Die unsichtbare Gefahr: Pilze an Gehölzen

VEITSHÖCHHEIM, 12.05.2017 – Verschleppte Pilze an Gehölzen  können sich mitunter zu wahren Epidemien, mit teilweise verheerenden Folgen für bestimmte Baumarten, entwickeln. Besonders wichtig ist vor diesem Hintergrund das Wissen, welche Baumarten für welche Art von Pilzen anfällig sind und was die möglichen Konsequenzen eines Befalls sind.

Von Frank Angermüller, Veitshöchheim

Der Fruchtkörper des Schwefelporlings ist essbar
Ab Juni bis in den Herbst hinein findet man die essbaren Fruchtkörper des Schwefelporlings(Laetiporus sulphureus) an den betroffenen Bäumen. Sie wachsen von der Stammbasis bis in die Krone hinauf.

Im Laufe der Evolution hat sich zwischen den einheimischen Gehölzen und ihren Krankheiten ein Gleichgewicht eingestellt. Aufgrund der Zunahme des globalen Handels erhöht sich jedoch die Gefahr, Krankheiten mit lebenden Pflanzen, mit Erde in Pflanzencontainern, aber auch mit Holzprodukten und vor allem mit Verpackungsmaterialien, einzuschleppen. So gelangen auch Pilze nach Deutschland, die in ihren Heimatländern oft harmlos sind, jedoch in neuen Gebieten mit potenziellen neuen Wirtspflanzen sich zu Epidemien entwickeln können wie z. B. beim Ulmen-, Erlen- oder Eschensterben. Außerdem werden bodenständige Arten von Pilzen, die früher nur lokale Bedeutung hatten, mehr und mehr flächig verbreitet. In Einzelfällen stellen Pilze auch direkt für den Menschen eine gesundheitliche Gefahr dar, wie die seit ca. 2005 in Deutschland auftretende Rußrindenkrankheit (Entzündung von Lungenbläschen) an Ahorn zeigt.

Besondere Belastungen für Straßenbäume

Straßen- und Parkbäume sind insbesondere durch den Klimawandel und aufgrund der Belastungen am Standort (Abgase, Hundeurin, Streusalz…) besonders anfällig gegenüber dem Befall mit Pilzen. Hinzu kommt die Versiegelung, die zu zusätzlichem Stress im Wurzelbereich führt. Die Folge ist eine deutliche Verminderung der Vitalität im Laufe der Jahre, die den Befall mit Pilzen begünstigt. Ein gesunder und vitaler Baum dagegen besitzt die Möglichkeit die Ausbreitung von Pilzen zu stoppen, wie es Shigo (1979) in seinem Kompartimentierungsmodell (CODIT) beschreibt. CODIT steht dabei für „Compartmentalization of Decay in Trees“ (Abschottung von Fäule in Bäumen). Die Ausbreitung hängt aber auch davon ab, ob es sich um eine gut (z. B. Quercus) oder weniger gut abschottende Baumart (z. B. Populus) handelt.

Die Hallimasch-Arten befallen bevorzugt vorgeschädigte Bäume
Hallimasch-Arten (z. B. Armillaria mellea)
sind in der Lage vorgeschädigte
(Trockenheit, Schädlingsbefall…) und
somit wenig vitale Gehölze innerhalb
kurzer Zeit zu befallen und abzutöten.

Neomyceten besonders problematisch

Pilze (Neomyceten) aus anderen Ländern sind in Zukunft verstärkt im städtischen Bereich zu erwarten, da viele ausländische Gehölzarten besonders in Gärten und Parks vorkommen. Als Neomycet bezeichnet man einen Pilz, der mit direkter oder indirekter menschlicher Unterstützung nach 1492 in ein Gebiet gelangte, in dem er zuvor nicht heimisch war oder der dort unter anthropogenem Einfluss entstanden ist. Im Rahmen einer Untersuchung in der Schweiz konnten 283 Neomyceten, die mit Pflanzen assoziiert sind nachgewiesen werden. Die Herkunft, Verbreitung und Häufigkeit eines großen Teils der nicht heimischen Pilzarten ist in den meisten Fällen heute nur unzureichend bekannt

Unterschiedliche Arten von Pilzen und Krankheiten

Es gibt eine Vielzahl von Krankheiten wie Welken, Rindennekrosen oder Holzfäulen, die durch unterschiedliche Arten von Pilzen hervorgerufen werden können. Manche Pilze leben lange Zeit verborgen im Holzinneren oder an den Wurzeln und sind damit unsichtbar. Da der Abbau von Holz am lebenden Baum in der Regel von Pilzen mit parasitischer Lebensweise verursacht wird, ist die Kenntnis von deren Wirkungsweise wichtig. Schon vor dem Auftreten von Pilzfruchtkörpern hat in der Regel ein fortgeschrittener Abbau des Holzes stattgefunden, da die Zersetzung des Holzes unabhängig von der Ausbildung von Fruchtkörpern stattfindet. Der Bestimmung der Art des Pilzes kommt dabei zentrale Bedeutung zu, um den Schaden am Baum zu beurteilen und die notwendigen Maßnahmen einleiten zu können.

Brandkrustenpilz führt zu Weißfäule

So ist der Brandkrustenpilz (Kretzschmaria deusta) in der Lage Laubgehölze über die Verletzungen von Wurzeln zu besiedeln. Die Folge ist eine Weißfäule im Bereich des Stockes. Der Brandkrustenpilz kann dabei sehr lange (über Jahrzehnte) sich im Gehölz befinden, ohne dass von außen Symptome erkennbar sind. Hinzu kommt, dass die in der Endphase der Besiedlung eher unauffälligen Fruchtkörper entweder nicht erkannt oder nicht als problematisch eingeschätzt werden. Bilden sie dann jedoch Fruchtkörper, sollten diese bestimmt und die damit verbundene Problematik erkannt werden. So sind zahlreiche Pilzfruchtkörper nur einjährig und oft nur kurze Zeit zu sehen. Das Entfernen ist in der Regel keine Lösung, da sie nur die Vermehrungsorgane der Pilze sind.

Die Fäule des Eichen-Feuerschwamms kann zur Minderung der Bruchsicherheit bei Eichen führen
Eine durch die Fäule des Eichenfeuer-
schwamms (Fomitiporia robusta)
verursachte Minderung der Bruch-
sicherheit kann bei Eichen häufig
über Jahre durch verstärkten Zuwachs
kompensiert werden. | Fotos: Angermüller

Kontrolle von Bäumen bedeutet Mehraufwand

Kommunen müssen in der Zukunft erheblichen Mehraufwand für die Kontrolle von Bäumen leisten und somit zusätzliche Kosten tragen. So ist es für die Kontrolle auf Massariabefall bei Platanen mittlerweile notwendig, Hubarbeitsbühnen oder Baumkletterer einzusetzen, um bis in die Krone hinein die Oberseite der Äste zu untersuchen. Außerdem reicht vielerorts der bisher übliche einjährige Rhythmus zur Überprüfung der Verkehrssicherheit nicht mehr aus. Einige Städte haben mittlerweile auch damit begonnen, ihre Grünflächen nach und nach umzustellen. Dieser Prozess wird über Jahrzehnte andauern. In diesem Rahmen ist es auch notwendig, neue Baumarten mit zu berücksichtigen. Aber auch bei den neuen Arten/Sorten sind Krankheiten und Schädlinge natürlich nicht auszuschließen. Im Rahmen verschiedener Forschungsprojekte ist man daher auf der Suche nach alternativen Baumarten, die das Stadtklima der Zukunft besser vertragen.

Zum Autor

Der Diplom-Forstwissenschaftler ist seit 96 in der Abteilung Landespflege an der Bayerischen Landesanstalt für Weinbau und Gartenbau beschäftigt. Dort ist er dem Sachgebiet Freiraumplanung und Wettbewerbe zugeordnet. Den Schwerpunkt seiner Tätigkeit bildet die Unterrichtserteilung an der Staatlichen Meister- und Technikerschule für Weinbau und Gartenbau Veitshöchheim in der Fachrichtung GaLaBau - speziell die Bereiche Pflanzenökologie (Gehölzkunde), Pflanzenschutz, Baumpflege, Holzbau sowie Spielplatzbau. Zudem ist er als Sachbearbeiter für die Organisation des Dorfwettbewerbs "Unser Dorf hat Zukunft - Unser Dorf soll schöner werden" auf Landesebene zuständig. Seine besondere Aufmerksamkeit - auch bei der privaten Gehölzanzucht - gilt der Art Ginkgo biloba. bi