger Auftraggeber: Etwa 35 Prozent der deutschen Staatsausgaben, umgerechnet 500 Milliarden Euro, fließen über die öffentliche Auftragsvergabe in Bildung, Gesundheit, Infrastruktur und andere Bereiche.

Deutschland sei es in den letzten Jahren gelungen, die öffentliche Beschaffung deutlich zu modernisieren und zu verbessern. Das sei nicht zuletzt ein Verdienst der 2016 in Kraft getretenen Vergaberechtsreform. Es sei jetzt für die öffentliche Hand leichter, Vergabeverfahren durchzuführen, und für Unternehmen einfacher, daran teilzunehmen. Bei der strategischen und nachhaltigen Beschaffung sei die deutsche Praxis in vielen Teilen beispielhaft.

Dennoch gibt es der Studie zufolge in allen untersuchten Bereichen ungenutztes Potential.

Die Studie empfiehlt, die Vergabe in Deutschland stärker zu bündeln. Wenn der Bedarf verschiedener Stellen zentral erfasst und die Aufträge gebündelt vergeben würden, würde das Kosten und bürokratischen Aufwand mindern.

Auch habe Deutschland im Bereich der digitalen Auftragsvergabe Nachholbedarf. In vielen anderen OECD-Ländern werde ein wesentlich größerer Anteil der öffentlichen Aufträge digital gesteuert. Eine zunehmende Digitalisierung der Vergabe und eine stärkere Vernetzung der elektronischen Vergabesysteme auf Bund-, Länder- und Kommunalebene hätte dabei den Vorteil, dass sich Daten leichter sammeln und vergleichen ließen. Mit diesen Daten könne dann die Vergabepraxis stetig optimiert werden.

Zudem sollte Deutschland in die Professionalisierung seiner Beschaffer investieren. Viele von ihnen wären Generalisten, ihnen fehle die in diesem Bereich oftmals nötige spezifische Ausbildung. Hier sei es ratsam, in Weiterbildung zu investieren und – wie in anderen Ländern bereits der Fall – die Tätigkeit des Beschaffers zu einem eigenständigen Berufsbild mit entsprechender Zertifizierung zu machen.

Hier geht es zum deutschen Text der OECD-Studie

(Quelle: OECD Berlin Centre) | B_I MEDIEN

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