Entsorgung von Erdaushub: Kostenexplosion befürchtet

WIESBADEN, 17.04.2017 – Der Fachverband Garten-, Landschafts- und Sportplatzbau Hessen-Thüringen warnt gemeinsam mit anderen Verbänden der Bauwirtschaft vor rasanten Kostensteigerungen bei Bauprojekten. Sind die Vorschriften für Bodenproben und Analysen der Schuld an der Entwicklung?

Die Kosten für die Entsorgung von Erdaushub werden auch in Zukunft weiter steigen

Die gesteigerten Kosten für die Entsorgung von Erdaushub muss grundsätzlich der Bauherr als Abfallerzeuger tragen. | Foto: Wacker Neuson

In dem aktuellen Positionspapier der hessischen Bauwirtschaft „Recycling und Verwertung am Bau verbessern – teure Entsorgung vermeiden!“ wird auf den drohenden Engpass bei der Verwertung und Beseitigung von Erdaushub hingewiesen. Nach Einschätzung des Verbände-Bündnisses kommen starke Kostensteigerungen für die Entsorgung von Erdaushub und Boden auf private und öffentliche Bauherren zu. Das schmälert den Investitionsraum teilweise sogar bis zur Verhinderung von dringend erforderlichen Infrastruktur- und Baumaßnahmen. Fehlende regionale Verwertungs- und Entsorgungsmöglichkeiten führten zu unnötigen Lkw-Kolonnen und damit
verbundenen ökologischen Nachteilen.

Engpass an lokalen Erddeponien

„Die Kosten für die Abfuhr der bei jedem Bau anfallenden Erdmassen sind in den letzten Jahren erheblich gestiegen. Gründe dafür liegen in der zurückgehenden Zahl offener Erd-Deponien und Akzeptanzschwierigkeiten von Recycling-Baustoffen. Dadurch werden Transportwege immer länger, was neben steigenden Kosten auch zu einem erhöhten CO2-Ausstoß und Lärmbelastungen führt“ erläutert der Präsident des FGL Jens Heger. „Immer mehr lokale Erddeponien stellen den Betrieb ein, bei den verbliebenen Verfüllbetrieben steigen die Anforderungen. Ein verpflichtender Einsatz von Recyclingmaterial bei öffentlichen Bauvorhaben würde zu einer besseren Verwertung von Erdaushub führen und somit die Kosten für die Entsorgung senken helfen.“

Aufwendige Analyseverfahren nötig

Ein weiteres Ärgernis und einen enormen Kostentreiber sehen die Landschaftsgärtner in den immer aufwändigeren Analyseverfahren für Erdaushub, die auch für kleine Mengen gefordert werden. Die erste Analyse erfolgt bereits am Entstehungsort des Aushubs. Später ist oft eine zweite Analyse erforderlich, wenn der Erdaushub beim Verfüllbetrieb oder der Deponie angeliefert wird. Diese Doppelbeprobungen führen zum Teil zu einer anderen Einstufung des Materials. Grundsätzlich trägt der Bauherr als Abfallerzeuger die Verantwortung und die Kosten für die anfallenden Erdmassen.

Umdenken erforderlich

Gemeinsam mit den anderen hessischen Verbänden fordert der FGL die hessische Landes- und Kommunalpolitik eindringlich zum Handeln auf: „Für nicht oder nur gering belastete Böden brauchen wir ortsnahe Verwertungsmöglichkeiten, außerdem eine stärkere abfallrechtliche Verantwortung der Bauherren und Planer sowie endlich ein einheitliches und praxisgerechtes Analyseverfahren für den Bodenaushub“ fasst Jens Heger zusammen. Darüber hinaus sind ausreichende Verfüll- und Deponiekapazitäten sicherzustellen. Überdies muss die öffentliche Hand die Verwertung von Erdaushub und Böden, z.B. im Straßen- und Wegebau aktiv unterstützen. bi