20 Jahre Pirtek Deutschland: Technische Dienstleistung erfolgreich aufgebaut

KIEL, 10.03.2017 – Ende 96 gründete Bernd Weber die Pirtek Deutschland GmbH in Köln. Pirtek ist als Franchisesystem organisiert und Anbieter einer technischen Dienstleistung: 1996 in Deutschland bis dato etwas Ungewöhnliches, erklärten Weber, seit Ende 2016 im Ruhestand, und Michael Thiehofe, seit Jahresbeginn alleiniger Geschäftsführer von Pirtek Deutschland, in einem Pressegespräch.

Von Ebba Stoffregen, Kiel/Hannover

Thiehofe und Weber von Pirtek
Michael Thiehofe (l.), seit Jahresbeginn alleiniger Geschäftsführer von Pirtek Deutschland, und Firmengründer Bernd Weber, der sich Ende letzten Jahres in den Ruhestand verabschiedet hat.

Die Geschäftsidee hinter Pirtek stammt aus Australien: Dort hatten die zwei Geschäftsfreunde Wally Davey und Peter Duncan 1979 die Idee, einen Liefer- und Austauschservice für Hydraulikschläuche zu etablieren. Sie gründeten ein Unternehmen mit dem Namen Pirtek – abgeleitet von Pirelli Technologies – und beschränkten sich zunächst auf den Thekenservice. Für den parallel laufenden mobilen Service mussten die Produkte im Vorfeld ausgewählt wurden, damit Installationsarbeiten vor Ort ausgeführt werden konnten. Im weitläufigen Outback war eine solche Dienstleistung willkommen und so dauerte es nicht lange, bis sie mit speziell angefertigten Werkstattwagen den mobilen Service ausbauten.

Internationales Franchisesystem

Das Unternehmen wuchs so gut, dass 1986 einige Mitarbeiter Niederlassungen in eigener Geschäftsführung gründeten. Der Ausbau und die Internationalisierung des Franchisesystems nahmen ihren Lauf. 1988 erwarben die Engländer Peter Brennan und Forbes Petrie gemeinsam mit Duncan die Europarechte für das System und gründeten die Pirtek (UK) plc. mit Sitz in London. 1996 firmiert Pirtek (UK) plc. um und wird zu 100% Tochtergesellschaft der Pirtek Europe Ltd. Im selben Jahr gründet Bernd Weber die Pirtek Deutschland GmbH als 100-prozentige Tochter von Pirtek Europa Ltd. Der Aufbau des Systems war allerdings mit einigen Hürden verbunden: „Zum damaligen Zeitpunkt waren Franchisesysteme hierzulande noch relativ unbekannt und unter Service verstand man, Kunden die Tür aufzuhalten – und dafür zahlte doch keiner Geld“, sagte Weber. Kein Hydraulikschlauchservice hätte damals einen Schlauch ein- oder ausgebaut, alle verkauften lediglich ihre Produkte in stationären Werkstätten. Es hätte viel Kraft und Energie gekostet, so Weber weiter, die Kunden mit diesem Servicegedanken bekannt zu machen und davon zu überzeugen, dass guter und schneller Service Geld wert ist.

Reaktionszeit unerreicht

20 Jahre später hat Pirtek mit 69 Centern, das 70. wird derzeit bereits aufgebaut, und 272 mobilen Fahrzeugen ein flächendeckendes Servicenetz in Deutschland etabliert. Der Gesamtumsatz der deutschen Center belief sich im Jahr 2015 auf rund 41,6 Mio. Euro. Die Pirtek Deutschland GmbH fungiert zudem für Österreich als Franchisegeber. Drei Center sind im Nachbarland bereits gestartet, weitere sollen folgen. Neben diesen Pirtek-Standorten bestehen 91 Servicecenter in Großbritannien, 96 in Australien, 20 in Neuseeland, 52 in den USA, 19 in Benelux, 13 in Südafrika sowie jeweils ein Center in Singapur, China, Kanada und der Mongolei.

Einzigartiges Serviceversprechen

Das Besondere sei aber nicht die weltweite Expansion der technischen Dienstleistung als Franchisesystem, sondern das Serviceversprechen: „Im Falle von Hydraulikschlauchdefekten ist Pirtek bei einer Anfahrt von 50 km innerhalb einer Stunde vor Ort“, so Weber. „Eine Reaktionszeit, die bis dato im deutschen Markt unerreicht ist“, ergänzt Thiehofe. Bei ca. 125.000 Einsätzen im Jahr 2016 hätte Pirtek eine durchschnittliche Reaktionszeit von 35 Minuten erreicht und damit das eigene Serviceversprechen deutlich unterboten.

GaLaBau-Betrieb setzt auf Pirtek-Service

Neben dem Service im Havariefall bietet Pirtek das sogenannte Schlauchmanagement an. Auf Kundenwunsch überprüfen Pirtek Servicetechniker in den durch die DGUV vorgeschriebenen Intervallen, ob Verschleißerscheinungen oder Beschädigungen an Hydraulikschlauchleitungen vorliegen und tauschen diese ggf. aus. Auf das gesamte Leistungsangebot setzt auch die in Nürnberg ansässige GaLaBau-Firma Nordgrün, die 1996 von Ulrich Schäfer gegründet wurde. Das mittelständische Unternehmen mit 40 Mitarbeitern verfügt über einen gut bestückten Fuhrpark mit u.a. acht Radladern und sechs Baggern. Investiert wird in diesem Jahr noch in einen 15-t-Bagger.

Maschinenstillstand durch Hydraulikschlauchdefekt

Das Pirtek Center in Nürnberg, 2004 eröffnet und 2012 von Alexander Heimlich übernommen, betreut Nordgrün seit 2012. Geschäftsführer Schäfer ist überzeugt vom schnellen und zuverlässigen Service und lässt seine Maschinen regelmäßig von Pirtek warten. Dennoch tritt angesichts des harten Baustellenalltags der Notfall „Maschinenstillstand durch Hydraulikschlauchdefekt“ laut Schäfer durchschnittlich 8-12 Mal im Jahr bei Nordgrün auf. Ein Kostenfaktor, der mit dem mobilen Pirtek Service reduziert werden kann und der sich laut Schäfer auch für kleinere GaLaBau-Betriebe rechnet.

Opportunitätskosten-Rechnung hilfreich

Für die Kosten/Nutzen-Beurteilung eines Outsourcings der Instandhaltung und Reparatur von Hydraulikleitungen sollten Unternehmen daher eine Opportunitätskosten-Rechnung  durchführen – d.h., dass der entgangene wirtschaftliche Nutzen durch Maschinenstillstand und die daraus entstehenden Folgekosten verglichen werden mit den Kosten für die Auslagerung an einen externen Dienstleister wie Pirtek. Im Vergleich bspw. zum Vorhalten einer eigenen Hydraulikschlauchwerkstatt, die hohe Investitionen in die Technik und in mindestens einen „befähigten Mitarbeiter“ erfordert, sei der mobile Service in den meisten Fällen betriebswirtschaftlich günstiger. Auch eine Gegenüberstellung von Kosten für den Einbau eines neuen Schlauches durch eigene Mitarbeiter, der an den Kauf des neues Schlauches in der nächst verfügbaren stationären Werkstatt gekoppelt ist, geht in den meisten Fällen zugunsten des Outsourcings aus. Ein Potenzial, das zwar erkannt ist, aber laut Weber noch Luft nach oben bietet: „Wir haben schon sehr viel erreicht in Deutschland, inzwischen nutzen schätzungsweise 10-15% des Marktes den mobilen Service, aber die restlichen 85-90% sind immer noch auf den stationären Service konzentriert.“

Lokale Präsenz wichtig

Thiehofe, der zwei Jahre mit Weber die Geschicke des Unternehmens gelenkt hat und jetzt die alleinige Verantwortung trägt, sieht zudem Potenzial in der gewachsenen Mischung aus größeren Franchisepartnern mit vielen Centern und kleineren Partnern mit starker lokaler Verwurzelung. „Die lokale Präsenz ist für uns von wesentlicher Bedeutung, um den Markt überall gleichermaßen zu durchdringen. Wir müssen die großen Unterschiede im System ausbalancieren, so dass jeder in seinem Gebiet erfolgreich werden kann und es dennoch eine Einheit bleibt. Darin sehe ich die große Herausforderung des Franchisesystems in den nächsten Jahren.“ bi